Etwas beschämt fragte Palma Hanna, ob diese etwas über die Top 4 wisse. Hanna musste kichern. „Ich bin mal besser informiert als du?", stichelte sie. Die Rothaarige fasste grob zusammen, was sie während ihres Praktikums im Pokémon-Labor über die Top 4 erfahren hatte.
Früher hatten Herausforderer die Top 4 hintereinander und dann noch den Champ besiegen müssen. Dies hatte allerdings dazu geführt, dass jeder neue Champ stärker war als der Vorherige und Herausforderer somit irgendwann praktisch keine Chance mehr hatten. Deshalb ist das Kampfsystem angepasst worden. Ein Herausforderer bestimmte zehn Pokémon und durfte für jeden Kampf sechs der Pokémon wählen. Zudem war es ihm nun erlaubt, seine Pokémon zwischen den Kämpfen von Schwester Joy heilen zu lassen. Im Gegenzug waren die Top 4 stärker als früher. In Kanto wurde die Top 4 mit den Typen Eis, Kampf, Geist und Drache besetzt. Dem Herausforderer stand es frei, die Reihenfolge zu wählen, in der er die Top 4 herausforderte.
Palma musste feststellen, dass ihr Team noch Schwachstellen gegen die vier Typen aufwies, die in der Liga verwendet wurden. Also beschloss sie, noch einmal nach Prismania City zu fliegen und da Geld aus Arenakampf und Praktikum in neue Items zu investieren.
Hanna erklärte sich mit Palmas Plan einverstanden und begleitete diese nach Prismania, wo sie ihr sogar die letzten noch fehlenden Items kaufte. „Ich habe mehr Geld als ich selbst brauche und du hast mir am Anfang der Reise sehr unter die Arme gegriffen. Jetzt gebe ich die das zurück." Die Blondine war irritiert, ob Hanna das Geld nicht selbst brauchte, doch diese winkte ab und erklärte, dass ihre Pokémon alles hatten was sie brauchten.
Zurück in Vertania machten sich die Freundinnen direkt auf den Weg Richtung Pokémon-Liga. Auf Route 22 ließen sich die beiden nicht von wilden Pokémon aufhalten, da diese viel zu schwach waren, um ein nützliches Training zu sein. Schließlich erreichten die beiden Trainerinnen das Ende von Route 22. Dort standen sie von einem großen Durchgangshaus, hinter dem sich Route 23 ersteckte, die den höchsten Berg der Kanto-Region hinaufführte. Jetzt erst wurde ihnen bewusst, wie mühsam die nächsten Tage oder gar Wochen werden konnten. An der Kontrolle im Haus mussten sie mindestens einen Orden vorzeigen, um passieren zu dürfen. Da sie beide acht Orden erstritten hatten, war dies also kein Hindernis für sie. Neugierig fragte Palma den Pförtner, wieso sie hier nur mit Orden durchkamen. Dieser antwortete geduldig, dass Route 23 in mehrere Abschnitte unterteilt war und die wilden Pokémon von Bereich zu Bereich stärker wurden. Früher war Route 23 ein beliebter Trainingsort vieler Pokémontrainer gewesen, inzwischen verirrten sich jedoch meist nur solche auf Route 23, die bereits acht Orden gesammelt hatten. Sie erfuhren, dass sich mit Glück noch vereinzelt ein paar Trainer mit sechs oder sieben Orden weiter am Ende der Route befanden.
Während sie die ersten Tage recht unbehelligt den Berg hinauf wandern konnten, änderte sich dies etwa ab der Hälfte der Route. Je weiter sie vorankamen, desto aggressiver und angriffslustiger wurden die wilden Pokémon. Zwar waren sie alle kein Problem für die beiden Mädchen, doch mussten sie ständig auf der Hut sein und regelmäßig anhalten, um ein wildes Arbok, Sandamer oder Rasaff zu bekämpfen. Zwar gab es hier auch noch andere Pokémon, diese blieben jedoch eher passiv.
Nachdem sie lange Zeit keine anderen Trainer gesehen hatten, entdeckten sie unweit des Kontrollpunktes, an dem sie sechs Orden vorzeigen mussten, ein Zelt. Neugierig gingen sie auf das Zelt zu, als plötzlich eine Stimme von der Seite erklärt: „Hey, das ist unser Zelt! Warte. Palma, bist du das?"
