Kapitel 12

18.9K 616 34
                                        


~Amy~

Im nächsten Moment klopfte es an der Tür. Mason sprang auf und öffnete diese. Wir alle konnten unseren Augen nicht trauen. Es war ein unnormal hübsches Mädchen. Sie hatte lange braune Haare, welche ihr leicht gewellt über den Schultern hingen. In ihrem runden Gesicht stachen ihre perfekten Lippen, durch den roten Lippenstift heraus. Ihre noch perfekteren gezupften Augenbrauen über den braunen Augen, machten das Bild noch perfekter, als es sowieso schon war.

In mir knurrte alles und ich wollte ihr am liebsten den Kopf abreißen.

"Mom, Dad. Ich weiß, dass ist ein echt schlechter Zeitpunkt, aber das ist Felicitas. Sie ist meine Mate." meinte Mason und ignorierte meinen suchenden Blickkontakt. Ich begann zu zittern und versuchte es zu unterdrücken. Peter ließ vor schreck ein Glas herunterfallen und Faye und Mary konnten nur noch auf die durchsichtige Flüssigkeit auf dem Boden sehen. Beide sprangen auf und holten einen Lappen, um das Wasser auf zu wischen. Ich sprang nun auch auf und sammelte die Scherben ein. Mary nahm die mir wieder aus der Hand und brachte sie weg. Ich stand nun irgendwie fehl am Platz neben ihnen und sah zwischen Peter, Mason und Felicitas hinterher.

"Nein" murmelte Peter. Ich wusste, dass es hier eskalieren würde und ging mit schnellen Schritten zur Tür. "Amy" murmelte Mason, aber ich sah ihn nicht einmal mit meinem Arsch an. Meine Sachen würde ich definitiv hier hin holen.

Als Peter sein Glas herumtergeschmissen hatte, wurde mir klar, dass es alle gewusst hatten. Jeder aus dieser Familie wusste, dass ich eigentlich seine Mate war. Mary und Peter wollten es mir sagen. Bevor ich Geburtstag hatte.

Das einzige, was mich jetzt noch aufheitern könnte, wäre meine Wolfsform. Dann würde ich mich nicht so schwach fühlen. Auf der Veranda setzte ich mich auf die Stufen. Ich konnte nicht länger mit ihm in einem Raum sein. Plötzlich kam ein Mädchen auf mich zu. "Hiiiii" rief sie und kicherte. Das Mädchen setzte sich neben mich und kicherte weiter. "Hi" meinte ich leise. "Ui ich bin Elizabeth. Nenn mich ruhig Lizzy oder Liz oder Eli ist mir egal. So nennt mich jeder hier, aber du darfst dir auch etwas neues aussuchen" kicherte das kleine Mädchen weiter. Süß, wie aufgeregt sie war, mich zu sehen. "Okay Liz. Ich bin Amy" das Mädchen kicherte schon wieder. "Das weiß ich doch schon lange. Du bist hier eine kleine Berühmtheit. Jeder im Rudel hat gebetet, dass du endlich aufwachst. Damit Mason eine Luna hat. Er wird ja bald Alpha" meinte Liz und sah mich durch ihre glasklaren Augen an.

"Mason hat etwas ganz böses getan. Ich muss mir noch überlegen, wie ich das finde" versuchte ich dem Mädchen zu erklären. "Das ist gemein. Er soll einer so schönen Luna nichts böses tun" murmelte sie. "Na komm wir machen einen kleinen Spaziergang. Vielleicht kommen wir dann auf andere Gedanken." meinte ich. Doch Liz schüttelte den Kopf. "Ich muss zu meiner Mama. Aber vielleicht ein anderes Mal." Ich nickte und lächelte ihr zu, während sie sich umdrehte und über die Wege sprang. Ich seufzte laut auf und lief in den Wald neben dem Haus. Bei einem guten Baum blieb ich stehen und kletterte hinauf. Ich schwang mich von einem Ast zum nächsten, bis ich vor dem großen Wohnzimmerfenster, der Alphas stand.

Ganz ehrlich? Es sah schrecklich aus. Zwei schwarze Wölfe standen sich gegenüber und fletschten die Zähne. Das Wohnzimmer war verwüstet. Die Couch umgeschmissen, Bücher aus dem Regal gerissen und in der Mitte die beiden Wölfe. Gegenüber von mir, sah ich Faye, Mary und diese Felicitas, deren Hals ich noch immer umdrehen würde. Mason ging nun auf den großen Wolf zu und versuchte ihn zu beißen. Bei jedem aufjaulen von ihm, zog sich alles in mir zusammen. Tränen liefen meine Wange herunter. Das konnte ich mir nicht länger ansehen. Mit einem großen Satz sprang ich auf den Zaun und balancierte bis zum Ende. Dort sprang ich wieder herunter und landete auf meinen Füßen.

"Aufhören" rief ich in den Raum und beide Wölfe sahen mich an. Peter wurde bei meinem Anblick noch wütender und wollte schon wieder auf Mason losgehen. "Sagt mal, was ist mit euch los?" ich stieß einen genervten Schrei aus. "Könnt ihr euch mal benehmen?" in meinem Kopf ratterte es wie verrückt und ich drohte umzukippen. Vielleicht hätte ich noch länger liegen bleiben sollen. "Wenn es dir so wichtig ist, mit jemandem zusammen zu sein, der nicht deine Mate ist. Bitte. Aber dann werde ich hier nicht mehr wohnen, weil ich es nicht aushalten würde, euch beide so zu sehen." ich zeigte auf Felicitas und auf Mason. Ich wollte hier wirklich nicht weg, aber wenn Mason lieber eine andere Freundin als mich wollte, soll er glücklich sein. Zu kämpfen lohnt sich dann auch nicht mehr. Mary sah traurig zu mir und auch Faye wollte gerade widersprechen, als ich erneut zum sprechen ansetzte. "Mason, die Entscheidung liegt bei dir. Soll ich gehen oder nicht?" meine Stimme war leiser und flehender geworden. Das war nicht mein Ziel. Als Mason auf mich zukam, ging ich ein paar Schritte zurück. Ich wollte mich nicht, von ihm beeinflussen lassen. Peter hatte sich zurückverwandelt und saß nun auf dem Boden. Alle im Raum schienen die Luft anzuhalten. Alle, bis auf Mason und mir. Mein Herz schlug mir bis zu Hals und ich drohte, durch meine Kopfschmerzen umzukippen. Ich brach den leichten Blickkontakt zu Mason ab und hielt mir den Kopf. Es tat so weh. Ich keuchte auf und wurde von einer unbekannten Macht auf den Boden gezerrt. Sofort verwandelte sich Mason zurück. In wenigen Schritten war Faye auch bei mir und setzte sich vor mich. Sie legte eine Hand auch meinen Arm und strich behutsam darüber.

Mason wollte es ihr gleichtun, aber Peter ließ das nicht zu. Er zerrte ihn von mir weg, sodass nicht nur mein Kopf wehtat, sondern auch mein Herz. Ich versuchte mich zu sammeln und sah auf meine Hände. An meinem Handgelenk, tauchte ein schwarzes Tattoo auf. Darauf waren ein Mädchen und ein Wolf zu sehen. Beide standen Kopf an Kopf, Rücken an Rücken, beieinander. Es schmerzte ebenso. Mein ganzer Körper fing an zu beben und ich krümmte mich vor Schmerzen. Ich konnte meine Knochen knacken hören. War das etwa meine Verwandlung? Meine Beine wurden kürzer und mein Knie bildete sich langsam zurück. Meine Arme hingegen wurden ein wenig länger. An meinen Händen wuchs mir dunkles Fell. Schwarz war es nicht, eher grau. Aber dazwischen wuchsen sandfarbene Haare. An meinen Armen spaltete sich die Farbe. Ab dem Ellenbogen färbte sie sich endgültig sandfarbend. Ich keuchte nocheinmal laut auf. Meine Wirbelsäule verbog sich und dann war alles wieder normal. Naja, bis auf die Tatsache, dass ich nun als sandfarbener Wolf im Wohnzimmer der Alpha Familie stand.

1119 Wörter

By your side Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt