Verschwinde ... Gedankengänge

66 2 1
                                        

Am nächsten Morgen wache ich mit einem kribbelnden Gefühl im Bauch auf. Heute will ich mit Draco reden – über George... und über uns. Unsere gemeinsamen Nacht ... Allein der Gedanke daran zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Ohne mich weiter in Tagträumen zu verlieren, schlüpfe ich in meinen schwarzen Nachtmantel und verlasse das Schlafzimmer.

Eigentlich wollte ich direkt die Treppe hinuntergehen, als ich ein Geräusch aus dem Nebenzimmer höre. Sein Büro. Natürlich. Dort verbringt er die meiste Zeit.

Ich atme tief durch, sammle meinen Mut und öffne die Tür.

Sein Blick trifft mich – kalt, emotionslos. Nur für einen Moment. Dann wendet er sich wieder seinem Papierkram zu, als wäre ich gar nicht da.

Diese Reaktion hatte ich nicht erwartet… oder doch? Natürlich habe ich nicht geglaubt, dass er mich lächelnd empfängt, mich küsst, mir seine Gefühle gesteht. So ist er nicht. Aber Menschen ändern sich, wenn sie sich verlieben, oder?

Hat er sich liebt er mich wirklich ?
Der Gedanke schnürt mir die Kehle zu. Vielleicht war es wirklich nur eine Nacht für ihn – wie der Kuss damals. Ich beiße mir auf die Unterlippe. Ich will mich umdrehen, bevor mein Mut ganz schwindet. Doch ich muss reden. Ich brauche Antworten.

„Tut mir leid, wenn ich dich störe, aber…“

Ein Blick. Nur ein einziger, scharfer Blick – und es durchzuckt mich wie ein Schlag.

Kalt. Kontrollierend. Gefährlich.

Mein Körper erstarrt sofort. Als hätte jemand eine alte Wunde aufgerissen. Dieselbe Haltung. Dieselbe Stimme. Genau wie damals, wenn mein Onkel wütend wurde. Dieser Ton, der nichts Gutes bedeutete. Danach folgte Strafe. Danach folgte Schmerz.

Ich spüre, wie mir die Kehle trocken wird, wie meine Beine leicht zittern. Nicht, weil es Draco ist – sondern wegen dem, was mein Körper gelernt hat: So fängt Angst an.

„Verschwinde“, sagt er mit einer Stimme, die schneidet wie Glas.
Ich zucke zusammen.

„Sofort.“

Ich drehe mich wortlos um. Die Türklinke in meiner Hand. Etwas Warmes rinnt über meine Wange.
Eine Träne. Die erste von vielen.

Was ist nur passiert?
Warum ist er so?
War ich ihm wirklich so egal?

Ich bekomme keine Antwort. Stattdessen wird mir schlecht. Alles dreht sich. Meine Knie geben nach, und ich spüre nicht einmal mehr den Aufprall. Nur Leere.

---

Ich weiß nicht, wie lange ich am Boden gelegen habe. Als ich wieder zu mir komme, liege ich im Bett. Jemand hat mich zugedeckt. Vielleicht war es Mert. Ich will es nicht wissen. Es ist mir egal.

Zum zweiten Mal in meinem Leben… ist mir alles egal.

Ich starre an die Wand. Ohne Gedanken. Ohne Gefühle. Nicht einmal die Haarsträhne, die mir ins Gesicht fällt, stört mich. Ich existiere einfach nur noch.

Die Wand ist mein einziger Halt geworden.
Tage vergehen – Licht kommt und geht. Ich zähle nicht mehr mit.

Mert bringt mir hin und wieder etwas zu essen, reicht mir Wasser, redet mit mir. Nur seine Augen – diese treuen, sanften Augen – können mich manchmal kurz von der Wand ablenken. Nur für Sekunden. Doch sobald er wieder geht, bleibt nur die Stille. Nur die Wand.

Ich bin allein.
Und diesmal ist niemand da, der mich rettet. Kein George, wie damals ....

Du hast das Ende der veröffentlichten Teile erreicht.

⏰ Letzte Aktualisierung: Jul 28, 2025 ⏰

Füge diese Geschichte zu deiner Bibliothek hinzu, um über neue Kapitel informiert zu werden!

ZwangsheiratGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt