Kapitel 23

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Kazumi's POV:

"Gut gemacht. Jetzt das Ganze in laut!" steht auf dem Zettel. Ich soll also noch einmal Mirror Haus spielen, nur lauter. Mit der E-Gitarre geht das gut, nur fehlt da noch was! Ein Verstärker und das Kabel dafür. Den Verstärker habe ich schnell gefunden, jedoch war kein Kabel weit und breit. Ich sehe dafür aber etwas anderes.

Eine recht große Spinne, die mir bis dahin noch nicht aufgefallen war, hängt in der einen Ecke des Raumes in ihrem Netz. Sie machte sich gerade über ihre Beute her. Direkt unter ihrem Netz hing das Verstärkerkabel. Oh nein. Ich weiß jetzt, wohin mich dieses Rätsel führen soll. Meine Angst vor Spinnen zu bewältigen. 

Ich schleiche, so leise ich kann, durch den Raum und komme der Spinne immer näher. Diese war noch immer mit ihrer Beute beschäftigt, sodass ich das Kabel nehmen könnte. Problem dabei ist nur, dass sich auf dem Kabel eine Weitere befindet. Sie starrt mich regelrecht mit ihren 8 Augen an. Mir läuft es kalt den Rücken herunter.

Ich reiße mich zusammen und puste die Spinne vom Kabel. Sie fliegt direkt ins Netz der anderen Spinne und klebt fest. Schnell habe ich das Kabel angeschlossen und wollte spielen, als ich das Trippeln vieler kleiner Füße höre. Ich drehe mich um und sehe, dass die Spinnen von eben mit ihrer Familie oder so nun Rache an mir ausüben wollen!

WÄHRENDDESSEN BEI SHINJI:

Shinji hatte Sportunterricht. Er war komplett in Gedanken versunken. Kazumi war nun schon seit 3 Wochen krank. Er machte sich große Sorgen. Plötzlich bekam er Herzrasen, seine Atmung wurde schneller und seine Hände fingen an zu schwitzen. Gleichzeitig gaben seine Knie nach. Er sackte zu Boden mit weit aufgerissenen Augen.

Sein Lehrer bemerkte es als Erster und wollte ihm helfen. "Shinji! Was ist passiert?" "Kazu-chan!" brachte er nur hervor. "Was ist mit Araki-san?" "Sie... Sie... hat... große Angst!" stotterte er.  "Sie schafft das schon!" Shinji bekam kaum noch Luft. Zum Glück hatte jemand die Schulärztin geholt.

"Er hat eine Panikattake. Ich gebe ihm etwas zur Beruhigung und schicke ihn dann nach Hause. Kann ihn dann bitte jemand begleiten?" Die Schulärztin sah sich in dem Pulk um, der sich gebildet hatte. Yukio trat aus der Menge heraus. "Ich werde ihn begleiten." "Danke. Hole seine Sachen und komm dann zur Krankenstation." Yukio nickte. 

ZURÜCK BEI KAZUMI:

In meinem Kopf höre ich Stimmen. "Du schaffst das schon!" "Gib nicht auf!" Es sind die Stimmen von meiner Mutter und Takeru. Sie haben Recht, aber was soll ich gegen 6 riesige Spinnen ausrichten?! Ich stolpere nach hinten und lande mit dem Hintern auf dem Boden. Die Spinnen kommen immer näher, während ich weiter zurück gedrängt werde.

Mit meinen Händen fühle ich hinter mir die Gitarre. Ich nehme sie in die Hand und spiele. Die Spinnen hören mir aufmerksam zu. Ich spiele zum ersten Mal in meinem Leben Mirror Haus auf einer E-Gitarre. Und es hört sich gut an! Die Spinnen lieben das Lied und werden immer kleiner, bis sie schließlich verschwunden sind. 

Nun verwandelt sich auch die Gitarre wieder. Ein weiterer Schlüssel befindet sich in meiner Hand. Sofort öffne ich damit die obere Schublade. Darin befindet sich ebenfalls ein Zettel. "Gehe zum Regal mit dem geschmolzenen Sand. Dort findest du deine nächste Aufgabe." Geschmolzener Sand? Das ist doch Glas. 

Ich gehe zum Regal, wo sich promt etwas ändert. Nun stehen noch 3 Gläser da. Jedes davon hat eine bestimmte Beschriftung. Das große Glas hat stehen 8 Liter, das Mittlere hat 5 Liter und das kleine hat 3 Liter. Ich soll laut Zettel jeweils im 8l und 5l Glas 3l eingefüllt haben. Dieses Rätsel ist schnell gemacht und der nächste Hinweis erscheint.

"Ich bin kein Mensch, doch habe ich Füße. Weiße Zähne sind ganz fein, doch auch die Schwarzen sind rein. Namen habe ich viele, aber jeder kennt nur noch ein. Ich bringe dich zum Schwingen, ein Tanz bleibt selten allein. Viele viele Jahre gibt es mich schon. Finde mich und du bekommst deinen Lohn." 

An diesem Rätsel werde wohl noch länger hängen... Füße. Es steht also auf dem Boden und scheint schwer zu sein. Weiße und schwarze Zähne... Ne, keinen blassen Schimmer. Schwingen und Tanz... Hmmm... Auf jeden Fall ein Instrument. Ein Tanz bleibt selten allein. Heißt wohl, dass sich die Leute früher bei diesem Klang des Instrumentes kennen lernten.

Viele Namen. Welches Instrument hat viele Namen, ist alt, schwer und hat weiße und schwarze Bestandteile? Ich werfe mal wieder einen Blick durch den Raum. Etwas großes, schweres steht unter einem Tuch verdeckt. Das Tuch ziehe ich runter und lege es auf dem Boden ab. Ein Klavier steht vor mir.

Aber nicht irgendeins! Das Klavier gehörte meinem Mentor aus der Grundschule! Gott hab ihn selig, dieses alten Kauz! Er ist gestorben, als ich auf die Junior High kam. Er hatte mir damals alles beigebracht, was er über Musik wusste. Er war es, der sagte, man sollte immer einen Plan B haben, weil nie etwas glatt läuft.

Er fehlt mir gerade unheimlich. Ich prüfe dann mal, ob das Klavier noch spielbar ist. Schon nach den ersten Tönen habe ich das Gefühl, er sitzt wieder neben mir. Sein Geruch nach Multivitaminsaft und Pfefferminztee steigt mir in die Nase, während ich sein altes Lieblingslied spiele. 

Es tut gut, sich der Vergangenheit zu stellen und in schönen Erinnerungen zu schwelgen, aber das bringt einen nicht nach vorn. >Und doch ist da vorne das, worauf wir uns konzentrieren sollten. Die Gegenwart und die Zukunft. Vor allem auf die Gegenwart kommt es an. Sie kannst du verändern, um eine schöne Zukunft zu haben.

Jedoch bleibt die Vergangenheit die Vergangenheit. Sie kann nicht geändert, gelöscht oder wiederholt werden. Wer an seinen Erinnerungen fest hält, wird es kaum schaffen, eine schöne Zukunft zu haben.< Das waren die Worte meines Mentors, als ich ihn das letzte Mal lebend gesehen hatte.

In meiner Trauer spiele ich ganz automatisch Mirror Haus. Bis ich nur noch einen weiteren Zettel in der Hand halte. Eine Träne fällt darauf. "Bleib dir selber treu. Nur dann wirst du die Schönheit der Musik erkennen. Dein Mentor" Es war sein Abschiedsbriefchen, dass er mir geschrieben hatte.

Ich gehe zurück zum Schreibtisch, wo sich die letzte Notiz öffnet. Auch sie enthält ein Rätsel, dass mich immer weiter in die Verzweiflung treibt. Es waren nur 6 Buchstaben darauf. "LSSMTF" Was soll das bedeuten? Ich bin nun schon so weit gekommen! Und das alles soll umsonst gewesen sein?

Auch nach mehreren gefühlten Stunden, die ich einfach nur diesen Zettel anstarre, komme ich nicht weiter. Auch sonst finde ich in diesem Raum nichts mehr. Verzweifelt lasse ich mich auf den Boden fallen. Mein Blick fällt auf etwas, dass unter dem Regal liegt. Ich krabbel dahin und hole es hervor. 

Es ist eine Geige. Vermutlich soll ich wieder ein Lied spielen. Bisher war es immer Mirror Haus, also spiele ich Mirror Haus. Als es zu Ende war, passierte zunächst gar nichts. Bis sich eine Klappe unter meinen Füßen öffnete und ich in einen reißenden Strom fiel. Die Geige habe ich vor Schreck fallen gelassen.

Ich versuche verzweifelt etwas zu erkennen, aber die Wellen ziehen mich immer mehr nach unten. Ich bekomme keine Luft mehr. So sehr ich auch versuche, die Oberfläche zu erreichen, es will mir einfach nicht gelingen. Das Wasser ist eisig kalt. Ich schwimme dennoch weiter nach oben, aber die Luft wird knapp in der Lunge...

Tokyo, mein neues ZuhauseGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt