Neandertaler!

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Als ich meine Augen wieder öffnete war mir immer noch leicht schwindelig. Verwirrt blickte ich mich um. Ich lag im Krankenzimmer. Neben mir stand ein Glas Wasser, welches ich dankend nahm. Meine Kehle fühlte sich immer noch trocken und rau an.

„Junge, du hast uns einen großen Schrecken eingejagt“, sagte eine kleine, ältere Frau freundlich lächelnd. Beim Lächeln wippte ihre Brille auf der Nase verdächtig.

„Schön austrinken“, sagte sie weiter und deutete auf das Glas in meiner Hand. Verdutzt schaute ich sie an, sie lief hektisch durch den Raum und wühlte in Unterlagen!

„Wie ... wie bin ich ...“, fing ich an, während ich mich aufsetzte.

„Erinnerst du dich nicht mehr? Die Leute mit den Kameras? Mr. Henson hat dich das raus gezogen!, erklärte sie und wühlte dabei weiter. Als ich nicht antwortete, hielt sie kurz inne.

„Ruhe dich etwas aus“, wies sie an. Irgendwie war ich noch immer etwas neben der Spur.

„Wie lange war ich weg?“, fragte ich sie, da es mir gerade im Kopf herumspukte.

„Nur zwanzig Minuten etwa.“,

„Ach ja wir haben deine Mutter angerufen!“, fügte sie noch hinzu und setzte sich endlich auf einen Stuhl, dankend nickte ich kurz.

Mom würde bestimmt Terror schieben und irgendwie konnte ich sie verstehen. Wie konnte ich nur so gedankenlos sein und den Paparazzi direkt in die Arme laufen? Scheiß Stolz! Ich hätte wissen müssen, dass ich nicht mehr stark genug dafür war. Aber wie rücksichtslos die waren ...

Nach weiteren zehn Minuten klopfte es an der Tür.

„Wie geht es ihm Schwester?“, fragte ein ..., mir unbekannter, Mann. Ich saß bereits auf der Liege, auf der ich zuvor noch gelegen habe. Ich fühlte mich viel besser.

„Soweit stabil Direktor“, erklärte sie ihm. Der Mann kam ins Zimmer. Er hatte einen wohlproportionierten Bauch. Kurz ... Bierbauch. Auch er war etwas älter! Das war also der Direktor? Bisher hatte ich ihn noch nicht kennen gelernt.

„Justin, kommen Sie, ich bringe Sie in Ihre Klasse, bis Ihre Mom Sie abholt“, sagte er und stützte mich etwas. Warum ausgerechnet in die Klasse? Mir gefiel es ganz gut im Krankenzimmer.

Kaum waren wir aus der Tür, sah ich den Grund. Da hatte wohl jemand einen extremen Sportunfall gehabt und benötigte den Platz dringender als ich. Trotzdem wollte ich nicht in die Klasse.

Ich schaute auf die Uhr in der Cafeteria, die wir durchquerten. Ausgerechnet Geschichte war mein nächstes Fach und das hatte ich mit Grayson, Jessica und den Jungs zusammen. Keine Ahnung, warum aber irgendwie musste, ich aufgrund der Situation plötzlich grinsen. Ich hatte so ein verdammtes Pech heute, dass ich am liebsten laut gelacht und geheult hätte, um die Anspannung zu vertreiben aber stattdessen starrte ich erschöpft vor mich hin. Nachdem wir den Weg endlich geschafft hatten und vor der Tür standen, schlug mein Herz wie ein D-Zug. Der Direktor klopfte an die Tür und zog mich mit rein.

Einfach alles ignorieren, dachte ich mir und schaute demonstrativ meinem Lehrer, Mrs. Henson an der mich besorgt musterte.

„Such dir einen Platz Justin“, sagte er und redete kurz mit dem Direktor, ehe dieser wieder verschwand. Als ich mich umdrehte, um mir einen Platz zu suchen, bemerkte ich erst die unzähligen Augenpaare, die mich anstarrten. Um die unangenehme Stimmung besser zu ignorieren, spielte ich mit meinem Handy herum und tat geschäftig. Ein wenig wackelig auf den Beinen setzte ich mich dann auf den einzigen freien Platz.

„Geht es dir besser?“, fragte Mr. Henson vorsichtig, woraufhin ich nur nickte. Es herrschte eine eisige Stille. So selbstbewusst wie zu Beginn, war ich mittlerweile auch nicht mehr. Die Begegnung mit den Paparazzi saß mir noch in den Knochen.

How quickly everything can change!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt