Eine erdrückende Stille senkte sich über den Raum und ich wagte nicht einmal mehr zu atmen.
"Hört zu.", stöhnte Adrien müde "Ich gebe euch hier gerade die Möglichkeit, mir eure Seite der Geschichte zu erzählen. Ich bin schon längst im Bild."
Anklagend drehte ich mich zu Rafael um. "Wirklich?"
"Sieh mich nicht so an.", verteidigte er sich und zog schuldbewusst den Kopf ein. "Von euch zahlt keiner mein Gehalt also..."
Zeitgleich seufzend Cam und ich kapitulierend und ernteten dadurch einen kalten Blick von Adrien.
"Also?" Mit verschränkten Armen lehnte Adrien sich gegen den Türrahmen. Er trug eine schwarze Jeans und ein schwarzes T-Shirt, dass seine Oberarme etwas zu gut betonte. "Cameron ich warte."
Als ich versuchte mich an ihm vorbei zu drängen, schnappte er sich mein Handgelenk. "Von ihm hatte ich so eine Aktion erwartet, aber von dir?"
"Es war nichts.", gab ich ehrlich zu. "Es ist nichts passiert." Ich versuchte mich loszureißen, aber sein Griff war unnachgiebig. Stattdessen zog er mich an sich und blickte mir tief in die Augen. Das Blau seiner Augen wirkte stärker und intensiver, als das letzte mal als ich ihn gesehen hatte. Sein ganzes Erscheinungsbild wirkte erholt und ausgeschlafen.
Was hatte er nur die letzten Tage getrieben?
"Hast du mich denn gar nicht vermisst?", fragte er leise und ich wünschte mir, dass ich sein kleines Lächeln, nicht so anziehend finden würde.
"Sehe ich etwa so aus?", zischte ich und erwiderte seinen Blick stur.
"Um ehrlich zu sein, nein. Und genau das ist es, was mir Sorgen macht.", wisperte er mit fragendem Unterton und das Eis seiner Augen, brannte sich tief in meine Seele.
Schluckend warf ich einen kurzen Blick zu Cam, der ein paar Meter entfernt stand und uns angespannt beobachtete.
"Du verwindest ohne ein Wort zu sagen, lässt mich hier zurück, tauchst dann einfach wieder auf und erwartest, dass mich dir direkt um den Hals werfe?" Ungläubig schüttelte ich den Kopf. "Du bist doch bescheuert."
"Ich hatte es irgendwie gehofft ja.", gestand er stimmlos.
Das Klatschen, dass daraufhin laut durch die Luft summte, schien endlos nachzuhallen und schockiert blickte ich auf meine Hand.
Hatte ich ihn gerade geohrfeigt? Ich hatte ihn gerade geohrfeigt.
Panisch blickte ich zu Cam, der mich genauso schockiert ansah. Selbst Rafael hatte die Augenbrauen in die Stirn gezogen und wirkte fassungslos.
Adriens Kopf wanderte langsam zurück zu mir. "Das nächste Mal, nimm die Faust."
Meine Augen wurden noch größer. In meinen Augen lag eine Mischung aus Unglauben, Fassungslosigkeit und Panik.
Bevor er etwas anderes erwidern konnte, schaffte ich es mich von ihm loszureißen und zu flüchten.
"Cameron, wir reden später!", hörte ich seine Stimme laut und beschleunigte meine Schritte.
Als ich die große Treppe erreichte, sprang ich zwei Stufen auf einmal nehmend, hinauf und hetzte durch den langen Flut bis zu meinem Zimmer.
Das letzte, was ich sah, bevor ich die Tür zuwarf, war Adriens wütendes Gesicht. Doch er war zu spät. Mit bebenden Fingern, drehte ich den Schlüssel herum und schob mit aller Kraft die weiße Kommode, die an der Wand lehnte, davor.
"Talia!", donnerte er auf der anderen Seite. "Mach sofort diese Tür auf oder ich TRETE SIE EIN!"
Aber ich dachte gar nicht daran. "Vergiss es!"
"Dein Verhalten wird Konsequenzen haben.", drohte er und ich hörte, wie sein Handy klingelte. "Du wirst nicht ewig da drin bleiben können und wenn du diese Tür öffnest, werde ich genau hier stehen und dich erwarten. Das schwöre ich!" und darauf folgte ein gestresst klingendes "Was? Ja ich komme."
Atemlos lehnte ich mich rücklings gegen die Kommode und kämpfte um einen normalen Herzschlag.
"Ich bin gleich wieder da und bis dahin bist du hoffentlich zur Vernunft gekommen und hast diese Tür entriegelt.", rief er mir durch das Holz zu.
Als ich nichts erwiderte, hörte ich seine Schritte im Flur allmählich verhallen und holte tief Luft.
Anschließend verriegelte ich sämtliche Fenster und verbarrikadierte sie mit allem, was ich finden konnte. Auch das offene Fenster im Bad zog ich zu und sicherte es mit dem kleinen Schrank, neben dem Waschbecken.
Nachdem das erledigt war, fiel ich rückwärts in mein Bett und rollte mich in den Decken zusammen. Gerade als ich die Augen geschlossen hatte und kurz davor war, einzuschlafen, vernahm ich ein leises Klopfen an meiner Zimmertüre.
Erschreckt richtete ich mich auf.
"Talia? Ich bins Cam. Bitte öffne die Tür." Seine Stimme war sanft und nicht fordernd. Kurz zögerte ich.
Da ich still blieb, fuhr er ruhig fort: "Komm schon. Ich weiß, dass du da drinnen bist." Fast bildhaft konnte ich mir vorstellen, wie er auf der anderen Seite der Tür stand und angestrengt lauschte.
"Ich will wirklich nicht.", seufzte ich und rieb mir über die Stirn. Seit ich hier war, hatte ich ständig Kopfschmerzen, was mich bei der vorhandenen Gesellschaft kaum wunderte.
"Das verstehe ich.", antwortete er. "Aber ich möchte dir wirklich nur helfen. Wenn Adrien seine Angelegenheit erledigt hat und du immer noch in deinem Fort Knox steckst, wird er einen anderen Weg suchen zu dir zu kommen und ich verspreche dir: Dafür geht er über Leichen."
Seine Worte verunsicherten mich und kurz überlegte ich, ob meine Rebellion wirklich der Richtige Weg war. Aber ich war schon über den Punkt fürs Aufgaben hinweg.
"Talia?", fragte er mit gedämpfter Stimme.
"Hm?", machte ich nur und wachte aus meiner Starre auf.
"Hast du mir zugehört?"
"Was? Nein. Tut mir leid.", warf ich alles durcheinander.
"Schon okay.", winkte er ab. "Provoziere Adrien nur einfach nicht zu sehr ja?"
"Ich werde es versuchen.", meinte ich und fiel wieder nach hinten in meine Decken.
Kurze Zeit blieb alles still. Dann entfernten sich Schritte. Cam war fort. Ich war alleine. Endlich ganz und komplett alleine.
Und trotzdem eingesperrt in meinem goldenen Käfig.
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Schwingen der Nacht
FantasyTalia ist ein 19-jähriges Mädchen, dass ihr Leben in vollen Zügen genießt. An das Gerücht, dass in ihrer Stadt rumgeht glaubt sie nicht wirklich. Darin heißt es, dass jeden Vollmond ein geflügeltes Wesen von unmenschlicher Schönheit in ihrer Stadt...
