4. Kapitel

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Luna

11. Dezember

"Hier wohnt also dein Freund?", meint mein Vater rund sieht mit einem argwöhnischen Blick das Haus an, in welchem Luca lebt. Ich nicke und presse meine Lippen aufeinander. "Ja dies ist es", bestätige ich es aber trotzdem noch einmal. "Gut, denn dann kannst du es ihm jetzt sagen gehen. Heute Abend, spätestens Morgen will ich wissen was er dazu sagt", kommt es streng von meiner Mutter. "Ich habe es kapiert Mom", meine ich und öffne die Türe des Autos, sofort weht mir ein kalter Wind entgegen. Langsam steige ich aus dem Auto aus und mache die Türe wieder zu. Die Kapuze meiner Jack ziehe ich mir tief ins Gesicht um dem Schnee auszuweichen der mir ins Gesicht prasseln will. Mit langsamen Schritten gehe ich auf die Haustüre zu und bleibe dann davorstehen. Eine gewaltige Menge von Überwindungskraft benötigt es dass ich die Klingel drücke, und von dort löse ich dann auch meine Finger eine Weile nicht. Jetzt ist es zu spät um es weiter zu verschwiegen. Nach kurzer Zeit öffnet mir ein verschlafener Luca, dessen Haare wirr in sein Gesicht hängen und seine Jogginghose schief auf der Hüfte liegen, die Türe. Ich beobachte ihn wie er sich die Haare aus dem Gesicht streicht bevor ich es nicht mehr länger aushalten kann. Ich falle ihm einfach in die Arme und schon brechen die ersten Tränen aus meinen Augen aus. Luca legt einen Arm um mich, und mit dem anderen schließt er die Türe, bevor er dann beide Arme um mich legt. Aber lange bleiben seine Arme nicht um mich, denn ziemlich hilflos und mit viel Geduld zieht er mir meine Jacke aus und wirft sie einfach hinter mich. Dann umfasst er mich wieder und fängt an beruhigend über meinen Rücken zu fahren. "Was hast du Luna?", meint Luca und küsst mich kurz darauf auf meinen Scheitel. "Luca ich muss dir etwas sagen, ich bin schwanger", meine ich weinend und schaue kurz in sein Gesicht, um seine Reaktion einzufangen. Nichts bewegt sich in seinem Gesicht, es ist wie eingefroren. "Ernsthaft Luna?", meint er dann. "Ja, ernsthaft in der siebten Woche", bestätige ich es. "Scheiße", kommt es von ihm. In seinem Blick ist etwas was ich nicht deuten kann, aber so einen Blick habe ich noch nie bei einem Menschen gesehen.

Luca

"Scheiße", meine ich und schaue einfach an Luna vorbei. Wie konnte das passieren? Wir haben doch immer aufgepasst. Ich schiebe Luna halb ins Wohnzimmer ich muss mich definitiv setzen, sonst falle ich plötzlich noch auf den harten Boden um. Ich streiche mir meine braunen Haare aus dem Gesicht sobald ich mich gesetzt habe. Von Luna kommt ein schluchzen bevor sie sich wieder an mir festkrallt. "Wirst du abtreiben?", frage ich nach. Ich muss ruhig bleiben, für Luna. Oder jeden Falls ruhig bleiben von außen her. "Sicher nicht, ich kann das doch keinem Lebewesen antun es zu töten obwohl es noch nicht einmal begonnen hat zu leben!", meint Luna und sieht kurz auf. Dabei glänzen ihre graublauen Augen, feucht vor Tränen. "Gut, denn ich hätte es nicht zu gelassen", meine ich. Egal wie ich rüber komme für andere Menschen, egal wie wenig Herz ich habe, ich könnte es niemals zulassen, dass irgendwer mein eigenes Kind tötet, egal ob es schon auf der Welt ist oder nicht. Und obwohl ich Luna gerne jetzt einfach im Stich lassen würde, weil ich noch nicht bereit bin ein kleiner Hosenscheißer aufzuziehen, ich kann es nicht. Es wäre auch feige wenn ich sie im Stich lassen würde. Es ist genauso ihr Baby wie meins. Das schlimmste aber ist, dass ich an Neujahr zu Sebastian zurück nach Long Peach muss und Luna hier in Miami bleiben muss. "Luca ich habe so angst vor dem was auf mich zukommt", meint Luna und wischt sich eine Träne weg. "Ich auch Luna. Ich auch."

Scheisse Luca wird Vater...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt