T9~Evelyn 2

14 2 0
                                        

Zwei Minuten später bin ich wieder in der Küche. "Aiden hat mir gesagt, dass ihr euch an deiner Schule kennengelernt habt?" - "Ja, genau. Ich bin voll in ihn reingelaufen. Das war mir echt peinlich. Und dann hat er mich zu einem Eis eingeladen. Und wir haben geredet und ich fand ihn total sympathisch und naja. Dann haben wir uns lange nicht mehr gesehen...
Ja und heute ist er dann vor meiner Schule aufgetaucht und hat er mir angeboten, mich mitzunehmen, um mir mal sein Zuhause zu zeigen. Ich habe mich total darauf gefreut, dich kennenzulernen. Aiden hat viel von dir erzählt. Nur, dass du TS hast, hat er nie erwähnt. Deshalb war ich vorhin auch so erstaunt. Es tut mir leid, dass ich dich so angestarrt habe." - "Ach, das ist schon in Ordnung. Ich wollte mich auch noch - verdammt! - entschuldigen, dass ich so überreagiert habe, aber ich habe schon so viel Schlechtes erlebt und deshalb..." - "Kein Problem. Ich bin dir nicht böse. Ich kann dich sehr gut nachvollziehen." Sie lächelt mich dankbar an. "Ist heute nicht Schule?", fragt Evelyn auf einmal. "Doch. Aber ich hätte sowieso geschwänzt. Es ist nicht Aidens Schuld.", beeile ich mich zu sagen, da sie Aiden einen mahnenden Blick zuwirft. "Auf welche Schule gehst du?", fragt sie neugierig. "Auf das KFG in Mannheim.", antworte ich zögerlich. "Mannheim?!? Das ist aber ziemlich weit." - "Darum musste ich auch aufs Klo." - "Aber... Aiden, bist du etwa die ganze Nacht gefahren?" - "Nein. Ich bin gestern früh gefahren und habe in Mannheim in einem Hotel übernachtet. Dann habe ich heute morgen Emma abgeholt und hierher gefahren." Plötzlich klingelt mein Handy. Aus alter Gewohnheit will ich es aus meiner Hosentasche nehmen, aber dann fällt mir wieder ein, dass Aiden ja mein Handy hat. Jetzt holt er es allerdings aus seiner Jackentasche und reicht es mir. Mehr als erstaunt nehme ich es entgegen "Meine Mutter.", sage ich, bevor ich rangehe. "Ja." - "O Emma, ich bin so froh, dich zu hören. Geht es dir gut?" Ich gehe aus dem Zimmer, damit ich frei sprechen kann. Denn Evelyn weiß ja nichts von dem Amokläufer. "Ja, nachher werde ich wieder nach Hause gebracht. Wir wurden gerettet." - "Geht es euch beiden gut?" - "Ja, es geht uns gut. Wir sind bei einem Pärchen untergekommen. Heute Morgen gab es Brötchen mit Nutella und gestern Abend gab es Hähnchen." - "Dem Jungen auch?" - "Ja, Lorent geht es auch gut. Es tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe. Der Empfang war nicht so gut." - "Soll ich die Polizei rufen?" - "Nein, Mama. Du musst nicht die Polizei alarmieren. Es ist alles gut. Du willst es von den anderen hören? Gut, ich gebe dir Aiden. Einen Moment, er ist in der Küche." Ich öffne die Tür. "Aiden? Kannst du mal kommen?" Er steht auf und kommt in den Flur. Dann zieht er die Tür hinter sich zu und eine seiner Augenbrauen fragend in die Höhe. "Also. Du und deine Freundin haben uns befreit, die Pistole des Verbrechers war eine Schreckschusspistole, er ist abgehauen und ihr habt uns über Nacht aufgenommen und nachher bringt ihr uns nach Hause." Nach diesen Infos gebe ich ihm mein Handy. Ich weiß nicht, warum ich für ihn lüge. Das was er getan hat war alles andere als richtig. "Hallo?", fragt er. "Ja, den Kindern geht es gut. Ja, richtig. Wir haben sie aufgenommen. Ja, es kann aber dauern, denn bis nach Mannheim sind es etwa 5 Stunden. Als wir sie gestern gefunden haben, war nichts aus ihnen rauszukriegen. Ja. Ja. Gut. Bis dann." Er legt auf. "Was willst du denn wegen Lorents Wunde sagen?", fragt er mich neugierig. Shit! Daran habe ich gar nicht mehr gedacht! "Vielleicht kann er sie verstecken..." - "Emma, diese Lügerei macht mich fertig." - "Willst du eine Gerichtsverhandlung? Dann bitte. Sag allen die Wahrheit." Er schüttelt den Kopf. Als wir zurück in die Küche gehen, steht Evelyn am Herd. Aiden geht zu ihr und umarmt sie zärtlich von hinten. "Was machst du denn?" - "Ich koche was zu essen." - "Evelyn, das ist total nett von dir, aber meine Mutter ist echt sauer und will, dass ich sofort nach Hause komme." Aiden stimmt mir zu. Ich glaube, er ist einfach froh, wenn diese elendige Lügerei vorbei ist. Ich auch. Evelyn sieht traurig aus. "Du bist doch grade erst gekommen..." Ich umarme sie nochmal. Sie legt ihre Arme um mich. "Wir sehen uns aber wieder, oder?" - "Ich weiß nicht. Vielleicht." Sie nickt. "Wollen wir Nummern tauschen?", fragt sie dann. "Gerne." Sie sagt mir ihre Nummer und ich speichere sie ein. Dann lasse ich ihr kurz klingeln, damit sie auch meine Nummer hat. Aiden ruft mir zu, dass wir gehen müssen." Evelyn.", sage ich eindringlich. Erschrocken schaut sie mich an. "Liebst du Aiden?" - "Er ist mein Ein und Alles.", antwortet sie prompt. "Was würdest du tun, wenn er etwas Dummes getan hat, weil er dich liebt? Würdest du ihm verzeihen?" - "Ja...?", sie nickt ängstlich. "Wenn er wiederkommt, bitte ihn, dir die Wahrheit zu erzählen. Und verzeihe ihm. Ich habe ihm auch verziehen. Wenn er dir alles erzählt hat, kannst du mich anrufen. Nur wenn du willst." - "Emma!", ruft Aiden wieder. "Ich komme!", rufe ich und zu Evelyn gewandt, sage ich: "Es tut mir leid, dass ich dir nicht mehr sagen kann, aber ich muss gehen." Ich umarme sie noch einmal, dann haste ich raus zu Aiden und steige in sein Auto. "Halt.", sage ich, bevor er losfährt. "Habt ihr noch ein anderes Auto?" - "Nein." - "Dann, egal." Hoffentlich erinnert sich niemand daran, dass wir in genau diesem Auto entführt wurden. Aber es gibt ja viele dunkelgraue Wagen. Und hoffentlich erinnert sich auch niemand an Aiden...

Mein Leben - schlimmer als ein AlptraumGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt