22* Memories

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Mit einem kräftigen Brummen im Kopf wachte der erschöpfte Dean auf. Letzte Nacht war wild. Der Jäger kann sich an nicht viel erinnern, bloß Alkohol, Alkohol und Alkohol. Langsam öffnete er seine Augen und torkelte Richtung Badezimmer. Ein paar Möbel, die direkt an der Wand standen, waren Dean im Weg, weshalb er öfters auf seiner Odyssee aufgehalten wurde. Schlussendlich erreichte er sein Ziel und stützte sich am Waschbecken ab. Der penetrante Geschmack von Erbrochenem machte sich in seinem Mund breit. Keine Sekunde später hang er über der Toilette und röchelte schrecklich. „Mir geht es gut, mir geht es gut", wiederholte er immer wieder diesen einen Satz und richtete sich mühsam auf. Zurück am Waschbecken angekommen, wusch der Jäger sich das Gesicht mit eiskaltem Wasser. Schwer atmend seufzte er und wagte es danach in den Spiegel zu blicken und somit seine Visage zu sehen. Jedes Mal hasste er es mehr dieses Gesicht auf ihn zurückstarrend zu sehen. Dean hatte viele Feinde, aber keiner davon hasste ihn so sehr wie er selbst. Manchmal fragte er sich, ob die vielen Opfer es wert waren, dass er noch lebte. So viele geliebte Menschen waren seinetwegen tot. Der ältere Winchester schloss seine Augen, nur um sich selbst danach wieder im Spiegel zu betrachten. Doch diesmal waren seine Klamotten mit Blut getränkt, seine Augen waren rabenschwarz und sein aufgesetztes Lächeln stammte von teuflischer Natur.

Dean schreckte zurück, doch im nächsten Moment stand ihm wieder sein normales Spiegelbild gegenüber. Schnell wandte er seinen Blick ab. Dieser richtete sich nun auf das vertrocknete Blut am Boden. Wie lange war das schon hier? Der Jäger ging in die Hocke und strich über den dunkelroten Fleck. Weitere Erinnerungen an seinen inneren Dämonen kamen zum Vorschein. Weitere verletzte Menschen tauchten vor seinem inneren Auge auf. Menschen, welche er damals als Ritter der Hölle verunstaltet hat. Dean schüttelte seinen Kopf, um die verdrängten Erinnerungen zu umgehen. Rasch stand er auf, nur um darauf schwankend gegen die Wand zu stoßen. Stöhnend lehnte er seinen Kopf gegen diese und fuhr mit seiner Hand über das Kainsmal. Er gab es nicht zu, aber seine Haut kribbelte leicht rund um das Mal.

„Kopfschmerztabletten wären jetzt toll", grummelte Dean und kniff seine Augen zusammen. Diesmal schoss ihm eine andere Erinnerung durch den Kopf. Ein Abend, der unvergesslich blieb. Er wollte gar nicht an diese Nacht denken. „Wann hören diese Flashbacks endlich auf?", murmelte er vor sich hin und stellte sich ein letztes Mal vor den Spiegel. Dean atmete tief ein und schloss seine Augen. Als er sie diesmal öffnete, hatte sich nichts verändert, keine plötzlichen Erinnerungen, nichts. Nur seine pochenden Kopfschmerzen.

Müde schleppte Dean seinen Körper zurück zum Bett und ließ sich auf die Matratze fallen. „DEAN!" Der Jäger schreckte auf, als der Mann neben ihm im Bett seinen Namen schrie. Er hatte sich unabsichtlich auf dessen Hand fallen lassen. Seine Augen wanderten von den Zehen zur Unterhose über den freien Oberkörper bis zu dem Gesicht des scheinbaren Fremden. Doch sein Gesicht war Dean nicht unbekannt, im Gegenteil, er kannte das Gesicht nur allzu gut. Plötzlich fiel ihm auch einiges wieder ein. Wie er ihn angerufen hat, wie der Mann ihn ins Motel gebracht hat, wie sie beide dann... Wieso hatte er das getan? „Cas", hauchte er und verdeckte seine Augen voller Scham mit seinen Handflächen. Ihre Freundschaft war damit für immer ruiniert. Beide waren gestern betrunken, nachdem Dean den Engel dazu überredet hatte. „Kannst du dich an die letzte Nacht erinnern?" Castiel nickte verständlich. Der deprimierte Jäger wartete auf eine Reaktion des Engels, aber er wartete vergebens. „Und?"

„Und was?"

„Cas, was ist jetzt mit uns?"

„Ich weiß nicht, sag du es mir. Ich kenne mich mit menschlichen Gepflogenheiten nicht aus", meinte Castiel und legte seinen Kopf schief. Das hatte Dean komplett vergessen. Cas war unschuldig. Naja, fast. Nur April hatte vor ihm das Vergnügen und er stritt nicht ab, dass es kein Vergnügen war. „Ich weiß auch nicht, empfindest du etwas für mich?"

„Ich denke ich liebe dich sogar", murmelte Cas schüchtern. Der Engel war direkt, was Dean etwas verdutzt hinterließ. Liebte er ihn auch? „Dean? Hast du dazu nichts zu sagen?" Der Jäger überhörte Castiels tiefe Stimme und fixierte einen Punkt an der gegenüberliegenden Wand. Er musste sich eingestehen, dass er sich dies hier im innersten schon lange mit größter Sehnsucht gewünscht hatte. „Dean!" Castiel holte Dean aus seiner Traumwelt zurück und verlangte eine Antwort von Dean. Statt seinem Engel eine zu geben, packte er dessen Gesicht und presste seine Lippen auf die von Cas. Castiel ließ sich so mitreißen, dass Deans Körper nach hinten kippte und der tollpatschige Engel auf ihm landete. Es dauerte nicht lange, da ging Deans Zunge in Castiels Mund über. Castiel stöhnte, worauf Dean seine Beine über ihn schlug und das Becken des Engels an ihn drückte. „Ist das Antwort genug, Cas?", hauchte Dean mit rauer Stimme, während seine Zunge über Castiels Unterlippe fuhr, nur um seine Lippen in der nächsten Sekunde wieder mit denen des Engels zu verbinden. Castiel kam auch nicht mehr dazu Dean eine Antwort zu geben, da ihm der Jäger keine Chance ließ und so wiederholte sich die gestrige Nacht diesen Morgen und diesen Nachmittag und diese Nacht.

Destiel 4 life (One Shots)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt