Die erste Begegnung

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Dieser Morgen begann wie jeder andere auch. Kaum war ich in der Küche, schnauzte meine Mutter mich an. „Was brauchst du so lange? Denk daran, dass du heute nach der Schule noch einkaufen gehen musst." Als Antwort nickte ich bloß und ging zum Kühlschrank, um mir etwas zu essen für die Schule zu machen.

„Wenn du so weiterfrisst, wirst du noch fetter", kam es lachend von Michelle, meiner Schwester. Ohne etwas zu antworten, machte ich den Kühlschrank wieder zu und nahm mir nur einen Apfel und eine Flasche Wasser. „Bis später", verabschiedete ich mich leise und machte mich auf den Weg zur Schule. Ich musste mich stark zusammenreißen, um nicht zu weinen. Die Sticheleien von meiner Mutter und meiner Schwester machten mir schwer zu schaffen und ich wusste, dass es gleich in der Schule so weitergehen würde.

„Guckt mal, da kommt das Opfer", hörte ich meine Mitschüler rufen, als ich den Schulhof betrat. Ich schlang meine Arme enger um meinen Oberkörper und lief zügig zu unserem Klassenraum. Auf dem Weg dorthin wurde ich immer wieder gegen die Schließfächer geschubst und es wurden mir Beleidigungen hinterhergerufen. „Lange halte ich das nicht mehr aus", dachte ich mir traurig, als ich mich auf meinen Platz setzte und wartete, dass der Unterricht losging.

Der Schultag zog sich wie Kaugummi und war die Hölle auf Erden. Als es um 15 Uhr klingelte und wir Schluss hatten, ließ ich mir Zeit mit dem Einpacken meiner Sachen. Ich hatte die Hoffnung, dass die anderen dann schon weg sein würden und ich in Ruhe zum Park gehen konnte. Meine Hoffnung wurde zunichtegemacht, als ich das Schulgebäude verließ und Michelle mit ihrer Clique am Hoftor stehen sah. Meine Kapuze zog ich mir weiter ins Gesicht und richtete meinen Blick auf den Weg.

„Ey, Opfer, guck mal", rief ein Mädchen und im nächsten Moment hatte ich schon Wasser im Gesicht. Ich versuchte, an meinen Mitschülern vorbeizukommen, was aber nicht klappte, da sie sich als Kreis um mich herumgestellt hatten. Sie fingen an, mich hin und her zu schubsen, bis ich stolperte und hinfiel. Daraufhin fingen alle an zu lachen und gingen. Langsam stand ich auf und ging zum Park. Dieses Mal konnte ich die Tränen nicht zurückhalten. Bis ich am Park ankam, waren meine Augen gerötet und auf meinen Wangen trockneten bereits meine Tränen. Zielstrebig ging ich zu einer alten Eiche und setzte mich darunter, um mein Buch weiterzulesen.

Wie lange ich dort gesessen hatte, als ich den lauten Knall hörte, wusste ich nicht. Vorsichtig sah ich mich um und als ich nichts sah, stand ich auf. Irgendwoher musste der Knall ja gekommen sein. Bevor ich reagieren konnte, wurde ich an die Seite gezogen und festgehalten. Im nächsten Moment flog etwas dorthin, wo ich gerade noch gestanden hatte. Als ich merkte, dass sich eine Panikattacke breitmachte, schloss ich die Augen und konzentrierte mich auf meine Atmung.

„Kleine, ist alles okay bei dir?", fragte mich eine ruhige Männerstimme. Da ich nicht in der Lage war zu antworten, nickte ich. Die Arme, die mich festhielten, fühlten sich vertraut an und ich fühlte mich sofort sicher. Als der Mann mich losließ, nahm er mir die Sicherheit und die Panikattacke machte sich sofort wieder breit. „Clint, ist bei euch alles okay?", hörte ich eine Frau rufen, konnte aber nicht zuordnen, woher diese kam. „Ich weiß nicht", rief Clint zurück und drehte mich zu sich um, sodass wir uns ansahen. „Kleine, geht es dir wirklich gut?", fragte er mich wieder. Und wieder nickte ich bloß. Da ich meine Atmung aber nicht kontrollieren konnte und seinen Blick sah, wusste ich, dass er wusste, dass ich log. „Achtet beim nächsten Mal darauf, wo ihr den Schild hinschmeißt", hörte ich die Frauenstimme hinter mir. „Natürlich, das haben Bucky und ich ja nicht mit Absicht gemacht", hörte ich eine andere Männerstimme, die sich verteidigte. „Wir sollten die Kleine nach Hause bringen", sagte Clint. „Ich bin der Meinung, dass Steve das machen sollte. Immerhin war es sein Schild", sagte die Frau, die ich als Black Widow erkannte.

