Der Abend ist warm, der Himmel klar, und die Stadt scheint lebendig. Meine Absätze klacken auf dem Gehweg, während ich Keanu folge. Mein Kleid - ein elegantes, weinrotes Stück, das schulterfrei ist - schmiegt sich an meinen Körper, und ich spüre seine Blicke auf mir.
Er trägt ein schwarzes Hemd, das ihm wie angegossen sitzt, die oberen Knöpfe lässig offen, was ihm diese unnahbare und zugleich verführerische Ausstrahlung gibt, die mich jedes Mal sprachlos macht.
Das Restaurant, in das er mich führt, ist beeindruckend - dunkel und geheimnisvoll. Kerzenlicht flackert auf den weinroten Tischdecken, und der Raum duftet nach Gewürzen und Holz. Die Tische sind mit glänzendem Besteck gedeckt, und ein leises Klavierstück hallt durch den Raum. Es fühlt sich an, als wäre dieser Ort für Treffen wie unseres gemacht: elegant und voller Geheimnisse.
Er bestand darauf, dass wir endlich ein richtiges Date haben. Damit wir endlich, nach all dem Auf und Ab, einen schönen gemeinsamen Abend miteinander verbringen können. Damit wir offen über das sprechen, was noch unausgesprochen ist.
Hope ist wiedermal bei Elias, der überaus fröhlich darüber ist, ein Onkel zu sein. Ich weiß, dass Hope im Moment viel hin und her geschickt wird, doch das wird nach heute nicht mehr oft vorkommen.
Wir werden zu einem kleinen Tisch in der Ecke geführt, abseits der anderen Gäste. Keanu zieht den Stuhl für mich hinaus und ich setze mich dankend hin. Dann lässt auch er sich nieder. Sein Blick gleitet über mich, langsam und aufmerksam, als wolle er jedes Detail meines Aussehens speichern.
„Du siehst unglaublich aus," sagt er schließlich, seine Stimme sanft, aber mit einem Unterton, der mich innerlich beben lässt.
„Danke, Keanu." antworte ich leise, meine Wangen werden warm. „Das tust du auch."
Seine Miene verändert sich, wird plötzlich härter. „Lia," sagt er ernst, seine Stimme tiefer. „Ich weiß, das ist viel verlangt, aber du darfst mich unter keinen Umständen bei meinem echten Namen nennen."
Seine Worte treffen mich unerwartet, und ich runzle die Stirn, doch bevor ich etwas sagen kann, fährt er fort: „Seine Leute sind hier. Überall verteilt. Und jetzt, wo Carlos weiß, dass jemand meine wahre Identität kennt..." Er hält inne und atmet tief ein. „Ich weiß nicht, was das anrichten wird."
Ein kalter Schauer läuft über meinen Rücken. ,,Wie ist es dazu gekommen...mit einer anderen Identität, meine ich?'' frage ich vorsichtig und leise.
,,Meine Mutter und ich gelten als verschwunden,'' er pausiert und senkt seinen Kopf ,,Da sie nichts mehr von der Außenwelt mitbekommt, kann sie nicht aufgefunden werden. Und ich... ich führe das Leben eines Menschen, der nicht wirklich existiert.''
Mein Blick wandert über sein Gesicht, auf der Suche nach einem Zeichen, dass das alles nur ein schlechter Scherz ist. Aber da ist nichts. Nur diese ernste, fast resignierte Miene. Mein Magen verkrampft sich. Wie kann jemand so etwas sagen, als wäre es nichts? Als wäre es normal, nicht zu existieren?
Ich will etwas sagen, irgendetwas, aber meine Kehle ist trocken. Plötzlich fühlt sich der Raum enger an, als würde die Schwere seiner Worte die Wände auf mich zukommen lassen.
Ich schlucke hart. „Kenzo..." Seine Augen treffen meine, und für einen Moment glaube ich, Schmerz darin zu sehen. Echten, tief verwurzelten Schmerz. Und das bricht mir mehr das Herz, als es sollte.
Ich dürfe ihn nie nach seinen echten Namen nennen. Ihn nie fühlen lassen, dass er noch sein eigener Mensch ist. Seine eigene Existenz.
„Wie heißt dein Stiefvater?" frage ich schließlich, meine Stimme ein Flüstern. Ich muss mehr über die Welt wissen, die ihn so fest im Griff hat.
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Aiming at Love
RomanceIliana wusste, dass Keanu gefährlich ist. Nicht wegen dem, was er sagt - sondern wegen dem, was er verschweigt. Keanu lebt nach Regeln, die niemand kennt. Er ist verschlossen, kontrolliert und tödlich präzise. Gefühle sind in seiner Welt Schwächen. ...
