Hinter uns schleifen die Jäger die Leiche mit sich, während Ella als Leopardin daneben herläuft. Von weitem hört man das Gejubel des Rudels, stolz wird die Beute präsentiert und Ella stolziert mitten durch die Horde an Gestaltwandlern.
***
Schnell laufe ich durch die Menschenmenge, geradewegs zu meiner Wohnung. Ich verwandle mich auf halbem Wege. Vor der Türe stelle ich fest, dass ich meinen Schlüssel im Büro vergessen habe, aber jetzt zum Büro zu laufen würde ich nicht schaffen. Übelkeit steigt in mir auf, Magensäure mischt sich mit dem Geschmack des Blutes in meinem Mund. Mit Müh und Not schleppe ich mich weiter zu Juliens Wohnung, wo nur wenige Minuten später Bao und Julien eintreffen.
“Schnell mach die Tür auf”, befiehlt ihm Bao.
Julien schließt auf und ich renne geradewegs ins Badezimmer und übergebe mich über der Toilette.
“Was hat sie?”, höre ich Julien unsicher fragen.
“Was denkst du denn? Sie hat gerade jemanden getötet. Das erste Mal verläuft meistens so, beim zweiten Mal ist es nicht mehr ganz so schlimm”, klärt er ihn erfahrungsgemäß auf.
Er verabschiedet sich von Julien und verschwindet.
“Ella?”, ruft Julien ganz leise nach mir und ich sehe sein Profil im Türspalt.
“Ja”, krächze ich.
“G-gehts dir gut?”, stottert er nervös.
“Nein”, antworte ich weinerlich und schon öffnet sich die Tür.
Besorgt sieht er auf mich herab, wie ein Häufchen Elend hänge ich vor der Kloschüssel. Er spült und setzt sich auf den Boden.
“Weißt du eigentlich wen du getötet hast?”, flüstert er.
Ich nicke schwach.
“Wird es denn nicht Krieg geben wenn du einen Rudelführer tötest?”
“Er ist schon seit sechs Jahren kein Rudelführer mehr, er hat den Verstand verloren und wurde rausgeworfen”, erkläre ich, “So wie er dich rausgeworfen hat”
Er sieht mich überrascht an.
“Woher weißt du das?”
“Ich bin das Alphatier, was denkst du denn? Ich kann auf jede Akte des Rudels zugreifen,
rate mal welche ich mir als erstes angesehen habe?!”
“Meine”, murmelt er unsicher.
Ich nicke und zwinge mir ein müdes Lächeln auf. Langsam streckt er eine Hand nach mir aus.
“Ich hätte niemals erwartet, dass du so eiskalt sein kannst jemanden zu töten”, nuschelt er.
“Ich auch nicht”, gestehe ich, “Aber es war eine gute Gelegenheit mir den Respekt des Rudels zu holen”
Mir entwischen ein paar Tränen, die momentane Situation überfordert mich. Julien wischt mir sachte die heißen Tropfen auf meiner Wange weg und rutscht näher.
“Komm her”, haucht er und breitet seine Arme aus.
Ohne zu zögern kuschle ich mich an seine warme Brust und lausche dem gleichmäßigen Herzschlag. Als hätte er es nie anders gemacht, streichelt er sachte über meine Haare und meinen Rücken. Eines steht fest, ein Jäger hätte mir nach soetwas nur seinen respekt ausgesprochen, aber niemals hätte er den kotzenden Schwächling, der ich nunmal war, getröstet.
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Der schwarze Leopard
Fantasia》REUPLOAD《 Diese Geschichte handelt von Gestaltwandlern, sie sind uur einen Hälfte Mensch zur anderen Großkatzen. Ella, eine weiße Schneeleopardin, ist eine davon und eines Tages findet sie einen verletzten schwarzen Leoparden, namens Julien.
