06~Mama und Papa

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Vier Tage ist es inzwischen her, seitdem dieses Ereignis passiert ist. Angefühlt jedoch hat es sich eher wie das Doppelte, als hätte die Zeit beschlossen, langsamer zu vergehen, nur um mich zu prüfen.

Diese Woche habe ich viel gelernt, beinahe schon zwanghaft, nur um ja nicht bei der Prüfung zu versagen, die am Montag bevorsteht. Und da ich mir jetzt ganz bewusst eine Pause gönnen muss, treffe ich die Entscheidung, heute zu meinen Eltern zu fahren, um den Kopf etwas freizubekommen.

Ich glaube nicht, dass ich das gesamte Wochenende bleiben werde, aber eine Nacht werde ich meinem alten Bett wohl wieder eine Person zum Aushalten schenken.

Peyton musste an dem Tag, als sie zu mir kam, schon nach kurzer Zeit wieder gehen. Sie bekam einen Anruf, bei dem sie zunächst nicht drangehen wollte. Nach zwei weiteren Versuchen hielt sie das unaufhörliche Klingeln jedoch nicht mehr aus.

Und als sie plötzlich hörte, was derjenige auf der anderen Seite zu ihr sagte, rissen sich ihre Augen augenblicklich auf.

Ich fragte sofort, was los sei, doch mit auffälliger Eile wandte sie sich entschuldigend ab und verschwand aus meinem Zimmer, ohne mir eine Erklärung zu liefern.

Elias - derjenige, der einfach bei mir hereingestürmt war - schaute mich genauso entgeistert an, wie ich zuvor Peyton angesehen hatte.

Was mir jedoch die größte Sorge bereitet, ist bis heute keine Antwort von ihr zu bekommen. Weder auf meine Nachrichten noch auf meine Anrufe reagiert sie.

Und wenn man bedenkt, dass wir normalerweise keinen einzigen Tag ohne jegliche Kommunikation auskommen, ist diese Sorge mehr als berechtigt.

Gestern war ich dann bei ihr zu Hause und stand kurz davor, eine Vermisstenanzeige in die Welt zu setzen oder sogar die Polizei zu rufen, da niemand die Tür öffnete.

Auch wenn man Peyton nicht so einschätzt - sie ist ein wahrer Stubenhocker.

Natürlich hat sie hin und wieder Lust auf eine Party, auf der sie dann auch richtig aufdreht. Aber ansonsten macht sie es sich lieber gemütlich, sicher und zurückgezogen in ihren eigenen vier Wänden.

Als mir also bewusst wurde, dass sie nicht zu Hause ist und niemand aus meinem Umfeld weiß, wo sie sich aufhält, spielte ich völlig verrückt.

Und ehrlich gesagt tue ich das immer noch. Nur hat Elias mir eindringlich nahegelegt, erst einmal herunterzukommen. Sie wird vermutlich einfach zu viel um die Ohren haben und schon bald wieder auftauchen.

Wenn er sich da mal nicht täuscht.

Wer Elias ist? Unser allerbester schwuler Freund.

Wir lernten ihn bei Ikea kennen, als ich ein wenig Dekoration für mein Studentenzimmer kaufen wollte und Peyton mir Gesellschaft leistete. Ich war damals gerade erst hierhergezogen.

Jedenfalls fiel mir eine Geldmünze unter einen Schrank, und Peyton bestand darauf, sie wieder hervorzuholen.

Richtig lustig wurde es dann, als ich ihr helfen wollte, wir uns gemeinsam auf dem Boden zu kompletten Idioten machten, die an einer dämlichen Münze scheiterten, ein junger Mann uns schließlich zur Hilfe kam und wir am Ende zu dritt auf dem Boden lagen.

Wir freundeten uns sofort an und stellten fest, dass sich unser Humor auf eine beinahe perfekte Weise ergänzte.

Traurig, aber wahr - die Münze bekamen wir trotzdem nicht.

Zurück zum Wesentlichen. Um nicht doch auf eine meiner übereifrigen Ideen zu kommen und damit mein Versprechen gegenüber Elias zu brechen, fahre ich heute zu meinen Eltern, um mich bewusst abzulenken.

Aiming at LoveWo Geschichten leben. Entdecke jetzt