Die Blondie drehte sich überrascht um. „Mary!"
Hanna und ein Mädchen, das nicht Mary war, schauten ihre Freundinnen überrascht an.
„Das ist Mary, sie ist ein Jahr vor mir aufgebrochen. Wir haben bei jahrgangsübergreifenden Trainingseinheiten oft zusammengearbeitet. Mary, das hier ist Hanna, meine Freundin."
„Schön, dich mal wieder zu sehen. Und hallo Hanna, schön dich kennenzulernen. Das hier ist übrigens Nagi", zeigte Mary mit dem Daumen auf das andere Mädchen.
Die vier unterhielten sich und es stellte sich heraus, dass Mary und Nagi nach einem bestimmten Pokémon Ausschau hielten – Ditto. Dieses konnte die Form jedes anderen Pokémon annehmen und war schwer zu finden.
Bevor sie weiterziehen konnten, wurden Palma und Hanna noch zu einem Doppelkampf herausgefordert, bei dem jeder Trainer zwei Pokémon einsetzen konnte. „Dann zeig mir mal, wie stark du bist, Palma", forderte Mary die Blondine auf.
Mary schickte ein Glurak in den Kampf, Nagi ein Bisaflor. Hanna setzte auf ihr Turtok, Palma auf ihr Tentoxa.
„Tentoxa? Früher konntest du Giftpokémon gar nicht leiden", warf Mary erstaunt ein.
„Ich weiß. Aber mein Tentoxa ist echt toll! Und jetzt lass anfangen!" Palma war heiß auf diesen Kampf. Sie wollte Mary unbedingt besiegen.
Palma und Hanna tauschten einen Blick aus, bevor sie ihre Befehle gaben. Das Tentoxa der Blondine war das schnellste Pokémon im Kampf und setzte Eisstrahl gegen Bisaflor ein. Glurak leuchtete hell auf, sammelte Energie, setzte jedoch noch keine Attacke ein. Hannas Turtok war ein wenig schneller als Nagis Bisaflor und besiegte dieses mit dem Einsatz eines Eisstrahls. Nagi überlegte kurz, bevor sie Raichu als Ersatz für Bisaflor in den Kampf schickte.
Erneut wurden Befehle gegeben. Hanna rief ihr Turtok zurück und schickte Gallopa in den Kampf. Wieder war Tentoxa das schnellste Pokémon im Kampf und griff Raichu mit der Attacke Siedewasser an, die diesem Verbrennungen zufügte. Dieses wiederum griff Gallopa mit der Attacke Donnerschlag an, machte aufgrund seines durch die Verbrennungen verminderten Angriffs jedoch nicht viel Schaden. Marys Glurak entlud die angesammelte Energie in einem Solarstrahl auf Gallopa. Das Feuerpferd-Pokémon hatte durch beide Attacken ordentlich Schaden genommen, konnte jedoch noch weiterkämpfen.
In der nächsten Runde besiegte Palmas Tentoxa das Raichu von Nagi mit einem erneuten Einsatz von Siedewasser, womit Nagi aus dem Kampf war.
„Stopp!", reif Mary, als Gallopa gerade angreifen wollte. „Ihr habt noch vier Pokémon über, ich zwei. Es hat keinen Sinn, unsere Pokémon hier draußen unnötig zu verheizen. Palma, du hast dich sehr verändert. Viel Erfolg gegen die Top 4. Und Hanna, du kämpfst mit viel Weitsicht. Ihr seid beides starke Trainerinnen."
Die vier Mädchen verbrachten noch den restlichen Tag sowie die Nacht zusammen, bevor Hanna und Palma am nächsten Tag weiterzogen.
Bevor sie die Siegesstraße erreichten, trafen sie noch vereinzelt Trainer; manche wollten nur gegen wilde Pokémon kämpfen, andere forderten die beiden Mädchen heraus. Sie gewannen jeden Kampf problemlos. In der Siegesstraße sah es jedoch anders aus. Jeder Trainer, den sie dort trafen, forderte sie heraus und die Kämpfe wurden deutlich anspruchsvoller. Jeder ihrer Gegner hatte schon mindestens einmal die Top 4 herausgefordert.
Eine Trainerin war jedoch anders als die anderen. Die junge Frau mit den blauen Haaren erzählte den Mädchen, dass sie jede Stelle der Siegesstraße erkunden wollte. Auf die Nachfrage, wieso sie dies tat, erzählte die Trainerin, dass in der Siegesstraße früher ein legendäres Pokémon gelebt hatte – Lavados. Irgendwann war es jedoch davongeflogen und hatte sich in den Sevii Eilande niedergelassen. Niemand kannte den Grund, doch sie wollte ihn herausfinden. Ihre bisherigen Untersuchungen legten den Schluss nahe, dass sich ein anderes legendäres Pokémon in der Siegesstraße breit gemacht hatte, da es an Lavados früherem Rastplatz Spuren von schweren Kämpfen gab. Andererseits gab es keine Spur eines anderen Pokémon, das nun hier lebte.
Palma fühlte sich an ein Bild aus der Ausstellung in Marmoria City erinnert. Ein Einhorn war durch ein Portal in eine Höhle gelangt. Sie erzählte den beiden anderen davon. „Einhorn? Das klingt nach Keldeo. Portale? Klingt nach Hoopa. Aber wieso sollte Hoopa...", überlegte die Blauhaarige.
Die Blondine wurde neugierig und fragte, woher die junge Frau so viel über legendäre Pokémon wusste.
„Ich bin auf meiner Reise in einer etwas... hm... doofen Nacht einem Mew begegnet. Es hat mir so gesehen das Leben gerettet. Danach habe ich mich sehr viel mit legendären Pokémon befasst. Ich möchte später zu Legenden forschen. Na ja, eigentlich mache ich das jetzt schon. Aber halt professionell."
Nach einigen Tagen und vielen Kämpfen gegen Trainer sowie wilde Pokémon erreichten die beiden Freundinnen abends erschöpft das Indigo Plateau. Vor ihnen erstreckte sich ein riesiger von einem Wald gesäumter Park. Am anderen Ende des Parks befand sich ein beeindruckender Gebäudekomplex. Müde ließ sich Palma ins Gras fallen. „Lass uns morgen dorthin, heute gehe ich keinen Meter mehr."
Am nächsten Morgen mussten die Mädchen noch ein bewachtes Tor passieren, das Besucher des Liga-Hauptquartiers davon abhalten sollte, die Siegesstraße zu betreten und sich dort Gefahren auszusetzen, bevor sie die Gebäude betreten konnten.
Der Raum hinter dem Haupteingang glich mehr einem Pokémon-Center als einer Eingangshalle. Eine Schwester Joy stand hinter dem Tresen und begrüßte die beiden. Nachdem die Pokémon der Freundinnen geheilt waren, erklärte Schwester Joy die Formalien: „Wie auch in einem Pokémon-Center können Trainer hier übernachten. Allerdings nur solche, die berechtigt sind, gegen die Top 4 zu kämpfen. Für Besucher gibt es kostenpflichtige Schlafmöglichkeiten in Gebäude C. Ihr könnt euch hier bei mir für einen Kampf gegen die Top 4 anmelden. Hierzu bräuchte ich einmal eure Trainerpässe. Am Tag der Kämpfe müsst ihr bei mir noch einmal zehn eurer Pokémon auswählen und nur diese dürfen an diesem Tag kämpfen."
Hanna machte plötzlich einen Schritt nach hinten.
„Was ist los?", wollte Palma überrascht wissen.
„Ich werde mich nicht anmelden."
„Was? Wieso nicht?"
„Weil das dein Traum ist, Liebling. Und der Ruhm an diesem Tag soll dir allein gehören. Ich kann auch später noch eine Top 4 herausfordern. Außerdem habe ich erst sechs Pokémon."
Die beiden diskutierten noch eine Weile, bis Palma schließlich nachgab und nur sich für einen Kampf gegen die Top 4 anmeldete. Die Kämpfe würden in zwei Wochen stattfinden und so hatte Palma noch einmal genügend Zeit, in der Siegesstraße ihre Pokémon zu trainieren.
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Der lange Weg zum Ruhm
FanfictionViele Kinder trainieren hart, um Pokémontrainer werden zu können. So auch Palma. Naiv tritt sie ihre Reise in der Stadt Alabastia an, in der sie auch ihr erstes Pokémon erhält. Ihr Ziel: Champ der Pokémonliga werden. Auf dem Weg dorthin trifft sie H...
