{ 19. Kapitel }

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„Serena!" stieß Ayala aufgeregt hervor. Ihre Wangen glühten in einem sanften Rot, ihre Augen strahlten. Ich holte tief Luft, um mich bei ihr für die ganze Sache gestern zu entschuldigen.

„Hör zu Ayala, ich –"

„Ich weiß, was du jetzt sagen möchtest", unterbrach sie mich, ging um meinen Tisch herum und ließ sich in die Hocke sinken, sodass sie beinahe auf einer Augenhöhe mit mir war.

Mit großen Augen starrte ich sie an. Sie wusste, was ich ihr sagen wollte?

„Du willst mir sagen, dass es dir Leid tut, stimmt's?" fragte sie zaghaft.

Ich nickte nur kurz und nahm dann ihre Hand vorsichtig in meine, während ich ihren Blick erwiderte. „Es war nicht richtig, was ich gestern getan habe. Ich –"

„Schon gut. Milo hat mir alles erklärt." Wieder ließ sie mich nicht ausreden, sondern schaute mich nur aus ihren sanften Augen an, aus denen die Enttäuschung von gestern komplett verschwunden war.

Moment einmal, Milo hatte ihr alles erklärt?! Na, auf diese Erklärung war ich ja ziemlich gespannt.

Skeptisch beäugte ich sie. „Was genau hat er dir denn gesagt?" erkundigte ich mich.

„Er hat mir gesagt, dass er, naja, schon länger in mich verliebt ist", sprudelte sie hervor und ihre Augen funkelten glücklich. „Er wollte nur Zeit mit dir verbringen, um mehr über mich in Erfahrung zu bringen und über dich an mich heranzukommen."

Bitte was?

„Gestern in der Umkleidekabine wollte er mich nur eifersüchtig machen. Er hat mich gesehen und sich gedacht, dass ich auf dich warte. Er hat gesagt, dass er dich gebeten hat, ihm zu helfen, mich eifersüchtig zu machen, weil er dachte, dass ich sonst unterreichbar für ihn wäre."

Halt, er hatte was getan? Ich hatte ihm helfen sollen, Ayala eifersüchtig zu machen? Dann hatte ich das Rundschreiben über den Plan wohl nicht bekommen.

„Er wusste nicht, was ich für ihn empfinde, aber als er gesehen hat, dass ich enttäuscht weggegangen bin nachdem ich die Sache zwischen Milo und dir mitbekommen hatte, wusste er, dass ich dieselben Gefühle für ihn hege wie er für mich."

So hatte er gar nicht auf mich gewirkt, als er mir gedroht hatte?

„Auf jeden Fall war er gestern noch bei mir, nachdem ich Lilya und Nia weggeschickt hatte, als ich nun ja... sauer auf dich war. Entschuldige noch mal deswegen! Aber ich dachte wirklich, dass die Sache zwischen dir und Milo...naja. Ich hatte ja keine Ahnung dass du ihm nur helfen wolltest, mich zu erobern!" Sie übersprudelte fast schon vor Freude und Glück. „Er hat mir gestern nur gesagt, dass ich ihn heute Morgen an der westlichen Wegkreuzung vor Sonnenaufgang treffen sollte...und da hat er mir dann gesagt, was er für mich empfindet!" Ayala quietschte leicht auf und fasste sich mit beiden Händen begeistert an ihre Wangen. „Kannst du das fassen, Serena? Er ist in mich verliebt!"

Nein, tatsächlich konnte ich das nicht fassen.

Ohne darauf zu achten, dass ich ihr nach wie vor keine Antwort gegeben hatte, umarmte sie mich überschwänglich. „Du bist wirklich die beste Freundin, die man sich wünschen kann!" hauchte sie in mein Ohr.

Als schließlich Professor Damy erschien, löste sie sich von mir und flitzte auf ihren eigenen Platz zwei Reihen entfernt von mir. Ich schenkte ihr ein halbherziges Lächeln, doch sie schien das „halbherzig" darin offensichtlich nicht zu bemerken, denn sie schickte mir ein regelrechtes Strahlen zurück, das ihr Gesicht erhellte.

Während Professor Damy mit seiner volltönenden Stimme in eine Einführung startete, starrte ich nur abwesend auf meine Tischplatte. Ich konnte nicht fassen, dass Milo sie so sehr angelogen hatte. Denn dass seine Worte eine Lüge waren, wusste ich hundertprozentig. Die Frage war nur, ob nicht vielleicht doch noch irgendwo ein Körnchen Wahrheit enthalten war? Ich beschloss, ihre – oder besser gesagt Milos Erklärung der Reihe nach auf zu bröseln.

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