kleine Narben, große Narben

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Nach Weihnachten und Silvester wurde alles wieder ein wenig ruhiger. Mom und ich nutzten endlich die Gelegenheit nach Disney World zu fahren, worauf ich schon so lange gewartet hatte. Als ich noch als Straßenmusiker unterwegs war, sparte ich mir jeden einzelnen Cent zusammen um mit Mom mal nach Disney World zu fahren aber dann kam ... Scooter. Könnt ihr euch vorstellen, dass ich zu Beginn tatsächlich zwischen Scooter und ein Wochenende in Disney World entscheiden wollte? Mom wollte mir dabei nicht helfen und am Ende entschied ich mich für Scooter.

„Disney World läuft ja nicht weg“, sagte sie damals, zu dumm, dass ich dafür aber überhaupt keine Zeit mehr hatte. Erst hat man Zeit und kein Geld, dann hat man plötzlich das Geld aber keine Zeit.

Auf jeden Fall waren wir nach Disney World noch bei den Niagara Fällen, in Kanadas Wonderland und im African Lion Safari Park. Danach hatte ich auch erst mal genug von Freizeitparks und Zoos. Mom dagegen freute sich wie ein kleines Mädchen über die Besuche.

Auch mit Chaz und Ryan unternahm ich viel. Die Beiden freuten sich darüber, dass wir mal mehr oder weniger ungestört umherziehen konnten. Auf Partys ging ich aber nicht mehr. Ich hatte erst mal genug vom Alkohol!

Hinzu kam, dass ich bald Geburtstag hatte, man bemerkte, dass ich bald achtzehn werden würde.  Na ja, Grandma war das, als Erste aufgefallen als wir dort waren, sie meinte ich würde mich erwachsener benehmen, ruhiger ... Hatte ich meine wilde Zeit, tatsächlich, komplett verschlafen? Ich konnte keine Änderung an meinem Verhalten feststellen aber so was bemerkte man wahrscheinlich eh nie selbst an sich. Sie beharrte darauf und ich weiß noch, wie sie mich alle anstarrten und darüber nachdachten. Und wenn schon ...

Grayson sah ich nach den Freizeitparks wieder sehr oft. Sie kam nicht mit, da ihre Eltern es ihr nicht erlaubten und außerdem, weil Mom und ich die Tage für uns haben wollten. Auch wenn ich Grayson unglaublich vermisste so manches Mal. Übrigens, sie hatte sich sehr über die Kette gefreut, die ich ihr geschenkt hatte, nachdem sie aus New York zurück war. Sie trug die Kette von da an jeden Tag, genau wie ich die andere Hälfte.

Ich unternahm wieder viel mit Grayson, hauptsächlich in Stratford aber ab und zu fuhren wir mit dem Zug, ins große Kino, nach London. Chaz und Ryan hatte ich von ihr erzählt aber sie nicht einander vorgestellt, das musste warten. Ansonsten gammelten Mom und ich auf der Couch, liehen uns Filme aus oder guckten fern. Auf Much Music, ein kanadischer Musiksender, liefen ab und zu vereinzelt ,sogar noch Videos von mir. Es kam mir vor wie ein Traum aus dem ich erwacht war. Als wäre ich nie aus Stratford weg und hätte hier ein ganz normales Leben geführt. Das Einzige was mich ab und zu daran erinnerte, dass ich mal was anders gemacht hatte, war neben den Musikvideos das Geld auf meinem Konto, welches ich kaum anrührte ...

Jedes Mal erinnerte es mich zu sehr an mein altes Leben und das vermisste ich von Tag zu Tag immer mehr. Ein Glück, dass der Termin im Krankenhaus demnächst stattfinden würde. Danach wollten Mom und ich genau besprechen, wie es weiter gehen sollte. Ich wollte mich auf jeden Fall wieder in der Öffentlichkeit zeigen, allerdings wollte ich dann offiziell eine Pause nehmen, um mich zu sammeln, keine Ahnung, ob ich nicht schon genug Pause mittlerweile hatte ...

Die Reise nach Deutschland würde auf jeden Fall spannend werden, denn Grayson sollte uns tatsächlich begleiten! In ein fremdes Land ... über den großen Teich, wie man so schön sagte ... ! Hatte eigentlich gehofft, ihre Eltern würden >nein sagen. So wie immer ... Ihr wisst schon, worauf ich hinaus wollte?

Die würden mich dort Justin nennen und nicht Jason ...

Der Gedanke an den Besuch verlieh mir unruhige und manchmal sogar schlaflose Nächte und sogar auf dem Flughafen atmete ich flach und bekam fast schon einen Panikanfall. Bloß nicht dieses Flugzeug besteigen.

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