Irgendetwas ist anders als sonst. Lorent ist genauso zuvorkommend wie immer, aber trotzdem wirkt er anders. Oder bilde ich mir das nur ein? In so was bin ich nämlich gut. Mir Dinge einzubilden. Bei Lorent ist niemand Zuhause. Jaice ist mit Lily beim Ballettunterricht und Roberto muss arbeiten. Wir haben also sturmfrei.
(Da rufen wir natürlich alle Leute an, die wir kennen und veranstalten eine Riesenparty...)
Lorent greift nachdem er aufgeschlossen hat nach meiner Hand und zieht mich hinter sich her in die Küche. Er holt zwei Teller aus dem Schrank, stellt sie auf den Herd, schöpft Tortellini und Soße auf beide und stellt sie nacheinander in die Mikrowelle. Ich sitze mehr oder minder unnütze herum und beobachte Lorent bei seinem Tun. Er stellt einen Teller vor mir ab und setzt sich mir gegenüber hin. Ich esse zwei Teller Tortellini, einfach, weil es so verdammt gut schmeckt. Wenn das so weitergeht, wiege ich bald das Doppelte. Nach dem Essen räumt Lorent das Geschirr weg, ich stehe einfach daneben und komme mir blöd vor.POV Lorent:
Nachdem ich die Spülmaschine wieder geschlossen habe, nehme ich Emmas Hand und ziehe sie hinter mir her nach oben in mein Zimmer. Wir lassen uns auf meine Bett fallen und legen uns nebeneinander auf den Rücken.
POV Emma:
Irgendetwas beschäftigt ihn. Ich will aber nicht fragen, aus Angst, dass er mich abweist. "Emma." Ich drehe mich auf die Seite und schaue ihm in seine Augen. Er rutscht noch näher heran, stützt sich auf seinem Ellbogen ab, ich tue es ihm gleich. Er legt seine Hand an meine Wange und lehnt sich nach vorne. Wir schauen uns tief in die Augen. Ich bekomme eine Gänsehaut, so sehr berührt es mich. Dann lehnt er sich noch weiter nach vorne und legt seine Lippen auf meine. Ich fühle mich als würde ich verbrennen. Lorents Zunge bahnt sich einen Weg in meinen Mund, ich unterdrücke ein Stöhnen. "Lorent.", sage ich, als wir uns wieder voneinander gelöst haben. "Ich liebe dich." Ich schaue ihm in die Augen, verliere mich in deren Tiefe. Er sagt nichts, lehnt sich nur erneut vor und küsst mich. Ich lege meine Arme um seinen Hals, lasse mich nach hinten kippen und ziehe ihn mit mir. Ich bemerke Lorents Erregung und spüre seine Lippen gleichzeitig hart und doch irgendwie sanft auf meinen. Das Ganze spitzt sich zu, weil ich meine Hände unter seinen Pulli schiebe. Ich habe echt keine Ahnung, warum ich mich bei ihm immer so offensiv zeige. Sonst bin ich ein eher zurückhaltender Mensch. Er küsst mich immer leidenschaftlicher, besser gesagt, wir küssen uns immer leidenschaftlicher, lösen uns nur kurz, damit ich ihm den Pullover über den Kopf ziehen kann. Dieser landet irgendwo auf dem Boden. Ein Klopfen an der Tür lässt uns innehalten. Die Tür öffnet sich und Lily kommt rein. "Was macht ihr da?", fragt sie mit großen Augen. "Ehm, wie lernen.", antwortet Lorent. "Und was lernt ihr?" - "NwT.", antwortet er schnell. "Was müsst ihr machen?", fragt Lily interessiert. Darauf hat Lorent keine Antwort mehr. Also springe ich für ihn ein. "Wir müssen unseren Blutdruck unter verschiedenen Gegebenheiten messen. Dein Bruder hatte die geniale Idee, mich zu kitzeln. Und das hat er gleich in die Tat umgesetzt, obwohl wir noch kein Blutdruckmessgerät haben." Sie nickt. Puuh, hoffentlich hat diese Fragerei jetzt ein Ende. Falsch gedacht. "Und warum trägst du kein Oberteil mehr?", fragt sie ihren Bruder. Darauf habe ich keine Antwort. Lorent schon. "Ich dachte, ich bringe Emmas Herz durch meinen schönen Körper dazu, schneller zu schlagen." Lily nickt als wäre das das Normalste der Welt, während ich rot anlaufe. "Also hast du keine Zeit für mich.", stellt Lily fest und sie klingt traurig. "Ja, entschuldige bitte.", meint Lorent. Lily verlässt das Zimmer. Lorent steht auf, um die Tür zu schließen. Ich setze mich im Bett auf. Lorent kommt zurück, lässt sich neben mich fallen und fragt, was wir jetzt machen. Ich antworte ihm, dass wir wirklich lernen sollten. Er stimmt mir widerstrebend zu, steht auf und holt seine Mathesachen.
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Seit einer geschlagenen Stunde sitzen wir hier und Lorent versucht mir Mathe zu erklären. Ein hoffnungsloser Fall. Zum einen bin ich alles andere als gut in diesem Fach. Zum anderen kreist eine Frage ununterbrochen in meinem Kopf. Hätten wir jetzt miteinander geschlafen, wenn Lily nicht reingeplatzt wäre?
POV Lorent:
Wir hätten ganz sicher miteinander geschlafen, wenn meine Schwester nicht auf einmal ins Zimmer gekommen wäre. Dann hätte das ganze ein Ende. Ich müsste nicht dauernd darüber nachdenken, ob ich sie vielleicht doch nicht wirklich liebe. Warum hat mich Felix an das Gespräch vor Monaten erinnern müssen?
In dem Gespräch ging es um die Person, die mir Jahr für Jahr anonym eine Rose schickt. Im Verlauf des Gesprächs fiel Emmas Name und Felix meinte, ich könnte ja versuchen, ihr näherzukommen, um herauszufinden, ob sie dahinter steckt.Jetzt glaubt er, ich mache das alles nur, um herauszufinden, ob Emma die Rosenschickerin ist. Und weil ich ihn schon so lange kenne und er mein bester Freund ist, kann ich nicht anders als darüber nachzudenken, ob er vielleicht Recht hat. Vielleicht spielt mir mein Unterbewusstsein einen Streich. Vielleicht liebe ich sie ja gar nicht, sondern will mir wissen, ob sie mir immer die Rosen schickt
Warum konnte Felix mich meine Gefühle nicht einfach ausleben lassen? Warum hat er mich an dieses Gespräch erinnert?
Ich küsse sie nicht, um ihr Vertrauen zu gewinnen, ich umarme sie nicht, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Ich treffe mich auch nicht dauernd mit ihr, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Nein, das alles mache ich nur, weil ich sie vermisse und mag, bzw liebe. Oder?
Ich glaube schon. Es geht mir verdammt nochmal nicht um die Rosen, es geht um sie.
Felix versteht das nicht. Er schreibt mir andauernd, um zu erfahren, wie weit ich in der Operation "Rosen" schon bin. Wenn ich es bis Weihnachten geschafft habe, herauszufinden, ob sie mir diese geschickt hat, habe ich die Wette gewonnen.
Eine Wette, von der ich nichts weiß.
Super.
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Mein Leben - schlimmer als ein Alptraum
Teen FictionEmma wurde schon einmal mit einer Pistole bedroht. Das ist nichts Positives, aber es macht sie dennoch zu etwas Besonderem. Emma glaubt außerdem, dass ihr jetzt nichts Schlimmes mehr passieren kann. Als allerdings ein Amokläufer an ihre Schule kommt...