Die Zeit scheint unaufhörlich langsam zu zerinnen, in der sie in ihrem Zelt, aber auch davor, auf und ab läuft. Es wundert sie, dass ihre Schuhsohlen noch nicht abgelaufen sind, denn so aufgekratzt wie in den letzten zwei Wochen war sie noch nie.
Nachts schläft sie nur wenig, tagsüber bekommt sie vor Angst einen Fehler gemacht zu haben oder einen weiteren zu begehen kaum etwas hinunter, sodass ihre Wangenknochen nach zwei Wochen stark hervorstechen und ihre Haut blass, irgendwie fahl wirkt. Seufzend wendet sie ihren Blick vom Spiegel ab, schaut zu ihrer frisch über dem Feuer hängenden Hühnersuppe.
Nachdenklich fahren ihre Finger an die Phiole um ihre Halskette, drehen sie leicht herum, während sie noch immer die Hühnersuppe betrachtet. Phönixtränen retten ihn, doch ihr ist schmerzlich bewusst, dass sie warten muss, bis das Trio von ihm weg ist. Sie muss warten, bis er beinahe tot ist, ehe sie eingreifen darf.
Ihre Augen fixieren den Kessel mit Suppe, fahren weiter in Richtung des Baumstumpfs, auf dem Dutzende Phiolen liegen, welche auf ihren baldigen Einsatz warten. Eine jedoch soll zuvor eingesetzt werden, sie schiebt es nur auf. Sie will, dass er so wenig Folgen von dem Unfall davon trägt, wie möglich und dieses glitzernde Gegengift wird ihn zwar nicht zu 100 Prozent schütuen, aber zumindest die Wirkung des hochkonzentrierten Schlangenbisses mindern. Zumindest für den Moment ausbremsen, bis sie die Möglichkeit hat ihn endlich selbst zu retten.
Seufzend setzt sie sich vor den Kessel mit Suppe, schöpft sich eine große Kelle und isst unter den angenehmen Geräuschen der Natur. Hier und Da zwitschern Vögel oder es Knistern und Rascheln die Blätter durch den Wind. Sie kann sich selbst nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal derart viel in der Natur war.
Vermutlich mit ihren Eltern und das schon vor vielen Jahren.
Grübelnd stellt sie ihre leere Schüssel zur Seite und schnappt sich alle Phiolen, welche sie vorsichtig in ihrer Tasche verstaut, ehe sie auf die letzte Seite in ihrem Tagebuch schaut und das heutige Datum liest: 01. Mai 98.
Allein bei diesem Datum will sie sich übergeben. Es ändert sich alles, hoffentlich. Erschöpft fährt sie sich über das Gesicht, räumt auch den Rest ihres Rastplatzes auf, nur um sich für die baldige Reise zu rüsten, welche sie Mitten in das Gefecht führt.Tief atmet sie ein, ehe sie jegliche Luft wieder ausstößt und ihr Zelt betrachtet. Sie schließt konzentriert ihre Augen, legt einen Desillusio über sich und appariert mit einem leisen Ploppen. Nicht zu hören unter den rasselnden Geräuschen des Waldes und kaum wahrzunehmen im Büro der Kerker. Er hingegen schaut sofort auf, sucht den Raum ab und versucht sie zu entdecken. Er weiß sofort, dass es nur sie sein kann. "Toula...?", fragt er murmelnd, legt seine Feder zur Seite und lehnt sich in seinem Stuhl zurück.
Seufzend löst sie den Zauber auf.
"Wieso arbeitest du so viel in deinem alten Büro?", fragt sie ernst, fühlt sich sogar verarscht, weil er immer meinte er hätte keine Probleme mit dem Schulleiterbüro, doch nun ist er zum zweiten Mal, mitten am Tag in seinen Räumen und nicht im Westturm. "Ich arbeite gerne hier.", antwortet er knapp, zieht die Stirn kraus und beäugt Toula kritisch. "Als ich noch hier war, dachte ich, dass du im Schulleiterbüro arbeitest. Wir haben uns schließlich zumeist erst Abends getroffen... warst du wirklich dort oder auch hier?", fragt sie und verschränkt die Arme vor der Brust.
"Ich war hier."
Kopfschüttelnd schaut sie zu Boden und wieder zu ihm auf. "Warum... warum hast du mit mir nicht darüber geredet?"
Laggezogen prustet er die Luft aus seinen Lungen, schaut auf die dunkle Platte seines Schreibtisches und schlussendlich mit einem betretenen Blick wieder zu ihr. Sie erkennt den Schmerz in seinen tintenschwarzen Augen, erkennt die Zweifel und die Schuld, die ihn noch immer plagen und die er ihr gegenüber immer versteckt hat. "Severus... du bist für mich... du kannst mit mir über alles reden, ich hätte mir gewünscht, dass du das getan hättest.", sie läuft zu seinem Schreibtisch, stützt ihre geschlossene Hand mit der Phiole auf dem Holz ab und blickt ihn eindringlich ein. "Es schmerzt noch immer.", antwortet er flüsternd. "Man kann Tränen zur Seite wischen, aber Gefühle nicht... ja.", flüstert sie, schenkt ihm ein mildes Lächeln, schiebt dann die Phiole über den Tisch und direkt vor ihn. "Was ist das?", fragt er kritisch. "Du weißt, dass ich vor dem Beginn des Krieges noch einmal herkommen werde und deshalb muss ich dir diese Phiole vorher geben.", erzählt sie ausweichend. "Das erklärt nicht, was sich in dieser Phiole befindet."
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Das Versteckspiel... geht weiter (Severus Snape FF)
FanficFORTSETZUNG VON "DAS VERSTECKSPIEL DER TODESSER"! In der Geschichte bekommt ihr einen Eindruck von Toulas Leben der nächsten vier Jahren und wer weiß, was geschieht... ...lest selbst. Alle Rechte der Personen, Orte... sind J. K. Rowling vorbehalten...