Wesen aus Schatten (überarbeitet 2025)

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Das laute Brüllen meines Motors schaffte es kaum, das Pochen meines Herzens zu übertönen, als ich über die nächste Kreuzung raste und hoffte, dass ich jetzt nicht noch Probleme mit der Polizei bekam. 

Mit bebenden Fingern, versuchte ich über das Display vor mir, die Anrufliste, meines verbundenen Handys aufzurufen. 

Als ich die Festnetznummer von Zuhause endlich gefunden hatte und das Telefon ruhig vor sich hin "tutete", erlaubte ich mir das erste Mal, Luft zu holen um nicht komplett durchzudrehen. 

Warum brauchte mein Handy nur so lange um den Rufaufbau zu starten? 

Das konnte doch alles nicht wahr sein. 

Warum, zum Teufel, hatte ich die ersten Anrufe überhört? Das tat ich nie! Niemals! 

Die Panik in mir brachte meinen Magen dazu überzukochen. 

Vielleicht war es ja gar kein Notfall, versuchte ich mir einzureden. Vielleicht sollte ich nur neues Eis mitbringen. Vielleicht ging es meiner kleinen Schwester ja gut. 

Aber warum hatte sie dann versucht mich so oft zu erreichen? Das tat sie nur in Ausnahmefällen, wenn sie alleine Zuhause blieb. 
Warum hatte ich mich von Cassy nur zum Party machen überreden lassen? Mary hatte mir zwar versprochen niemandem die Türe zu öffnen und beharrt, schon ein großes Mädchen zu sein. Aber das war sie eben doch nicht.

Verdammt! 

Wütend schlug ich auf das Lenkrad, als vor mir einige Autos an einer roten Ampel zum Stehen kamen und ich weitere wertvolle Minuten an ein und derselben Stelle festsaß.

 Warum hatte ich sie nur alleine gelassen? 

Das ganze Auto wackelte und drohte aus der Fahrbahn zu kippen, als ich die nächste Kurve mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit nah. 

Abrupt brach das Tuten ab und die Stimme meiner kleinen Schwester stöhnte durch den Apparat. 

"Talia?", fragte sie leise und ich hörte, dass sie weinte.
"Mary? Was ist los?", fragte ich und versuchte die Angst aus meiner Stimme zu verbannen. Keinem von uns beiden wäre geholfen, wenn ich jetzt komplett durchdrehen würde. 
"Ich weiß es nicht. Ich glaube hier ist jemand im Haus! Ich war in meinem Zimmer und dann hab ich diese Geräusche gehört und hab mich versteckt. Ich hab Angst, Ta!"
Tränen traten mir in die Augen und ich klammerte meine Hände so sehr ins Lenkrad, dass meine Fingernägel tiefe Furchen im Leder hinterließen. 

"Es wird alles gut Mary!", versicherte ich ihr und hoffte, dass meine Stimme fester klang, als ich sie wahrnahm. "Ich bin in zwei Minuten bei dir, okay?" 

In meinem Kopf drehte sich alles und durch die Tränen in meinen Augen, war die Straße vor mir unscharf. 

"Ist Mama noch gar nicht zu Hause?", fragte ich mit einem Blick auf die Uhr. 02:37 Uhr. 

"Nein.", schluchzte Mary. "Sie hat vorhin angerufen und gesagt, dass sie später kommt. Es sind schon wieder nicht genug Leute da."

Innerlich fluchte ich nur. Auch wenn ich mich danach sofort wieder schlecht fühlte. 

Meine Mutter hatte genug zu tun mit ihrem Job im Krankenhaus und zwei Töchtern, die nicht immer ganz einfach waren. 

Oder wohl eher mit einer Tochter, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegte...

"Okay. Wir schaffen das ja?", versuchte ich uns beide zu beruhigen. "Wo hast du dich versteckt, Süße?"

Ich drückte das Gaspedal durch und fuhr mehr über den Kreisverkehr, als daneben auf der Straße.
"Ich bin hinter Omas altem Kleiderschrank im Dach. In der Luke dahinter.", erklärte sie heiser, wurde aber immer wieder von ihren eigenen Schluchzern unterbrochen.

Schwingen der NachtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt