Kapitel 10

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Liam POV

Niall und ich hatten alles mit angesehen und ich fühlte mich ein bisschen schlecht, bei einer so intimen Aussprache Mäuschen gespielt zu haben.

Dennoch war es gut, denn ich nickte Niall jetzt zu der vor der Tür stand, bereit sie zu öffnen.

Als er diese aufgeschlossen hatte, dauerte es noch einen Moment, ehe Louis auf uns zukam.

Er sah unglaublich mitgenommen aus und eigentlich hatte ich das starke Bedürfnis ihn zu trösten, aber ich sah an seinem Gesichtsausdruck, dass ich das lieber lassen sollte.

„Eigentlich müsste ich euch umbringen.", sagte er leise und putzte sich die Nase, „aber irgendwie bin ich auch dankbar.", damit ließ er uns stehen und verließ das Gebäude.

Harry dagegen saß noch immer in dem Raum auf dem Sessel. Den Blick auf seine Hände gerichtet, die unentwegt die Ringe hin und her drehten.

„Alles in Ordnung?", fragte ich, nachdem ich mich vor ihn gestellt hatte und da fuhr sein Kopf hoch.

„Ich bin fertig mit dir.", sagte er nur und die Worte klangen eiskalt, kälter als ich je seine Stimme vernommen hatte.

„Harry, ich...", wollte ich versuchen zu intervenieren, doch er schüttelte nur den Kopf.

„Du bist für mich gestorben, Payne.", es lief mir eiskalt den Rücken runter als er aufstand und dann Niall ansah.

„Du genauso.", knurrte er und verließ genau wie Louis vorher die Location ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

Ich sah Niall an, der laut seufzte und dann den Schlüssel auf den Schreibtisch legte.

„Er wird sich beruhigen, Payno. Mach dir keinen Kopf.", der Ire legte einen Arm um meine Schulter.

„Das war ein bisschen viel für ihn und du weißt, dass er es hasst zu Dingen gezwungen zu werden, aber es war nötig und ich bin mir sicher, dass die Beiden einen Weg finden werden. Ich habe es in ihren Augen gesehen."

Die blauen Augen wirkten wie immer aufmunternd und ich nickte. „Ich hoffe es, Niall. Aber was ist, wenn er mir das nicht verzeiht?"

„Mach dir darüber keine Gedanken. Glaube mir. Das wird jetzt alles seinen Weg gehen. Louis wird ihn nicht noch einmal verlieren wollen, jetzt wo wieder ein Faden gesponnen ist zwischen den Beiden. Ich habe es in seinen Augen gesehen, Payno. Er wird über seinen Schatten springen, ich bin mir sicher."

XXX

Harry POV

Als ich nach Hause kam, ließ ich mich vollkommen geschafft auf meine Couch fallen. Ich hatte den Fahrer angerufen, der mich ein paar Straßenecken weiter eingesammelt hatte, denn ich war ja mit Liam her gekommen und hatte alles andere als das Bedürfnis mit ihm wieder in einem Auto zu sitzen.

Was hatten sie sich nur dabei gedacht Louis und mich in einen Raum zu sperren und zu einer Aussprache zu zwingen. Niall würde ich so einen Blödsinn ja schon zu trauen, aber das Liam mich so hinterging, mich einer solchen belastenden Situation aussetzte erschreckte mich.

Ich griff nach dem Whiskeyglas, das ich sofort nach meiner Ankunft gefüllt hatte und ließ ein paar Tropfen meinen Hals hinunter laufen.

Louis Worte hallten noch immer in meinen Ohren wieder und doch ergaben sie für mich keinen Sinn. Warum hatte er mich weggestoßen, wenn er mich doch angeblich so gern hatte. Wieso wollte er jetzt wieder Kontakt, wenn er mich damals so beschimpft hatte.

Das Bild seiner verweinten Augen erschien in meinem Gedächtnis und ich kam nicht umhin ihm seine Gefühle tatsächlich abzukaufen. Er hatte mich nicht angelogen in diesem Raum. Er war echt gewesen, mein Lou wie er früher war.

Erneut ließ ich die leicht brennende Flüssigkeit in meinen Rachen laufen, seufzte laut auf und strich mir eine Strähne aus der Stirn.

Was sollte ich nur mit den Informationen anfangen? Wie sollte ich mich Louis gegenüber verhalten? Einerseits schrie mein Verstand lautstark, dass ich den Kontakt weiterhin meiden sollte, ihn nicht an mich heranlassen, denn das würde in einer Katastrophe enden.

Mein Herz dagegen schrie noch lauter, dass ich ihn so unendlich vermisste und mir nichts sehnlicher als den erneuten Kontakt wünschte.

Ich merkte gar nicht, wie ich mehr und mehr abdriftete, meine Augen irgendwann einfach zu fielen und ich auf der Couch einschlief.

XXX

Erst am nächsten Morgen war ich wach geworden, fühlte mich leicht verkatert, auch wenn ich gerade mal ein Glas Whiskey getrunken hatte.

Noch müde und verspannt erhob ich mich von der Couch, schleppte mich die Treppe nach oben um im Bad erst einmal meine Lebensgeister zu wecken und anschließend laufen zu gehen.

Die frische Luft tat meinem Kopf gut und als ich wieder zu Hause ankam, frisch geduscht an meiner Küchentheke mein Müsli löffelte, hatte ich das Gefühl ein Stück weit klarer zu sehen.

Als ich gerade den Teller abspülte klingelte mein Handy, Liam!

„Was willst du?", knurrte ich ihn an, als ich abhob und hörte ihn sich direkt räuspern.

„Ich, ich wollte mich entschuldigen.", sagte er und seine Stimme war voller Reue.

Natürlich wusste ich eigentlich tief in meinem Inneren inzwischen, dass er wirklich nur das Beste für mich wollte und doch war es ein Vertrauensbruch, der nicht einfach wegzuwischen war.

„Das hättest du dir vorher überlegen sollen.", gab ich kalt zurück und sah direkt am anderen Ende das zerknirschte Gesicht.

„Ich weiß, ich dachte, Niall dachte...", stotterte er und ich atmete tief durch.

„Weißt du, wir konnten es nicht mehr mit ansehen, dass du und er nicht abschließen könnt miteinander. Deshalb haben wir gedacht, dass ihr so vielleicht, also wenn ihr miteinander sprechen müsst, einen Abschluss finden könnt und so wieder beide glücklich werden."

„Ihr habt uns in einen Raum gesperrt, wie Tiere.", gab ich zurück und schüttelte den Kopf bei dem Gedanken.

„Freiwillig hättet ihr aber nie miteinander geredet.", Liams Stimme wurde wieder fester und stärker und insgeheim gab ich ihm Recht. Wir hätten nie miteinander geredet, auch wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht wusste, wo uns das Gespräch von gestern letztlich hin bringen würde.

„Richtig.", gab ich deshalb nur zurück.

„Harry, bitte. Es tut mir ernsthaft leid und ich könnte mich selbst dafür in den Hintern treten...", er stoppte und ich schluckte. „Aber ich kann es jetzt nicht mehr rückgängig machen."

Ich ließ ihn einen Moment in der Stille hängen, ehe ich ruhig sagte: „Ich weiß, dass du es eigentlich nur gut gemeint hast Payno. Auch wenn ich dich gestern am liebsten hätte umbringen wollen."

Am anderen Ende war ein Geräusch des Erstaunens zu hören, ehe ich weiter sprach: „Ich will dich nicht an meiner Seite missen, deswegen verzeihe ich dir diese Dummheit. Jeder macht Fehler und ich kann dich nicht bestrafen dafür, dass du das Beste für mich wolltest."

Ich konnte förmlich das Lächeln sehen, das sich jetzt auf dem Gesicht am anderen Ende ausbreitete.

„Harry, du bist einfach zu gut für diese Welt.", sagte er und ich hörte das Glück heraus, das Glück, dass ich ihm doch nicht wie vermutet den Kopf abriss, oder ihm die Freundschaft kündigte.

„Ja, das bin ich vermutlich.", gab ich mit einem leisen Lachen zurück.

„Beweg deinen Hintern her, ich muss mit dir darüber reden, was ich weiter tun soll.", bestimmte ich noch, ehe ich den roten Hörer drückte und das Gespräch verstummte.

Escape Room (L.S.)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt