41~Seine andere Seite

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Song zu diesem Kapitel
The Other Side - Ruelle

Die Tür ist noch nicht ganz offen, da verändert sich die Luft im Flur.

Keanu steht dort, reglos, überrascht, mit dem was er sieht. Sein Blick geht nicht zu mir. Er bleibt auf dem Mann vor ihm liegen, scharf und voller Wut.

„Du hast dich verlaufen", sagt Keanu ruhig.

Er ist komplett schwarz gekleidet.

Schwarze Jacke, schwarze Hose, dunkle Stiefel, nichts Auffälliges, nichts, das Fragen stellt, nichts, das Spuren trägt. Er sieht aus wie jemand, bei dem alles genau so gelaufen ist, wie geplant. Ruhig. Reibungslos. Erfolgreich.

Der Fremde dreht sich langsam um, hebt leicht die Augenbrauen und lächelt, als wäre das hier ein zufälliges Treffen unter Bekannten. „Ganz im Gegenteil. Ich habe gefunden, was ich gesucht habe."

Ich spüre, wie Hope sich an mein Bein drückt, ihr Körper angespannt, bereit zu bellen, aber unsicher. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals.

,,Das war ein Fehler." sagt Keanu leise. Seine Stimme ist kontrolliert, doch ich kenne ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, dass genau das gefährlich ist.

Der Mann zuckt mit den Schultern. „Ich würde es eher als... Besuch bezeichnen."

Keanus Blick verfinstert sich kaum merklich. „Besuche werden angekündigt."

„Nicht immer", entgegnet der Fremde ruhig. „Manche Dinge schaut man sich lieber an, wenn niemand vorbereitet ist."

Ich spüre, wie sich mir der Magen umdreht.

Und in diesem Moment sieht er es.

Meine geröteten Augen.
Die feuchten Wangen.
Den viel zu festen Griff um Hope.

Etwas in ihm kippt.

Nicht sichtbar.
Nicht explosiv.

Aber endgültig.

Sein Blick löst sich von mir und kehrt zu dem Mann zurück, der mitten in seinem Haus steht. Der Fremde wirkt einen Moment lang selbstsicher, doch irgendetwas an Keanus Haltung lässt ihn unruhig werden. Keanu sagt nichts, doch seine Präsenz verändert sich.

Keanus Kiefer spannt sich an. Seine Hand ballt sich langsam zur Faust, dann entspannt sie sich wieder. Er atmet einmal tief durch, als würde er etwas in sich zurückdrängen.

Keanu schließt die Tür hinter sich. Langsam. Absichtlich. Das Klicken des Schlosses hallt durch den Flur wie ein Schuss..

„Du hast sie zum Weinen gebracht", sagt Keanu leise.

Kein Vorwurf.
Keine Frage.

Eine Feststellung.

Der Mann zuckt kaum merklich mit den Schultern. „Sie ist emotional."

Keanu macht einen Schritt nach vorne. Seine Stimme bleibt ruhig, doch etwas darin ist nicht mehr menschlich. Sie ist flach. Funktional.

„Ich habe heute bereits jemanden umgebracht", sagt er kühl.

Der Satz fällt ohne Gewichtung, ohne Dramatisierung, als würde er erklären, dass es geregnet hat.

„Und ich habe absolut kein Problem damit, es wieder zu tun."

Der Fremde erstarrt.

Seine vorherige Gelassenheit bröckelt. Sein Atem wird flacher, seine Hände heben sich langsam, diesmal nicht demonstrativ, sondern instinktiv.

„Keanu", bringe ich hervor, meine Stimme bricht sofort. „Bitte nicht."

Er hört mich.

Aber er reagiert nicht.

Aiming at LoveWo Geschichten leben. Entdecke jetzt