Ohne mir auch nur eine weitere Sekunde für großzügiges Überlegen zu gönnen, verlasse ich das Badezimmer wieder. Meine Schritte sind hastig, fast schon unkoordiniert, während mein Kopf längst mehrere Szenarien gleichzeitig durchspielt. In der Küche greife ich nach etwas, ohne wirklich hinzusehen, was es ist, nur mit dem Gefühl, vorbereitet sein zu müssen. Dann stecke ich mein Handy tief in meinen BH, als wäre es dort sicherer aufgehoben, und bewege mich zielstrebig auf die Haustür zu.
Meine Schuhe habe ich nicht ausgezogen. Dafür fehlt mir jede einzelne Sekunde.
Zeit ist gerade etwas, das ich mir nicht leisten kann.
Mein Herz rast ununterbrochen gegen meine Brust, als wolle es mir sagen, dass ich mich beeilen muss - dass jede Verzögerung gefährlich ist.
Unaufhörlich springen mir Bilder von Peyton in den Kopf.
Schlimme Bilder.
Bilder, die ich nicht kontrollieren kann. Ein Mann neben ihr. Zu nah. Zu groß. Zu präsent. Ein Ort, der düster ist, abgelegen, an dem niemand außer ihnen existiert. Kein Geräusch. Keine Hilfe. Nur sie und er.
Mir schnürt es die Kehle zu.
Angst und Wut vermischen sich in mir zu einem Gefühl, das kaum auszuhalten ist. Ich will schreien, rennen, kämpfen - alles gleichzeitig.
Plötzlich höre ich das vertraute Geräusch eines aufgeschlossenen Autos, nicht weit entfernt von der Stelle, an der ich gerade vor der Haustür stehe. Mein Kopf schnellt nach oben. Meine Pupillen erfassen die dunkle Silhouette neben dem schwarzen Wagen und weiten sich schlagartig, als ich erkenne, um wen es sich handelt.
Kenzo.
Ich bin nicht gut im langen Überlegen.
War ich noch nie.
Und jeder, der jetzt sehen würde, wie ich seinen Namen rufe, würde das wohl bestätigen.
Seine Körperhaltung erstarrt augenblicklich. Ihm ist mehr als bewusst, dass ich es bin, die erneut seine Aufmerksamkeit fordert. Noch bevor er sich nach ein paar Sekunden umdreht, beginne ich, zu ihm hinüber zu joggen. Er lässt mich dabei keinen Moment aus den Augen, und ein absurder Gedanke schießt mir durch den Kopf - ich hoffe inständig, dass mein Gesicht nicht allzu rund aussieht, während meine Haare vom Wind nach hinten geweht werden.
Geduldig wartet Kenzo, bis ich bei ihm angekommen bin.
Was schneller geschieht, als beabsichtigt.
Denn ich war nicht schlau genug, auf meine Schnürsenkel zu achten.
Und wie es das Schicksal offenbar wollte, stolpere ich direkt vor seiner imposanten Statur über meine eigenen Füße.
Ein überraschter Schrecklaut entweicht mir, während ich reflexartig die Arme nach vorne strecke, als mein gesamter Körper nach vorne kippt. Sekundenbruchteile später knalle ich mit voller Wucht gegen seine Brust.
Zwei tätowierte Arme greifen instinktiv nach meiner Taille. Meine wirkt in diesem Moment plötzlich erschreckend schmal in seiner Breite. Mit der Wange an sein Shirt gepresst öffne ich erst ein Auge, dann das andere.
Ich höre mein Herz so laut schlagen, als würde es direkt in meinen Ohren hämmern.
Blinzelnd, wie festgefroren, schaue ich zu ihm hoch und registriere aus dem Augenwinkel, dass sich meine Hände fest an seine Schultern gekrallt haben.
Verflucht.
Ich hatte einen bestürzten oder genervten Ausdruck erwartet. Vielleicht sogar beides.
Doch stattdessen hebt sich langsam einer seiner Mundwinkel.
Ich verliere mich erneut in seinen Augen - bis mir schlagartig wieder einfällt, warum ich eigentlich hier bin.
Räuspernd löse ich mich von ihm und trete einen Schritt zurück. „Toller Fang." kommentiere ich und nicke knapp.
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Aiming at Love
RomantizmIliana wusste, dass Keanu gefährlich ist. Nicht wegen dem, was er sagt - sondern wegen dem, was er verschweigt. Keanu lebt nach Regeln, die niemand kennt. Er ist verschlossen, kontrolliert und tödlich präzise. Gefühle sind in seiner Welt Schwächen. ...
