Instinktiv wich ich einen Schritt zurück.
„Entführt?", wiederholte ich, doch so langsam ergaben ihre Worte auch einen Sinn in meinem Kopf.
War es nicht so, dass die Layphen Menschenfrauen nutzten, um sich fortzupflanzen? Ich erinnerte mich dunkel an die Worte meines Mythologie-Professors, die meine Annahme bestätigten.
Unschlüssig betrachtete ich die hölzerne Tür vor meinen Augen, hinter der nun auf der anderen Seite Stille eingekehrt war.
„Kannst du mir helfen? Bitte?", erklang es auf einmal leise fragend, beinahe flehend und zaghaft. „Wenn du keine von ihnen bist dann...hol mich hier bitte raus! Ich will nach Hause."
Ana begann, wieder leise zu weinen und ich biss mir auf die Unterlippe, als mich plötzliches Mitleid mit dem Menschenmädchen befahl, das ihrer Freiheit beraubt worden war.
Konnte ich ihr helfen? Sollte ich mich in die Angelegenheiten der Layphen einmischen?
Andererseits...wie konnte ich hier auch nur mit dem Gedanken spielen, nichts zu unternehmen? Was gab ihnen das Recht, ein wehrloses Mädchen einzusperren? Egal, wie verdorben die Menschen auch waren...kein Lebewesen der Welt hatte es verdient, eingesperrt zu werden.
Bevor meine Gedankenspiralen weitere Kreise ziehen konnten, hörte ich zögerliche, aber dennoch entschlossene Worte über meine Lippen fließen. „Ja. Ich werde dich hier raus holen...das verspreche ich dir."
Gleich, nachdem mein Satz in der Stille verklungen war, schluckte ich. Gesagt, getan. Wie sollte ich das bitte anstellen? Und welche Konsequenzen würden mir drohen, wenn die Layphen heraus fanden, dass ich ihr geholfen hatte?
„Danke", vernahm ich die hörbar erleichterte Stimme Anas. „Glaub mir, du weißt nicht, wie glücklich du mich damit machst! Zunächst musst du die Tür aufschließen, sie haben mich hier drin eingesperrt."
Wieder knabberte ich auf meiner Unterlippe herum und zögerte. Mit diesem Problem hatte ich dummerweise nicht gerechnet, als ich ihr so bereitwillig versprochen hatte, sie zu befreien.
„Was ist los?", fragte sie besorgt, nach wenigen Sekunden, die in absoluter Lautlosigkeit vergangen waren. „Bist du noch da?"
„Ja", erwiderte ich leise. „Aber...ich besitze keinen Schlüssel." Unschlüssig ließ ich meinen Blick durch den Gang wandern, beinahe so als erwartete ich, den dringend benötigten Gegenstand hier irgendwo offensichtlich an der Wand hängend zu entdecken.
„Das darf doch nicht wahr sein!", jammerte Ana leise und ich vernahm einen dumpfen Laut, als hätte sie ihre Hand frustriert gegen die Tür geschlagen.
Fieberhaft begann ich, nachzudenken. Wo konnte ich einen passenden Schlüssel auftreiben? Sicherlich würde Navarra in seiner Obhut einen besitzen, aber ich konnte wohl schlecht den hiesigen Akademieleiter darum bitten, ihn mir auszuhändigen. Er würde sicherlich nicht damit einverstanden sein, wenn ich seine einzige Hoffnung auf Fortpflanzung befreite.
Plötzlich vernahm ich leise Schritte, die die Treppenstufen empor klommen und die sich mir zusehends näherten. Verdammter Mist! Wenn mich hier jemand erwischte, konnte ich mir die ganze Befreiungsaktion abschminken, bevor sie überhaupt begonnen hatte.
Hektisch sah ich mich um und fühlte mich zurückversetzt an den Tag, an dem ich aus Aryans Raum getreten war und in dem davor liegenden Gang nach einer Versteckmöglichkeit gesucht hatte. Damals hatte mir ein Farn und ein kleiner Winkel Schutz gespendet, während der Flur hier mehr einer kleinen Einbuchtung ähnelte und weit und breit keine Pflanze zu entdecken war – oder irgendetwas anderes, hinter dem ich mich hätte verstecken können.
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Nymphenkuss
Fantasia{ ABGESCHLOSSEN } Einige Momente lang durchdrang lediglich das Rascheln der Blätter um uns herum die Stille, dann untermalte ich sie mit leisen Worten. „Du, Aryan?" „Ja?" „Wie lange wird das Saphirherz eigentlich leuchten?" „Solange ich lebe und du...
