Nachdem wir vom Tisch aufgestanden sind, legt sich eine angenehme Schwere auf meinen Körper. Nicht nur dieses satte, träge Gefühl, das ein gutes Essen hinterlässt, sondern auch eine Art müde Zufriedenheit, die sich bis in meine Fingerspitzen zieht. Mein Bauch ist warm, mein Kopf ein wenig benebelt - vielleicht vom Essen, vielleicht vom Wein, vielleicht von allem, was heute passiert ist.
Wir hatten bereits im Restaurant gegessen. Eigentlich hätten wir keinen Hunger mehr haben dürfen. Doch das, was danach geschehen ist, hat uns mehr Energie gekostet, als mir lieb ist. Emotionen machen hungrig. Angst auch. Und Nähe manchmal am meisten.
Meine Mutter sammelt die letzten Teller ein, stellt sie klappernd aufeinander, während mein Vater sich entspannt in seinem Stuhl zurücklehnt. Er mustert uns mit diesem Blick, der mir nur allzu bekannt ist - einer Mischung aus Neugier, Amüsement und dem stillen Gefühl, etwas erkannt zu haben, das wir selbst noch nicht ganz greifen können.
„Geht ihr etwa hoch?" fragt er schließlich mit gespielter Unschuld.
„Ja", antworte ich, ohne groß nachzudenken. „Ich möchte ihm etwas zeigen."
Kaum sind die Worte ausgesprochen, verändert sich sein Gesichtsausdruck. Ein schiefes Lächeln zieht sich über seine Lippen, langsam, beinahe genüsslich. Eine Augenbraue hebt sich.
Ich blinzle.
Dann trifft es mich.
„Papa!" rufe ich entsetzt - zum zweiten Mal an diesem Tag. Hitze schießt mir ins Gesicht, so plötzlich, dass mir fast schwindlig wird. „Das ist nicht-!"
Er lacht leise, hebt beschwichtigend die Hände. „Schon gut, schon gut."
Meine Mutter schüttelt den Kopf und gibt ihm einen tadelnden Klaps auf den Arm. „Lass die beiden doch in Ruhe", sagt sie, eindeutig amüsiert.
Neben mir höre ich ein dunkles, tiefes Lachen. Ich drehe den Kopf zu Keanu. Er hat den Blick gesenkt, doch ich sehe das Schmunzeln, das er nicht ganz verbergen kann.
Ich stupse ihn in die Seite. „Findest du das etwa lustig?"
„Ein bisschen", murmelt er, ohne mich anzusehen.
Natürlich findet er das lustig.
Hope wuselt aufgeregt zwischen unseren Beinen hindurch, ihr Schwanz schlägt wild von einer Seite zur anderen. Sie scheint die lockere Stimmung zu spüren, dieses kurze Aufflackern von Normalität. Als wir zur Treppe gehen, hebt Keanu sie ohne Zögern auf den Arm, weil sie die Stufen noch nicht bewältigen kann. Ihre Pfoten ruhen zufrieden auf seinem Unterarm, und sie legt den Kopf an seine Brust.
Ein Bild, das sich unangenehm fest in meinem Herzen verankert.
Oben in meinem Zimmer schließe ich leise die Tür hinter uns. Sofort springt Hope auf mein Bett, dreht sich zweimal um die eigene Achse und lässt sich fallen, als wäre sie nach einem langen Tag endlich angekommen. Ich schnaube leise, doch mein Lächeln verblasst, als ich mich umdrehe.
Keanu steht am Fenster.
Seine Gestalt hebt sich dunkel gegen das matte Licht der Straßenlaternen ab. Die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, der Rücken leicht angespannt. Er bewegt sich nicht, als wäre er Teil der Nacht draußen geworden.
Ich trete langsam näher und folge seinem Blick.
Direkt gegenüber liegt das Haus seiner Eltern.
Es ist seltsam, wie leicht ich es erkenne. Das Fenster seines alten Kinderzimmers. Die Vorhänge sind nicht ganz zugezogen. Durch den schmalen Spalt fällt ein schwacher Lichtschein, gerade genug, um die Umrisse zu erkennen: ein Regal, ein Schreibtisch, der Schatten eines Posters an der Wand.
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Aiming at Love
RomanceIliana wusste, dass Keanu gefährlich ist. Nicht wegen dem, was er sagt - sondern wegen dem, was er verschweigt. Keanu lebt nach Regeln, die niemand kennt. Er ist verschlossen, kontrolliert und tödlich präzise. Gefühle sind in seiner Welt Schwächen. ...