Der blonde Mann, der kein Geringerer war als Captain America, nickte und schaute mich erwartungsvoll an. Ohne etwas zu sagen, nahm ich mir meine Schultasche, welche der Captain mir abnahm. So gingen wir schweigend nebeneinander her. 

„Wie heißt du eigentlich?", fragte der Blonde mich nach einer Weile. „Lara." „Und wie alt bist du?" „16." „Warum sitzt du alleine im Park?" „Weil es niemanden gibt, der gerne Zeit mit mir verbringt", antwortete ich leise und holte meinen Schlüssel aus meiner Hosentasche, da wir bei mir angekommen waren. „Das kann ich mir gar nicht vorstellen", sagte der Captain und lächelte mich aufrichtig an. Schwach lächelte ich zurück, bedankte mich und schloss die Tür auf.

Kaum hatte ich die Tür geschlossen, kam meine Mutter in den Flur und erst da fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, einkaufen zu gehen. „Wo ist der Einkauf?", fragte sie mich wütend und ich musste schlucken, da ich wusste, was nun passieren würde. „Du undankbares kleines Miststück. Da bitte ich dich einmal um etwas und du vergisst es!", schrie sie mich an und ließ mich zusammenzucken. „Es tut mir leid", antwortete ich ängstlich und im nächsten Moment hatte ich die Hand meiner Mutter im Gesicht.

 Meine Augen und die Wange brannten um die Wette. „Mutter, bitte, ich gehe eben schnell einkaufen", sagte ich leise. „Brauchst du jetzt auch nicht mehr. Der einzige Ort, wo du jetzt noch hingehst, ist der Keller", schrie sie mich an und schloss die Kellertür auf. „Bitte nicht in den Keller", flehte ich. Das Nächste, was ich spürte, waren meine Rippen, die ich mir bei dem Sturz brach. Wimmernd lag ich auf dem Kellerboden und ließ meinen Tränen freien Lauf. „Jetzt hast du genug Zeit, um über dein Verhalten nachzudenken", war das Letzte, was ich hörte, bevor die Kellertür geschlossen wurde.

Langsam stand ich auf und ging zu der alten Matratze, die in einer Ecke lag. Wimmernd ließ ich mich auf diese nieder und weinte mich in den Schlaf. Wie lange ich inzwischen im Keller war, wusste ich nicht. Das Einzige, was ich wusste, war, dass ich Hunger hatte und meine Rippen immer noch wehtaten.

„Komm sofort hoch", wies meine Mutter mich an, als sich endlich die Tür öffnete. Schnell stand ich auf, was ich im nächsten Moment aber bereute, da sich alles anfing zu drehen und mir schwarz vor Augen wurde. Um etwas Halt zu finden, stützte ich mich an der Wand ab und tastete mich zur Treppe. „Wird's bald?", hörte ich die wütende Stimme meiner Mutter. Als es ihr nicht schnell genug ging, kam sie mir entgegen und zog mich hinter sich her. „Stell dich nicht so an", kommentierte sie gleichgültig mein Zischen, als sich meine Rippen wieder bemerkbar machten. Kaum war ich die Treppe hoch, wurde mir mein Rucksack schon in die Hand gedrückt.

„Guck nicht so dämlich", maulte meine Mutter mich an, als sie meinen verwirrten Blick sah. „Du ziehst aus. Du machst nur Ärger", fuhr sie grinsend fort. „Aber wo soll ich denn hin?", fragte ich verzweifelt. „Das ist mir scheißegal", lachte meine Mutter und ich wurde immer verzweifelter. Sie packte mich am Oberarm, öffnete die Tür und schubste mich nach draußen. Ich stolperte und fiel, doch bevor ich den Boden erreichte, fingen mich zwei starke Arme auf. Sofort machte sich das Gefühl von Sicherheit breit und ich schaute hoch in das Gesicht meines Retters.

Never Without youGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt