Ich höre nichts von der anderen Seite, doch ich sehe, wie sich sein Gesicht verändert.
Es geschieht langsam - beinahe unmerklich -, aber ich kenne ihn inzwischen gut genug, um die Zeichen zu lesen. Sein Kiefer spannt sich an, als würde er etwas festhalten, das droht auszubrechen. Die Muskeln unter seiner Haut verhärten sich, und seine Augen verdunkeln sich, als würde jemand ein inneres Licht löschen.
„Wann?"
Seine Stimme ist ruhig. Zu ruhig. Die Worte schneiden scharf durch die Luft, präzise wie eine Klinge.
Eine Pause.
Seine Hand ballt sich zur Faust, so fest, dass seine Knöchel weiß hervorstechen. Ich sehe, wie sich die Spannung in ihm aufstaut, wie etwas Gefährliches in ihm erwacht - etwas, das ich nie ganz erreichen kann.
„Jetzt schon?" murmelt er, mehr zu sich selbst als zu der Stimme am anderen Ende der Leitung.
Dann legt er auf.
Für einen Moment bewegt er sich nicht. Er starrt auf sein Handy, als könnte er es allein mit seinem Blick zerbrechen. Die Stille zwischen uns ist schwer, fast erstickend.
„Keanu?"
Meine Stimme ist vorsichtig, fast zaghaft. Und dennoch verrät sie mich - dieses leichte Zittern, das ich nicht kontrollieren kann.
Langsam hebt er den Kopf.
Der Blick, der mich trifft, lässt meinen Magen verkrampfen. Das ist der Blick, den ich hasse. Kalt. Wach. Berechnend. Der Blick eines Mannes, der weiß, wie man tötet - und der gelernt hat, dabei nichts zu fühlen.
„Er hat mir Informationen zur nächsten Person gegeben", sagt er schließlich. Seine Stimme ist rau, wie Schmirgelpapier auf meiner Haut. „Und es muss wie ein Unfall aussehen."
Mir wird übel.
Ich hasse diese Momente. Diese Sekunden, in denen Keanu sich von mir entfernt, obwohl er nur wenige Zentimeter neben mir sitzt. In denen er jemand anderes wird - der Mann, der er sein muss, um zu überleben. Für ihn ist es ein Auftrag. Für mich ist es ein Abgrund.
„Wann?" frage ich trotzdem. Obwohl jeder Teil von mir schreit, die Antwort nicht hören zu wollen.
„Morgen."
Sein Kiefer mahlt. Er sagt nichts weiter, wirkt vollkommen in sich gekehrt. Dann schiebt er das Handy in die Tasche, fährt sich durch die Haare und stößt einen leisen Seufzer aus.
Ich nicke langsam, schlucke den Kloß in meinem Hals hinunter. Ich kann nichts dagegen unternehmen. „Gut. Dann ... dann sollten wir los. Meine Eltern warten."
Meine Eltern.
Plötzlich fühlt sich dieser Gedanke absurd an. Zwei Welten, die nicht weiter voneinander entfernt sein könnten - und ich stehe genau dazwischen.
Keanu sieht mich an. In seinem Blick liegt etwas, das mir das Herz zusammenzieht. Schuld. Zuneigung. Distanz. Vielleicht alles zugleich. Dann hebt er die Hand, streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht. Sein Daumen verweilt einen Moment zu lange an meiner Wange, als müsste er sich selbst daran erinnern, dass ich real bin.
„Ich will nicht, dass du dir Sorgen machst."
Ein leises, bitteres Lachen entgleitet mir. „Das ist nicht gerade einfach."
Er sagt nichts. Steckt nur den Schlüssel ins Zündschloss.
„Komm. Lass uns Hope abholen."
Die Fahrt verläuft schweigend.
Die Stadtlichter ziehen verschwommen an uns vorbei, und der gleichmäßige Klang des Motors ist das Einzige, was die Stille durchbricht. Ich starre aus dem Fenster, doch meine Gedanken kreisen nur um ihn. Keanu wirkt ruhig - zu ruhig. Seine Finger trommeln unbewusst auf das Lenkrad, seine Kiefermuskeln spannen sich an und lösen sich wieder.
„Was denkst du?" fragt er schließlich.
Ich zögere. Dann: „Dass ich mir den Abend anders vorgestellt habe."
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Aiming at Love
RomanceIliana wusste, dass Keanu gefährlich ist. Nicht wegen dem, was er sagt - sondern wegen dem, was er verschweigt. Keanu lebt nach Regeln, die niemand kennt. Er ist verschlossen, kontrolliert und tödlich präzise. Gefühle sind in seiner Welt Schwächen. ...
