Ausradiert?

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„Morgenstund hat Gold im Mund“, flötete die Stimme meiner Mom. Überrascht öffnete ich meine Augen. Ein Traum! Das war mein erster Gedanke, bevor ich die Augen aufschlug. Kaum hatte ich sie geöffnet, wusste ich bereits nicht mehr, was ich denken sollte ... Was zum Teufel war passiert? Ich lag in meinem alten Zimmer in Stratford, in dem wir gewohnt haben, bevor ich berühmt wurde.

„Heute noch Justin, du kommst zu spät“, drängelte sie nochmal und verschwand wieder aus dem Zimmer. Neugierig schaute ich mich um. Es sah anders aus, erwachsener als ich es in Erinnerung hatte aber es musste mein altes Zimmer gewesen sein, selbst der eingebrannte Fleck war noch an der Wand, den Ryan und ich da hinterlassen hatten.

Ich versuchte mich an gestern zu erinnern, ich hatte keine Ahnung, wie ich nach Hause gekommen war, mal abgesehen davon hatten wir das Haus nicht verkauft? Angestrengt wühlte ich durch meine Gedanken. Das Letzte, an das ich mich erinnern konnte, war, als wir am Flughafen in LA standen, um nach Europa zu fliegen. Sind wir doch nicht geflogen? Aber wie kam es, dass wir wieder in Stratford waren, im alten Haus?

Immer noch verwirrt und müde stand ich auf und schaute mich noch genauer um. Ein Fernseher stand an einer Wand, an den konnte ich mich ebenfalls nicht erinnern. Mein Computer ..., den kannte ich allerdings noch. Den hatte mir Grandpa gekauft.

Vorsichtig setzte ich mich auf den Stuhl und machte meinen Computer an.

„Justin meine Güte, es ist schon sieben Uhr“, drängelte Mom schon wieder.

„Wofür komme ich zu spät“, traute ich mich zu fragen, irgendein Interview in Stratford?

„Wofür?“, Mom fing an zu lachen: “Du kommst zu spät zur Schule“,

Verwirrt starrte ich ihr nach. Schule? Wann wurde das denn besprochen? Ich hatte doch gar keine Zeit für Schule.

Neugierig öffnete ich meinen Twitteraccount einloggen schien zu funktionieren, zumindest baute die Seite sich auf. Der Account sah anders aus, aber er schien zu funktionieren.

Follower: 25????????

Irgendwas war nicht in Ordnung. Eigentlich hatte ich das schon früher bemerkt aber irgendwie wurde es mir von Minute zu Minute klarer. Hatte ich nicht mal über vierzehn Millionen?

„Bist du soweit, Spatz?“, fragte Mom mich wieder: “Du bist ja noch immer nicht angezogen“,

„Mom? Wo sind meine Follower?“, fragte ich geschockt.

„Deine was?“, fragte sie mich verdutzt. Ich ignorierte ihre Antwort.

Kopfschüttelnd öffnete ich Youtube, um nach meinen Videos zu gucken, und tippte Justin Bieber ins Suchfeld, nichts, ich besaß nicht mal mehr einen Account bei Youtube.

Google?, nichts, absolut nichts über Justin Bieber. Das konnte doch nicht wahr sein, ich konnte doch nicht plötzlich weg sein?

„Ich bin weg, ausradiert“, flüsterte ich zu mir selbst.

„Was redest du denn da, du sitzt an deinem Computer und bist immer noch nicht angezogen junger Mann“, bemerkte Mom ungehalten, so langsam ging sie mir auf den Keks. Ich hatte irgendwie ärgere Probleme als nicht rechtzeitig zur Schule zu kommen.

„Mir geht’s heute nicht so gut Mom“, sagte ich schließlich zu ihr. Sie beobachtete mich kur.

„Irgendwas ist tatsächlich seltsam an dir, du redest wirr. Hast du Fieber?“, fragte sie und hielt ihre Hand an meiner Stirn:“ Kein Fieber! Vielleicht solltest du heute trotzdem lieber zu Hause bleiben.“,

Abwesend nickte ich. „Dann leg dich mal lieber wieder ins Bett Spatz“, befahl sie und verschwand wieder.

Was zum Teufel noch mal war passiert? Hatte ich in der Schule irgendwas genommen? Ich musste auf einem tierischen Trip sein. Ich bin reich ..., ich bin berühmt aber irgendwie auch doch nicht. Ich blickte eindeutig nicht mehr durch, vielleicht sollte ich mir einen Psychiater suchen. Ich konnte mich nicht mehr erinnern, vor allem nicht an die letzten Jahre. In welche Klasse, welche Schule ich gegangen war, ich konnte mich nur an mein Leben als Justin Bieber, den Sänger erinnern.

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