Auch wenn ich es mir natürlich nicht eingestehen wollte und es auch niemals laut aussprechen würde, machte ich mir Sorgen um Adrien.
Inzwischen war es zwei ganze Tage her, dass er so plötzlich geflüchtet war und seitdem hatten weder Cam noch ich ein Lebenszeichen von ihm erhalten.
Cameron gab sich unglaublich viel Mühe, mich abzulenken und wieder fit zu bekommen, aber irgendwie fühlte es sich alles leer und unwichtig an.
Kritisch stand ich vor dem großen Spiegel im Ankleidezimmer und blickte mit schiefem Kopf an mir hinab.
Der schwarze Bikini wirkte viel zu dunkel auf meiner hellen Haut und meine Haare waren matt und spröde, als ich sie zu einem unordentlichen Knoten auf meinem Kopf wickelte.
Meine Wangen waren etwas eingefallen und ich war deutlich dünner, als noch vor ein paar Wochen. Was keine große Überraschung war, denn mein Appetit hatte sich verringert und die wenigen Mahlzeiten, die ich aß, konnte man kaum als nahrhaft bezeichnen.
Als Cam und ich heute morgen gemeinsam auf der Terrasse gefrühstückt hatten, hatte er mir angeboten, den Pool im Keller zu benutzen und diesem Angebot wollte ich nun endlich nach gehen.
"Bist du fertig?", drang die Stimme meines neuen Aufpassers zu mir durch und ich schnappte mir schnell den pinken flauschigen Bademantel, sowie die passenden Badelatschen.
"Jep, ich komme.", antwortete ich und wackelte zurück in mein Zimmer.
Als ich seinem Blick begegnete, verzog sein Mund sich zu einem traurigen Lächeln. "Du musst mehr essen."
"Ich weiß, Rafael.", stimmte ich zu und seufzte. "Aber ich hab kaum Hunger."
"Ich kriege das dem Chef nicht erklärt, wenn du hier verhungerst, also bitte tu mir den Gefallen und versuche zumindest, ein mal am Tag eine normale Portion zu essen.", verlangte er und klopfte mir unbeholfen auf die Schulter.
Weder Rafael, noch ich waren begeistert darüber, dass er mir als neuer persönlicher Bodyguard zugeteilt worden war, aber wir versuchten uns so gut es ging, miteinander zu arrangieren. Was ehrlich gesagt, nicht immer klappte. Häufig gerieten wir aneinander, weil er der Meinung war, meine Tagesplanung wäre nicht sicher genug, aber tief in mir wusste ich, dass er einfach nur Angst vor Adriens Zorn hatte, sollte ich mir auch nur den kleinen Zeh stoßen.
"Warum ziehst du dir nicht einfach auch ne Badehose an und schwimmst auch ne Runde?", versuchte ich vom Thema abzulenken.
"Definitiv nicht.", prustete er, während er neben mir den langen Flur in Richtung der großen Treppe entlangging. "Wenn ich das mache, endet mein Kopf übermorgen auf dem hohen Gartenzaun, als Mahnmal für alle."
"An deiner Stelle würde ich dringend mal über die Konditionen mit meinem Arbeitgeber sprechen.", schlug ich spielerisch vor.
Ich schätze unsere kleinen Gespräche zwischen durch. Sie gaben mir das Gefühl einen normalen Alltag zu haben und einen Freund mehr und allmählich hatte ich mich daran gewöhnt, dass er zu meinem Schatten geworden war.
Er war das letzte was ich abends vor dem Einschlafen sehen konnte, und das erste was ich morgens erblickte.
Als wir am Absatz der Treppe ankamen, drängte Rafael sich an mir vorbei und schützte mich so vor der Haustüre und der zerbrochenen Scheibe. Wahrscheinlich dachte er noch immer, dass ich versuchen würde abzuhauen.
Die Folie, mit der die Löcher nach draußen abgeklebt war, wellte sich nach innen und fing jede noch so kleine Windböe ein. Ich schauderte, als ich an den Tag dachte, an welchem ich durch das Glas gesprungen war.
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Schwingen der Nacht
FantastikTalia ist ein 19-jähriges Mädchen, dass ihr Leben in vollen Zügen genießt. An das Gerücht, dass in ihrer Stadt rumgeht glaubt sie nicht wirklich. Darin heißt es, dass jeden Vollmond ein geflügeltes Wesen von unmenschlicher Schönheit in ihrer Stadt...
