Angespannt saß ich in meinem Wohnzimmer und wollte ein Buch lesen. Jedoch blieb nichts von dem gelesenen bei mir hängen, und so schloss ich einfach die Augen, was sich auch als großer Fehler herausstellte. Denn wie immer seit den letzten Stunden spukten dann schwarze Augen durch meinen Kopf. Ich sah auf die Uhr. Noch hätte ich Zeit in Ruhe joggen zu gehen, und meine Gedanken ein wenig zu vergessen. Ich zog mich um, legte meinen Zauberstab ins Regal und machte mich auf den Weg zum See. Wieder hörte ich Musik und fand meinen Rhythmus. Ich versuchte mich auf meine Atmung und jeden meiner Schritte zu fokussieren, und doch wanderten meine Gedanken nach ein paar Sekunden wieder zu Snape. Es war doch zum Verrückt werden. Und wo ich an ihn dachte, und an seine Zurückweisung heute, auch wenn ich sie professionell sehen wollte und professionell mit ihm umgehen wollte, traten mir die Tränen in die Augen. Ich steigerte mein Tempo und bald schon konnte ich vor Tränen nichts mehr sehen. Trotzdem lief ich immer weiter und weiter in Richtung des Waldes. Auch dort drosselte ich mein Tempo nicht, sondern versuchte so schnell zu laufen, dass sich auch meine Gedanken nicht verfestigen konnten. Dann lag ich auf dem Boden. Mist! Ich hatte durch meinen Tränenschleier eine hervorstehende Wurzel übersehen und nun lag ich auf dem Waldboden. Schnell wollte ich mich wieder aufrappeln, doch sobald mein Fuß den Boden berührte, durchzog mich ein höllischer Schmerz. Tränen traten in meine Augen. Ich konnte nicht auftreten. Wie sollte ich zurück zum Schloss kommen? Und ausgerechnet heute hatte ich meinen Zauberstab nicht mit. Ich setzte mich auf den Boden und versuchte einen klaren Kopf zu bewahren.
Ich zog meinen Socken herunter und sah, dass mein Knöchel dick und blau war. So konnte ich auf gar keinen Fall zurück zum Schloss kommen. Ich ließ meinen Kopf auf meine Knie sinken und schloss meine Augen. Ich überlegte, was ich tun konnte. Vielleicht könnte ich zurück zum Schloss krabbeln. Ich versuchte auf meine Knie zu kommen, um wenigstens zum Schloss zu kommen, doch nach ein paar Metern merkte ich, dass dies trotzdem nicht funktionierte. Ich ließ mich wieder auf den Rücken fallen und schloss die Augen. Wieder traten Tränen aus meinen Augen. Ich würde hier heute nicht mehr rauskommen. Langsam wurde mir kalt und ich kauerte mich zusammen. Ich hatte mein Zeitgefühl völlig verloren, doch ich wusste, dass ich vermutlich eigentlich schon bei Severus sitzen sollte. Das war das einzig gute an dieser Situation. Ich konnte damit Snape aus dem Weg gehen. Langsam wurde ich müde. Ich schloss meine Augen.
„Hermine?" Ich schreckte hoch. Ich musste eingeschlafen sein. „Hermine?" „Miss Granger?" ich hörte viele Stimmen, die meinen Namen riefen. „Hier." krächzte ich schwach. „Hermine." Harry kam auf mich zu. „Ich hab sie!" schrie er. Ein paar Sekunden später kamen Minerva, Severus, Hagrid, Ron und Ginny. „Hermine?" fragte die Schulleitung. „Was ist Ihnen passiert?" „Ich bin beim Joggen umgeknickt." „Können Sie aufstehen?" fragte die Samststimme. Ich schüttelte meinen Kopf. „Severus, bringen wir sie ins Schloss." Sie wandte sich an Ron und Harry. „Und Sie beide, ab ins Bett." Sagte sie streng. Snape streckte mir eine Hand hin, welche ich ergriff. „Ich werde meine Hand jetzt an ihre Hüfte legen, um sie zu stützen." Sagte er. An der Stelle an der seine Hand lag spürte ich wieder einen Stromschlag. Severus zog mich noch ein bisschen enger zu sich. „Minerva, ich würde gerne Hermine mitnehmen und ihr eine Salbe und einen Anti-Schmerz-Trank verabreichen, wenn das okay ist." Schlug er vor. Die angesprochene Hexe nickte. „Geht es Dir ansonsten gut Hermine?" fragte sie mich besorgt. „Ja, alles gut." Nickte ich.
Snape hievte mich mehr oder weniger in seinen Kerker. Er ließ mich auf das Sofa gleiten. Sanft schob er meinen Socken runter und schnürte meinen Schuh auf. Ich sah, dass mein gesamter Knöchel dick und blau-grün war. „Das sieht nicht so gut aus, Hermine." murmelte er. „So fühlt es sich auch nicht an." stellte ich grinsend fest. „Wenigstens ist Dein Humor nicht abhanden bekommen." sagte er lächelnd. Er nahm die Salbe und begann sie auf meinem lädierten Fuß zu verteilen. Bei jeder dieser Berührungen flogen tausende Stromschläge durch meinen Körper. Ich schloss genießerisch meine Augen und seufzte auf. „Alles in Ordnung?" fragte Severus. „Hermine. Sag mir bitte, was passiert ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du einfach so gestürzt bist. Erst die Verbrennung, jetzt der Sturz... Was ist denn los?" sagte er und sah mir neugierig in die Augen. „Es ist nichts. Ich war nur etwas neben der Spur." „Hermine. Du bist die cleverste junge Hexe, die ich kenne. Es braucht schon etwas mehr als einen Weasley und einen Sturz, um Dich aus der Bahn zu werfen. Da bin ich mir sicher" sagte Snape leise. Ich errötete. „Hermine. Was ist los? Bitte erzähl es mir."
„Ich... ich kann nicht, Severus." sagte ich leise. Severus nahm meine Hände und sah mir tief in die Augen. „Hermine..." sagte er sanft, schob meine Hand unter sein Kinn und zwang mich so ihn anzusehen. Trotzdem senkte ich meinen Blick. „Sieh mich an, bitte!" kam es schon fast flehend. Seine Hände bewegten sich zu meinen Wangen. Ich sah auf, und sein Blick war so weich, dass ich zu reden begann. „Es tut mir leid, Severus. Ich sollte jetzt gehen." Sagte ich und ging Richtung Tür.
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The True Love of the Half-blood prince
RomanceDer Krieg ist überstanden, Voldemort ist besiegt, und das goldene Trio und ihre Freunde kehren zurück nach Hogwarts um ihre Abschlüsse nachzuholen. Doch gerade für Hermine wird sich dieses Schuljahr einiges ändern. .. aber lest selbst.