Kaum hatten die trauernden das Krankenhaus verlassen, verabschiedeten sich die Jugendlichen von den Alten, welche sie nur ungern gehen ließen. Doch es war zwecklos, denn sie verschwanden schon in eine der Seitenstraßen und sprangen in Francescos blauen Pick-up.
In einem noch gerade angemessenem Tempo bogen sie gemeinsam auf die Landstraße ein, welche sie vor wenigen Tagen bereits zweimal überquert hatten.
Schon vom weitem konnte man das strahlende gelb des Absperrbandes erkennen, welches das Grundstück absicherte. Mit prüfenden Blicken suchten die Teenager die Gegend von Polizei-Autos ab, jedoch waren weit und breit keine zu sehen.Mit quietschenden Reifen hielt das veraltete Auto vor dem Horror Haus und nur kurz darauf standen die fünf Freunde vor dem Band, welches sie vor Dummheiten bewahren sollte.
"Leute? Was machen wir hier?", erneut war es Callie welche angst hatte ein neues Abenteuer zu beginnen. Jedoch musste man zugeben, dass sie diesmal allen Grund dazu hatte.
"Vater hat mir gesagt, dass sie Louis Mutter nirgends gefunden haben und auch das Haus deutet eher auf einen männlichen Bewohner hin.", versuchte Zoey sachlich zu erklären, dass sie den Worten ihres Vaters nicht traute und sie sich sicher war, dass er log, um sie zu schützen."Das heißt, er glaubt nicht, dass sie hier je gelebt hat?", fragte Francesco, welcher prüfend an dem Band entlang ging. Aus den Augenwinkel konnte er die wackelnden Locken von Zoey erkennen.
Die fünf starrten das alte Haus an und verzweifelten langsam an der Ungewissheit.
In der Ferne konnte man beobachten, wie die Sonne hinter den Feldern verschwand, wie auch an dem besagten Abend.Mit ernstem Ton durchbrach Francesco die Stille "Er war nochmal hier.", kaum hatte er die Worte gesprochen, sprang er über das durchgehangene Band und schritt über das trockene Gras hinauf auf die vermüllte Veranda.
Wütendbrannt zeigte er mit seiner, von blauen Flecken, übersäten Hand auf ein verschmutztes Schild, welches nur wenige Zentimeter über der kaputten Klingel hing. Doch die anderen sahen ihn nur verwirrt an, bis nach wenigen Minuten auch Zoey über das Band stieg, sich neben ihren Freund stellte und ihre Hand nach dem Warnschild ausstreckte.
Blitzschnell schoss die Hand des Italieners los und umgriff den braunen Arm von Zoey. "Man sollte meinen gerade du wüsstest, was das Absperrband bedeutet.", genervt schüttelte er den Kopf und sah in ihre glänzenden braunen Augen. "Das hing letztes mal noch nicht da.", stellte die kleine brasilianerin fest und fiel verzweifelt auf den knarrenden Boden. "Es... es war letztes mal nicht da.", wiederholte sie sich weinend und fiel verzweifelt in die Brust ihres Freundes, welcher sich zu ihr auf den Boden gesetzt hatte und sie ihn seinen Armen hielt.
Kaum konnten die anderen beobachten, wie sie auf ihre weiche Knie fiel, stiegen auch sie zu ihnen hinauf auf die Veranda. Zuerst sahen sie auf das verschmutzte Schild ACHTUNG! SEBSTSCHUSSANLAGE.
Dieser Hinweis hätte sie vor wenigen Tagen retten können. Er hätte sie vor dem Verlust beschützen können. Doch vor nur zwei Tagen war dieses Schild nicht an seinem Platz. Es gab nichts, was sie gewarnt hätte.
Erst dann setzten sie sich einer nach dem anderen auf den Boden und bildeten zusammen eine Kugel aus sich umarmenden Menschen.Es war schwer für sie, dort zu sein, wo ihr Freund die Unterschrift unter den Todesvertrag gesetzt hatte, doch es half nichts. Die Wahrheit war die treibende Kraft der fünf Teenager.
Von innen drang eine Stimme aus dem lebendigen Haufen "Das darf nicht wahr sein." Doch niemand reagierte. Sie wussten nicht wie, sie wussten nicht, wie sie sich gegenseitig trösten sollten.
Stadtdessen konnte man die Stille spüren, sie legte sich schwer auf die schmerzenden Körper und drückte sie immer weiter hinunter.
Und in ihrer Verzweiflung, bemerkten sie das anfahrende Auto nicht, doch vom Universum konnte man dieses erkennen, welches eher in einem schleichenden Tempo zu dem vermüllten Grundstück fuhr.
Sie erschraken erst, als das Auto vor dem Absperrband hielt und die Sirene aufheulen lies.
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Letters To Him
Teen FictionAuf der Suche nach seiner leiblichen Mutter geraten Louis und seine fünf Freunde in die Schussbahn eines Mörders. Als einer der sechs nicht lebendig aus den Fängen des Mannes wiederkommt beginnt der Kampf um Gerechtigkeit, doch was ist, wenn es sow...