Kapitel 2

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"Hey, hast du schon was gegessen?", wechsle ich das Thema und er kühlt weiter sein Auge.
"Ähm nein, aber jetzt wo du's sagst, ich verhungere fast!"
"Ich glaube ich hab noch ein paar Steaks im Kühlschrank", überlege ich laut.
"Ja ein leckeres Steak wärs jetzt", schwärmt er.
"Na dann, komm mit"
Bei mir zu Hause klatsche ich die beiden Steaks in die Pfanne und Pommes in die Friteuse.
Nervös rutscht Julien auf dem Sofa herum.
"Bist du schon so hungrig dass du nicht mehr still sitzen kannst?", spotte ich.

***

Mühsam versuche ich ruhig zu bleiben, meine Instinkte spielen verrückt. Es riecht
wunderbar nach gebratenem Fleisch, mein Leopard freut sich. Aber noch intensiver riecht es nach Ella, am liebsten würde ich mich verwandeln und mich auf der Couch in ihrem Duft suhlen. Nervös rutsche ich hin und her. Bis sie mir mein Teller reicht und sich neben mich setzt. Von dem Hunger ist keine Spur mehr, ich würde sie am liebsten - Julien, reiß dich zusammen, was ist los mit dir?! Ich mir und ringe um meine Beherrschung.
"Alles okay? Schmeckt's dir nicht?", erkundigt sich Ella besorgt.
"Was? Ja! Nein, schmeckt hervorragend", stottere ich.
"Was ist los? Du wirkst durcheinander", stellt sie fest.
"Ich, ich vermisse es nur mal wieder Jagen zu gehen und in Bäumen rumzuklettern", weiche ich aus.
"Hm, was hälst du davon wenn wir nach dem Essen einen kleinen Waldspaziergang machen?", schlägt sie vor.
Gesagt getan, wenig später spazieren wir in menschlicher Gestalt einen Forstweg entlang.
"Fang mich doch", schreit sie plötzlich und rennt weg.
Blitzschnell verschwindet sie zwischen den Bäumen und ich verliere sie aus den Augen. Kurz zögere ich doch schlussendlich verwandle ich mich und strecke meine Schnauze in die Luft um ihre Fährte aufzunehmen. Auf leisen Pfoten schleiche ich mich an sie ran. Sie ist auf einen Baum geklettert doch ich hab sie dank meinen Instinkten erspäht. Mit meiner ganzen länge strecke ich mich ihr am Stamm entgegen.
"Na gut ich komme runter", schmollt sie und hüpft auf den weichen Moosboden, "Das war echt unfair"
Auffordernd streife ich um ihre Beine, als Leopard habe ich irgendwie weniger Hemmungen, als Mensch würde ich es niemals wagen ihr so nahe zu kommen. Sie setzt sich auf eine dicke Wurzel, die aus dem Boden ragt und krault meinen Hals. Okay, jetzt oder nie, denke ich mir und krabbel auf sie drauf. Lachend kippt sie nach hinten während ich meinen Kopf an ihrem Gesicht reibe. Sie soll gefälligst meinen Geruch annehmen, damit die anderen im Rudel aufhören ihr nachzustellen.
"Julien? Was ist denn in dich gefahren?", kichert sie, hält mich aber nicht von meinem Vorhaben ab.
Kurz halte ich inne und sehe sie an.
"Du hast wirklich eine beeindruckende Fellfarbe, so schön schwarz, ein echt hübsches Kerlchen", schwärmt sie und steichelt mir über den Kopf.
Wäre ich eine Katze würde ich jetzt wahrscheinlich schnurren, aber mehr als ein paar gurrende Laute als Dank bekomme ich nicht heraus. Plötzlich verwandelt auch sie sich und ein wunderschöner Schneeleopard mit strahlend weißem Fell kringelt sich spielerisch unter mir. Frech beißt sie mir in die Kehle und schlägt mit ihren kleinen Pranken nach mir. Vorsichtig, da sie viel kleiner und zarter gebaut ist als ich, schnappe ich ebenfalls nach ihrer Kehle. Ich habe es wirklich vermisst ein Leopard zu sein und mich einfach gehen zu lassen.

Der schwarze LeopardWo Geschichten leben. Entdecke jetzt