Still lehne ich meinen Kopf gegen die kühle Fensterscheibe des Taxis. Das Glas ist glatt, beinahe beruhigend, und trägt einen leichten Beschlag von der warmen Nachtluft draußen. Die Fahrt wird nicht allzu lange dauern, aber um die Ecke war die Party nun auch nicht. Es fühlt sich an, als würde jeder gefahrene Meter mich ein Stück weiter wegziehen von Lärm, fremden Blicken und dieser seltsamen Unruhe, die sich den ganzen Abend über nicht ganz abschütteln ließ.
Ich bin froh, dass ich noch genug Geld eingesteckt habe. Für genau solche Situationen. Für das Unerwartete. Für den Moment, in dem man merkt, dass ein Plan nicht aufgeht und man improvisieren muss. Man sollte immer vorbereitet sein - das hat mir das Leben früh beigebracht.
Der Fahrer ist ein älterer Mann, graue Schläfen, ruhige Bewegungen, die Hände sicher am Lenkrad. Einer von denen, bei denen man sofort weiß, dass sie ihr halbes Leben auf der Straße verbracht haben. Bald wird er vermutlich in Rente gehen, befreit von Nachtschichten und müden Gesichtern auf der Rückbank. Er sagt kein Wort, und ich bin dankbar dafür. Ich bin viel zu müde für Smalltalk. Wahrscheinlich ist er es auch, wenn man bedenkt, welche Uhrzeit wir gerade haben.
Die Gegend, durch die wir fahren, ist ruhig. Fast schon friedlich. Häuser säumen die Straßen, jedes von ihnen eingebettet in Bäume und gepflegte Vorgärten. Die Straßenlaternen werfen warmes, gedämpftes Licht auf den Asphalt, lassen alles weich und beinahe unwirklich erscheinen. Aus reiner Gewohnheit lasse ich meinen Blick über die Fenster der Häuser wandern, suche nach einem Zeichen von Leben. Ein Licht. Eine Bewegung. Doch nichts. Alle schlafen.
Am liebsten würde ich meine Augen schließen und einfach einschlafen. In eine Welt abdriften, in der nichts mehr wehtut, nichts mehr schwer ist. Doch diesen Platz nimmt Peyton gerade für uns beide ein. Sie liegt zusammengerollt auf der Rückbank, ihr Atem ruhig, ihr Gesicht entspannt. Meine Augenlider sind schwer, mein Kopf pocht leicht, aber die Aussicht, gleich endlich zu Hause zu sein, hält mich wach.
Raus aus diesem engen Kleid. Raus aus diesen unbequemen Schuhen. Ab unter die Decke.
Plötzlich nehme ich aus dem Augenwinkel etwas Dunkles wahr. Eine Bewegung am Straßenrand. Ich blinzle und richte meinen Blick darauf. Eine schwarze Katze schleicht über den Bürgersteig, bleibt stehen, duckt sich kurz, als würde sie etwas beobachten, und schlendert dann weiter von Busch zu Busch.
Es wirkt so alltäglich. So harmlos. In dieser Gegend ist es bestimmt üblich, spätabends mit dem Hund spazieren zu gehen oder seine Katze einfach nachts rauszulassen. Die Straße ist wie gemacht für ruhige Spaziergänge, für Menschen, die die Stille mögen.
Doch je näher wir kommen, desto näher bewegt sich die Katze auf die Straße zu.
Ein ungutes Gefühl breitet sich in meiner Brust aus. Mein Blick wandert zum Fahrer. Er macht keinerlei Anstalten, langsamer zu fahren. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er die Katze überhaupt sieht.
„Sir, da ist eine-"
Weiter komme ich nicht.
Die Katze läuft plötzlich los. Direkt auf die Straße. Direkt vor das Auto.
Der Aufprall ist kein lauter Knall, sondern ein dumpfes, erschreckend klares Geräusch. Genug, um mir für einen Moment die Luft aus den Lungen zu pressen. Das Auto kommt ruckartig zum Stehen. Mein Körper wird nach vorne geschleudert, dann wieder zurück in den Sitz gedrückt.
Bitte nicht.
„Haben Sie das auch gehört?" fragt der Fahrer, verwirrt, fast ahnungslos.
Mein Herz rast. „Sie haben gerade einer Katze das Leben genommen", sage ich leise, aber bestimmt. Wäre ich betrunkener gewesen, hätte ich wahrscheinlich sofort angefangen zu weinen. Ein Glück, dass Peyton schläft.
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Aiming at Love
RomanceIliana wusste, dass Keanu gefährlich ist. Nicht wegen dem, was er sagt - sondern wegen dem, was er verschweigt. Keanu lebt nach Regeln, die niemand kennt. Er ist verschlossen, kontrolliert und tödlich präzise. Gefühle sind in seiner Welt Schwächen. ...
