Sobald Dray und ich im Wald auftauchen, herrscht Stille. Ich spüre die Blicke, die auf uns gerichtet sind, und ich spüre vor allem den Blick meines Vaters. "Lucinda, wie schön, dass du zu uns zurückgekehrt bist. Ich dachte schon, du hättest dich umbringen lassen. Komm her." Dracos Gesichtszüge sind kalt und ich bin überrascht von seiner mächtigen Ausstrahlung, die er in dieser Situation an den Tag legen kann. Ich drücke seine Hand für eine Sekunde, bevor ich zu Voldemort gehe. Er berührt mein Gesicht mit einem seiner langen weißen Finger. Ich zucke keineswegs zurück, auch wenn es mich anwidert. "Du siehst gut aus, Lucinda. Unglaublich unverdorben sogar. Das überrascht mich. Draco! Komm her!" Ich schließe die Augen, um mich zu beruhigen. Bevor wir zwei uns auf den Weg hierher gemacht hatten, waren wir uns beide darüber einig, dass er erstmal nicht erfahren sollte, dass unsere Verbindung wieder besteht. Draco bewegt sich so geschmeidig über den unebenen Boden, dass ich ihm für seine schauspielerische Leistung gern einen Preis verliehen hätte. "Herr.", sagt mein Freund kühl und hört sich genauso an, wie vorhin als wir im Raum der Wünsche waren. "Ich habe eine Aufgabe für dich." "Eine Aufgabe?" Mein Vater lächelt, naja, irgendwie zumindest. "Wende Crucio an Lucy an. Sofort!" Für einen Augenblick scheint Draco zu überlegen, doch er weiß genauso gut wie ich, dass uns keine Wahl bleibt. Er dreht sich zu mir um, sieht mir in die Augen. Im nächsten Moment schießt ein undefinierbarer Schmerz durch meinen Körper und meine Schreie hallen durch den Wald. Doch genauso schnell wie der Schmerz kommt, verschwindet er auch wieder. Ich habe nicht bemerkt, dass ich auf die Knie gefallen bin. Draco steht immer noch über mir, der Zauberstab liegt ruhig in seiner Hand, aber seine graublauen Augen flehen um Vergebung. Wow, wäre er ein Muggel, wäre er ein toller Schauspieler. "Gut Draco, tritt zurück." Was er auch tut. Nun steht Voldemort wieder vor mir. "Ich musste ihn das tun lassen, um etwas zu überprüfen. Es hat nichts mit dir persönlich zu tun." Lügen konnte er aber auch schon mal besser. Ich sage nichts dazu, sondern rapple mich wieder auf. "Verzeiht mir diese Frage, aber was hat Euch dazu veranlasst uns her zu holen?" Er lächelt immer noch. "Ihr dient mir als Kulisse. Potter wird jeden Moment auftauchen, um sich töten zu lassen." "Nein! Harry wird sich nich' umbringen lassen, schon gar nich' durch dich!" Wie habe ich ihn übersehen können? Draco denkt sich gerade sicherlich dasselbe. Hagrid sitzt gefesselt an einem Baum. Ich muss aufpassen, dass mir kein Schrei entfährt, denn er sieht schrecklich aus. Sein Gesicht ist aufgekratzt, seine Haare sind noch wirrer als sonst. Bei Merlins Bart, das Ganze muss endlich ein Ende haben! Ich starre den Wildhüter an, doch er erwidert meinen Blick mit reinem Hass. Hat Dumbledore ihm jemals die Wahrheit über mich erzählt? Jetzt bin ich mir nicht sicher. "Lucinda, bring diesen Fleischklops zum Schweigen." Die Stimme meines Vaters klingt fast gelangweilt. Ich nicke und knie mich vor Hagrid, um so zu tun, als würde ich ein Seil mit der Hand entknoten. "Dumbledore hat so viel Vertrauen in dich gesetzt und jetzt hängst du mit diesen Idioten herum!" "Sei still... Du verstehst nicht, warum ich das tue..." "Er hat dir vertraut!" Es tut mir zwar leid, aber es geht nicht anders: Meine Schlange erhebt sich und isoliert Hagrid, sodass von seinen Flüchen nichts mehr zu hören ist. Genervt aussehend stehe ich auf und begebe mich wieder zu dem Rest. Ich stelle mich neben Narzissa, die mir unauffällig einen verletzten Blick zuwirft. Natürlich kann sie es nicht verstehen, das können sie alle nicht.
"Sobald all dies vernichtet ist, beginnt eine neue Ära, meine Freunde! Nichts wird mehr wie vorher sein!" Zum gefühlt hundertsten Mal muss ich mir nun diese Rede anhören. Ich muss mich beherrschen nicht zu gähnen, denn es ist einfach nur langweilig. Draco, der ein wenig weiter entfernt steht, scheint es ähnlich zu gehen. Plötzlich lässt ein Knacken eines Astes meinen Vater verstummen. Synchron gehen unsere Köpfe zum Beginn der Lichtung. Mir entweicht ein erschrockenes Keuchen, das aber zum Glück niemand hört, außer Narzissa vielleicht, die aber auch nicht gerade begeistert aussieht. Zu sehen, wie Harry auf die Lichtung kommt, veranlasst mich beinahe dazu, ihm in die Arme zu rennen und zu sagen, er solle sich von hier verpissen. Doch das kann ich mir jetzt nicht leisten. Meine Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf meinen Vater, der vollkommen auf ihn fixiert ist. "Harry Potter, der Junge, der überlebt hat, kommt zum Sterben." Ich wage es nicht einmal mehr zu atmen. Nein... Lass diesen Scheiß! "So Tom, du willst mich tot sehen? Dann sorg dafür." Voldemort geht einige Schritte auf ihn zu. "Du bist dumm und noch immer so naiv, Harry Potter. Deine Mutter starb, um dich zu retten und jetzt kommst du freiwillig für den Tod. Na gut, aber mir soll es recht sein. Noch irgendwelche letzten Worte?" Harrys Augen suchen meine. Ich versuche stark zu bleiben, bin aber kurz davor die Kontrolle zu verlieren. "Man sollte immer versuchen das zu retten, was man am meisten liebt, auch wenn man dafür schließlich selbst sterben muss. Man sollte versuchen zu verzeihen und die Leute, die man geliebt hat, in guter Erinnerung behalten. Egal ob man ihre Entscheidungen versteht oder nicht. Man sollte nicht vergessen, dass man geliebt worden ist." Meine Augen brennen und stumme Tränen, die sowieso niemand bemerkt, finden ihre Wege über meine Wangen. Ich schüttele bloß mit dem Kopf, flehe ihn ohne Worte an, dass er fliehen soll. Doch Harry schließt die Augen, im nächsten Moment trifft ihn der grüne Lichtblitz und er schlägt tot auf dem Boden auf. Ich stehe einfach da und versuche nichts zu fühlen. Doch das Bild von Fred taucht wieder vor meinen Augen auf. Ich habe nichts getan. Ich habe eine weitere geliebte Person sterben lassen. Meine Hand zuckt zu meinem Zauberstab. Das Ganze muss endlich aufhören. "Narzissa!" Die Mutter meines Freundes zuckt zusammen. "Ja Herr?" "Kontrolliere, ob der Junge tatsächlich tot ist!" Meine Hand zittert, als sie zu ihm geht. Sie ist über ihn gebeugt und legt den Kopf auf seine Brust. Nach ein paar Momenten kommt sie wieder hoch, dreht sich zu uns um und sieht mir in die Augen. "Tot."

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Good Inside ✔
FanfictionFortsetzung von "In Love With A Death Eater"❤ Was passiert, wenn du für den schlimmsten Magier aller Zeiten arbeitest? Was geschieht, wenn du dich entscheiden musst, für welche Seite du kämpfst? Was passiert, wenn du mehr über deine eigene dunkle...