Magentia

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Der Weg, auf dem sie sich befanden, unterschied sich deutlich von den Routen, auf denen sie bisher unterwegs gewesen waren. Schlaglöcher und viel Wildwuchs deuteten darauf hin, dass dies ein Weg war, der nicht allzu häufig benutzt wurde und dem auch nicht viel Bedeutung beigemessen wurde. Flora und Fauna unterschieden sich ebenfalls deutlich den denen der anderen Routen. Hier machte alles einen natürlichen Eindruck; wilder, nicht kontrolliert und geplant. Die Pokémon befanden sich auf sehr unterschiedlichen Leveln und nicht auf den gleichen Leveln, wie es sonst üblich war. Zudem ignorierten sie die beiden Trainerinnen; nahmen sie nicht als Bedrohung wahr.

„Oh, schau mal, da vorne ist eine junge Frau!", bemerkte Hanna, während sie sich eigentlich gerade darüber unterhielten, wie schön sie es hier fanden. Neugierig blieben sie nach ein paar dutzend Metern stehen und beobachteten die Frau dabei, wie sie große kugelförmige Früchte von einem Baum pflückte und in zwei große Körbe packte, die bereits Früchte in den unterschiedlichsten Farben enthielten. Nach wenigen Minuten kam die Pflückerin mit den beiden Körben zu ihnen. „Ihr schaut so neugierig drein.", schmunzelte sie. Palma erklärte, dass sie solche Früchte noch nie gesehen hatten. „Ah, das sind Aprikokos. Aus diesen Früchten stellt mein Vater Pokébälle her." „Oh, ich glaube, ihn suchen wir!", warf Hanna ein und erzählte von dem Brief des Beerenladenbesitzers.
„Seid ihr beiden so lieb und tragt einen der Körbe? Ihr könnt ihn auch gerne gemeinsam tragen. Ich begleite euch nach Magentia und stelle euch meinem Vater vor." Und so gingen sie neben der Frau her, zwischen sich einen Korb, an dessen Griff Hannas Hand manchmal die ihrer Freundin berührte.

Einstöckige Holzhäuser mit Strohdächern bestimmten das Dorfbild. Auf dem Weg zum Vater der jungen Frau, die sich inzwischen als Sarah vorgestellt hatte, trafen sie allerlei Leute, die sie neugierig musterten. „Hier kommen nicht oft so junge Trainer vorbei.", erklärte Sarah. „Wenn ein Ort nicht von der Pokémonliga gefördert wird, hat er es meist nicht leicht.", merkte sie traurig an. Als sie an einem kleinen Laden vorbeikamen, bat Palma darum, einen kurzen Abstecher in diesen zu machen. Vom Verkäufer wurden sie freundlich begrüßt. „Führen Sie Menstruationsartikel?", fragte Palma etwas schüchtern, aber bestimmt. Beim beschriebenen Regal angekommen, wandte sie sich an Sarah. „Das ist mir jetzt ein wenig unangenehm, dich das einfach so zu fragen, da wir uns nicht wirklich kennen. Aber meine Freundin hatte ihre ersten Tage. Da meine noch ausstehen, kenne ich mich nicht so damit aus. Könntest du uns vielleicht ein wenig erzählen, was die Unterschiede zwischen all den Artikeln hier sind und was du ihr empfehlen würdest?"
Mit für lange Märsche geeigneten Binden verließen sie den Laden. Der Verkäufer hatte sie ihnen als eine Art Willkommensgeschenk überlassen und Sarah versprach, ihnen später zu zeigen, wie man sie verwendet.

„Ich bin wieder da!", rief Sarah beim Betreten der Werkstatt, in der es deutlich wärmer war, als die Mädchen erwartet hatten. „Ich habe Gäste mitgebracht!", fügte sie hinzu. Im Innern der Werkstatt erwartete sie ein kräftiger Mann. „Ich bin Bertram, guten Tag." Die Mädchen stellten sich vor und Hanna reichte ihm zögerlich den Brief.
„Da möchte er einfach, dass ich euch etwas über Pokébälle erzähle und euch welche schenke? Aber na gut, weil er es ist.", lachte Bertram nach der Lektüre des Briefes. „Also gut. Was wisst ihr über Pokébälle?" Viel mehr als dass damit Pokémon gefangen wurden, konnten die Mädchen nicht erzählen. „Ich bin kein Wissenschaftler, kann also nicht alles im Detail erklären. Aber die Grundlagen kann ich euch vermitteln. Im Grunde wird die Welt von einem Netz aus Energielinien umspannt. Pokémon sind normalerweise mit diesen Linien verbunden und werden zurück in das Netz gezogen, wenn sie besiegt wurden. Ihr habt vielleicht schon einmal gehört, dass es Orte gibt, an denen besonders viele Pokémon erscheinen; dort kreuzen sich mehrere dieser Energielinien. Ein Pokéball wirkt nun wie ein starker Magnet auf das Pokémon, entreißt es dem Energienetz und bindet es an den Ball." Irritiert hob Palma die Hand, da ihr etwas unklar war. „Das klingt sinnvoll. Aber im Laden für Trainerausrüstung in Alabastia habe ich Taschen gesehen, die wie ein Pokéball funktionieren. Dabei sind Gegenstände doch gar nicht an das Energienetz gebunden."
„Pokémon können getragene Gegenstände in Energie verwandeln. Mithilfe des Körpers eines bestimmten Pokémon können Gegenstände in Pokébälle gezogen werden. Oder anders – diese Taschen enthalten Teile von Porygon. Körper von Porygon werden allgemein gerne bei der Herstellung von Pokébällen verwendet."
Neugierig schaute Hanna in ihrem Pokédex nach und las vor: „Porygon, das Virtuell-Pokémon vom Typ Normal. Es ist ein künstliches Pokémon, das nicht atmet. Daher wird es in jeder Umgebung eingesetzt. Dieses Pokémon ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung." Plötzlich fing der Ballschmied an zu lachen. „Glaubt nicht alles, was man euch erzählt. Porygon gibt es schon sehr lange und wurden nicht vom Menschen erschaffen. Das Einzige, das der Wissenschaft gelungen ist – Porygon künstlich zu vermehren. Dadurch wurde erst die Massenproduktion von Bällen möglich, die besser sind als normale Pokébälle." Sein Blick trübte sich etwas. „Aprikoko-Bäume sind übrigens in die Körper toter Porygon gepflanzt."
Nach dieser Information wechselten sie das Thema und Bertram versprach, ihnen am nächsten Tag besondere Bälle zu geben. Den Rest des Tages sollten sie mit Sarah verbringen, bei der sie auch die Nacht verbringen durften.

Der lange Weg zum RuhmGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt