Schwester Joy

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Gespannt lauschten die Mädchen dem jungen Mann, der an der Tafel stand und etwas über in Kanto heimische Elektropokémon erzählte. „Kann mir noch einmal jemand alle bisher genannten Pokémon aufzählen?", fragte er in den Raum, nachdem er das Pokémon Elektek behandelt hatte. Hanna war überrascht, dass Palma sich nicht meldete, da diese sonst immer die Erste war. Etwas unsicher meldete sie sich selbst und kam auch direkt dran. „Pikachu und seine Entwicklung Raichu, Voltobal und seine Entwicklung Lektrobal, Magnetilo und seine Entwicklung Magneton, Elektek. Und nicht zu vergessen – Blitza." Der Lehrer nickte anerkennend; ein tolles Gefühl. Palma hatte Recht gehabt – die Rothaarige hatte sich ziemlich verändert. „Dies sind Pokémon, die schon lange hier leben. In den letzten Jahren haben sich jedoch auch noch andere Pokémon hier angesiedelt. Kennt jemand eines?" Wieder meldete sich Hanna. „Ich habe im Mondberg ein Alola-Kleinstein gefangen." Überrascht schaute der Lehrer sie an. „Oh. Die hätten eigentlich vertrieben werden sollen, da sie Trainer gefährden." Daraufhin erzählte er ein wenig was über Alola-Kleinstein, Emolga und Voltilamm.

Später am Tag trainierten die beiden ihre Pokémon, die sie als Belohnung für den Abschluss der Rallye erhalten hatten. Hanna stellte mit Bedauern fest, dass Palma etwas zögerlich und ängstlich agierte. Viel zu oft rief diese ihr enttäuschtes Hunduster zurück und traute diesem zu wenig zu.
Die Sonne war gerade dabei, ihren Untergang einzuläuten, als Palma dazu drängte, zurück zum Pokémoncenter zu gehen. Besorgt gab Hanna nach.

Clara Tann begrüßte die beiden im Pokémoncenter. Während Hanna überrascht war, die dunkelhäutige Frau zu sehen, schien Palma vor allem erfreut. „Ich habe deinen Brief gelesen. Was hältst du davon, wenn wir die nächsten zwei Tage unterwegs sind?" Entschuldigend wandte sie sich an Hanna. „Ich hoffe, du fühlst dich nicht zu ausgeschlossen." Doch, das tat sie. Aber ihr war auch bewusst, dass Clara ihrer Freundin helfen wollte. Also schüttelte sie den Kopf. „Passen Sie bitte gut auf Palma auf." „Mach ich, keine Sorge. Palma, morgen früh um acht Uhr hole ich dich hier im Pokémoncenter ab. Sei möglichst ausgeschlafen. Jetzt lasse ich euch beiden aber wieder allein, damit Hanna noch ein wenig Zeit mit dir hat. Bis morgen."

Traurig umarmte Hanna ihre Freundin. „Pass auf dich auf und komm schnell wieder." Als sie Clara anschaute, lächelte diese mit einem Ausdruck, der sagte – „Ich weiß, wie du zu ihr stehst." Verlegen ließ die Rothaarige die Blondine los. „Bis übermorgen!"
Hanna verbrachte noch eine Weile im Eingangsbereich des Pokémoncenters und beobachtete die Trainer, die ein und aus gingen. Manche wirkten niedergeschlagen, als hätten sie gerade den wichtigsten Kampf ihres Lebens verloren. Andere waren in Eile, als könnten sie gar nicht schnell genug zurück in den Kampf.
Plötzlich sah das Mädchen ein bekanntes Gesicht – Sarah, die Tochter des Ballschmieds. Diese kam zielstrebig auf sie zu, als sie die Trainerin sah. „Hallo Hanna. Ist Palma auch hier?"
„Nein; sie ist für zwei Tage verreist."
„Mist. Hast du Lust auf einen Spaziergang?"

„Ich komme mal direkt zur Sache – ich brauche deine Hilfe. Team Veritas plant einen Anschlag und ich befürchte, dass sie dabei auch Leben nehmen werden. Ich stehe voll und ganz hinter unseren Zielen; aber nicht hinter unserem Weg. Würdest du mich begleiten?"
Hanna zögerte kurz. Sie hatte Angst; aber es klang auch aufregend. „Gerne. Aber wieso gehst du nicht zur Polizei?"
„Da war ich schon. Die haben mich ausgelacht."
„Wieso? Und wo müssen wir überhaupt hin?"
„Nach Vertania. Alles Weitere erkläre ich dir dort. Du holst das Nötigste aus deinem Zimmer und dann treffen wir uns in einer halben Stunde am Flugtaxigebäude neben dem Hafen."
„Flugtaxigebäude?"
„Westlich vom Hafenbereich. Du wirst es schon finden. Bis gleich."
Eilig lief Sarah davon und Hanna rannte zurück zum Pokémoncenter.

Das Flugtaxigebäude wirkte nach außen hin unscheinbar. An einer großen Halle war der Schriftzug „Flugtaxi Orania City" angebracht. Links neben der Eingangstür befand sich ein Fenster, hinter dem ein Angestellter saß. Sarah wartete bereits vor der Tür auf sie. „Wir wären dann so weit.", sagte sie zu dem Angestellten und die Tür öffnete sich. Dahinter kam eine Halle voller Käfige zum Vorschein, in denen Tauboss saßen. Zielstrebig steuerte Sarah den Käfig an, der mit einer großen 6 beschriftet war. Das große Vogelpokémon stand bereits draußen und war mit drei Satteln bestückt. „Eilflug nach Vertania City, korrekt?" Sarah nickte und eine junge Frau half den beiden in ihren Satteln, bevor sie selbst in den Vordersten stieg. „Haltet euch gut fest. Wir fliegen so schnell es geht." Mit kräftigen Flügelschlägen stieg das Pokémon durch das offene Hallendach in den Himmel.

Der lange Weg zum RuhmGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt