T25~Der quälend lange Sonntag

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Nachdem ich gestern nach Hause gekommen bin, scheint die Zeit absichtlich langsamer zu vergehen. Ich vermisse Lorent so sehr, mein Herz schmerzt. War es wirklich erst gestern, dass ich ihn noch gesehen habe? Es scheint so viel länger her. Ich höre meine Eltern aufstehen. Es ist gerade mal sieben Uhr morgens.
Und trotzdem vermisse ich ihn so sehr, als ob ich ihn das letzte Mal vor einem Monat gesehen hätte. Ich verlasse mein mollig warmes Bett kurz, um Hachiko von meinem anderen Bett zu holen. Hachiko - das ist ein riesiges Eisbärkuscheltier und mein Trost, wenn ich mich einsam fühle. Und momentan fühle ich mich total einsam. Ich kuschele mich wieder unter meine Bettdecke.

Darrin. Er sieht genau so gut aus, wie vor fünf Monaten (da habe ich ihn das letzte Mal gesehen). "Warum, Emma, warum?", fragt er traurig. "Was?" - "Warum betrügst du mich. Wieso tust du mir das an?" Schlechtes Gewissen keimt ihn mir auf. Ich frage mich, warum ich ihn betrüge. Betrüge ich ihn? Kann man jemanden, mit dem man nicht zusammen ist überhaupt betrügen? Mein Herz wird schwer, ich fühle mich schlecht und bin voller Trauer. Doch dann wandelt sich meine Trauer in Wut. "Du bist selbst schuld.", schleudere ich ihm entgegen. Er schaut mich hilflos an. "Was habe ich getan?" - "Du warst doch derjenige, der gesagt hat 'Wir waren mal zusammen.' Du warst derjenige, der es in die Vergangenheit gesetzt hat. Nicht ich." Ich sehe noch Darrins verletzten Blick. Den Blick einer Person mit gebrochenem Herzen. Dann verschwimmt alles.

Ich schlage meine Augen auf. Trotzdem ist alles verschwommen. Ich werde von Schluchzern geschüttelt, weine hemmungslos. Warum ich genau weine, weiß ich selbst nicht. Vielleicht, weil ich Darrin so unglaublich vermisse. Vielleicht, weil ich denke, dass er der Richtige ist oder war. Vielleicht weil ich wütend auf ihn bin, dass er das damals gesagt hat. Vielleicht, weil ich immer noch den Traum hatte, dass er der erste sein würde, den ich küsse. Vielleicht ein bisschen von allem.

Nachdem ich mich ausgeweint habe, stehe ich auf und gehe in die Küche zum Frühstücken. "Ach, auch schon wach? Wir dachten schon du kommst gar nicht mehr", begrüßt mich mein Vater. "Das kommt davon, wenn man erst so spät nach Hause kommt.", wirft meine Mutter ein. Von wegen spät. Ich bin pünktlich um 19 Uhr dagewesen. - denke ich. Aber ich bin still und freue mich einfach, das meine Eltern es auch sind. Ich bin mir sicher, dass gerade meine Mutter später noch mit mir reden möchte.

Ich sollte Recht behalten. Den ganzen Tag habe ich mich in meinem Zimmer aufgehalten, Musik gehört und mein Buch weitergeschrieben. Nur zum Mittag- und Abendessen habe ich den Raum verlassen. Und natürlich um aufs Klo zu gehen.
[Kennt ihr diese Bücher (meist Fantasygeschichten), in denen die Charaktere einfach absolut nie aufs Klo gehen, bzw. nie geschrieben wird, dass die Charaktere aufs Klo gehen?
Vielleicht ist zwischen dem ganzen Welt-retten-gedöns einfach keine Zeit dazu. Das müssen wir Normalsterblichen halt akzeptieren^^]
Etwa um acht Uhr klopft es an meine Zimmertür. "Herein.", sage ich. Meine Mutter betritt den Raum. Ich schaue sie missbilligend an und nehme die Kopfhörer aus den Ohren. "Was willst du?" Sie stört sich nicht an meinem missbilligendem Blick, sondern kommt zu mir und setzt sich auf mein Bett. "Willst du nicht ein bisschen was erzählen?" - "Was denn?" Sie verdreht die Augen. "Von Lorent natürlich." Als ob das selbstverständlich wäre... "Was willst du denn wissen?", frage ich genervt. Meine Mutter lässt sich davon immer noch nicht stören. "Wie hast du ihn kennengelernt?", fragt sie neugierig. Ernsthaft? "Ähm, er geht seit der achten in meine Klasse.", teile ich ihr mit. "Und wie kommt's, dass ihr jetzt ein Paar seid?" Phh, genau, wir sind "ein Paar". Und übermorgen heiraten wir. Ich beschließe meiner Mutter nicht zu antworten, denn, mal ehrlich, wer erzählt seiner Mutter schon alles? Vor allem dann, wenn sie solche Fragen stellt. Das ist einfach nur peinlich. Meine Mutter schaut mich abwartend an. Langsam scheint sie zu bemerken, dass ich nicht auf ihre Frage eingehen werde. "Ich habe dich was gefragt.", sagt sie, sichtlich verärgert. "Und ich habe nicht vor, zu antworten! Ich habe ein Recht darauf, Dinge für mich zu behalten. Ich bin kein Baby mehr. Ich bin bereits fünfzehn Jahre alt. Bald werde ich sechzehn." - "Aber noch bist du nicht erwachsen. Du musst tun, was ich dir sage.", wettert meine Mutter dagegen. Irgendwie laufen unsere Streitereien immer gleich ab. "Du kannst mir nicht vorschreiben, was ich zu sagen habe. Im Grundgesetz steht, dass..." Meine Mutter schneidet mir das Wort ab. "Das hat nichts mit dem Grundgesetz zu tun. Ich kann dich auch einfach bestrafen..." Wofür genau will sie mich denn jetzt bestrafen? Weil ich ihr nicht sage, wie ich mit Lorent zusammengekommen bin? Normalerweise wäre das jetzt der Zeitpunkt, zu dem ich das Zimmer verlasse und in mein Zimmer verschwinde. Da wir uns allerdings gerade in meinem Zimmer befinden, kann ich nicht in dieses flüchten.
Ich versuche meine Stimme normal klingen zu lassen und nicht zu schreien: "Ich möchte, dass du gehst.", presse ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und da sie keine Anstalten macht, zu gehen, schiebe ich noch ein "Jetzt gleich." hinterher. Wir starren uns noch einen Moment lang an, dann dreht sie sich um und stapft aus dem Zimmer.

Ich muss an einen anderen Streit denken. Vor allem ein Satz hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt: "Bevor du knutschend in der Ecke sitzt, möchte ich doch bescheid wissen." Das. Hat. Meine. Mutter. Wirklich. Gesagt. Und das war auch der Grund, weshalb ich meiner Mutter nichts von meinem ersten Freund erzählt. Auch wenn ich es Lorent nicht erzählt habe. Ich war mit Darrin zusammen. Aber was würde es ihm nutzen, das zu wissen? Darrin werde ich vermutlich nie mehr sehen. Lorent würde sich doch nur unnötig aufregen.

Um Viertel vor neun klopft es erneut an meine Zimmertür. Ich bitte niemanden herein, trotzdem betritt meine Mutter den Raum. "Was?", schnaube ich.
[A/N Denke nur ich gerade an ein Pferd]
"Ich wollte mich entschuldigen.", meint sie. Gut. Das hast du ja jetzt. Sie schaut mich erwartungsvoll an. "Ja. Gut." Sie schaut mich immer noch erwartungsvoll an. "Ist noch was?" - "Willst du dich nicht vielleicht auch entschuldigen?" Nope. "Ja. Es tut mir leid." Sie nickt zufrieden. Ich frage mich, ob sie jemals merkt, dass ich diese Entschuldigungen (fast) nie ernst meine. Früher hätte sie mich jetzt in den Arm genommen, aber das habe ich ihr abgewöhnt.

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Ja, ich weiß, nicht besonders viel, dafür, dass ich jetzt so lange gar nicht mehr geupdatet habe. Ich versuche zukünftig mehr und vor allem regelmäßiger Teile hochzuladen. Nichtsdestotrotz wäre es schön, wenn mehr Leute kommentieren würden, bzw. überhaupt mal jemand kommentieren würde.
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Mein Leben - schlimmer als ein AlptraumWo Geschichten leben. Entdecke jetzt