Out of the Dark

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Achtung Triggerwarnung! Gewalt, Folter, graphische Inhalte

"Oh mein Gott!", schrie Lana entsetzt.
Herr Mard wirkte als sei er bewusstlos, doch Izmir sah ihn blinzeln. Er musste wissen, dass sie da waren. "Hil...fe...", flüsterte er.
"OH MEIN GOTT, WAS PASSIERT HIER?!", kreischte Lana.
Razdan stieß zu ihnen. "Yo, chill mal deine Base, Lana!" Kurz sagte niemand etwas. Razdan starrte Herrn Mard an. Ihm war die Gesprächspause unangenehm. "Ähm...Herr Mard, haben Sie schon die Klassenarbeit korrigiert?"
"Boah Razdan, das ist doch jetzt total unpassend! Wir müssen ihn irgendwie runterschneiden!", blaffte Lana ihn an. "Seht ihr hier irgendwo eine Schere oder sowas in der Art?"
Doch außer einem wackeligen Tisch mit Schraubenziehern und Seilen darauf war nichts im Raum.
"Ich hab ein Messer!" Razdan zog ein Taschenmesser mit edlem Holzgriff aus seiner Bauchtasche. "Ist ein Familienerbstück."
"Und du meinst das ist scharf genug?"
"Na klar!"
Er warf die Sachen von der Tischplatte auf den Boden und zog den Tisch neben Herrn Mard. Lana hielt die wackelige Tischplatte fest, während er hinaufkletterte und begann, am Seil zu säbeln.
Izmir musterte Herrn Mard von oben bis unten. Seine Kleidung war zerfetzt und dreckig und die Haut von Schnittwunden und Blutergüssen übersäht. Seine linke Gesichtshälfte war geschwollen und von getrocknetem Blut verklebt. Die Hände waren hoch über seinem Kopf mit Handschellen gefesselt, die wiederum mit dem Seil an der Decke befestigt waren, sodass er sich nie setzten oder nur die Arme herunternehmen konnte.
Izmir hatte noch nie einen Mann so zugerichtet gesehen, nicht mal in den Filmen über ölverschmierte Ganoven, die sein Vater bevorzugt hatte, bis zu dem Tag an dem er versuchte einen neuen Anschluss an den Fernseher zu löten und dabei versehentlich die Technik gegrillt hatte.
"Wie konnten die Mitmenschen Ihnen so etwas antun?", fragte Izmir schockiert.
Herr Mard rührte sich. "Nein", murmelte er, "...nicht die Mitmenschen..."
"Ich bin gleich durch!", rief Razdan und durchtrennte die letzten Seilstränge. Kurz vor Ende riss das Seil durch und Herr Mard sackte zu Boden. Lana und Izmir versuchten, seinen Sturz abzufangen.
Lana entfernte hastig das Seil. "Ich kann die Handschellen nicht öffnen. Gibt es irgendwo einen Schlüssel? Herr Mard? Gibt es einen Schlüssel für die Handschellen?"
Herr Mard schüttelte den Kopf.
"Oke. Wir müssen ihn erstmal hier wegschaffen. Wer auch immer ihn hier gefangen hält, kommt bestimmt bald zurück!"
Izmir und Razdan stimmten ihr zu.
"Können Sie aufstehen?", fragte Lana. Sie versuchten Herrn Mard zum Aufstehen zu bewegen, allerdings ohne Erfolg. "Izmir, gib ihm was von deinem Wasser!"
"Oh ja!" Izmir wühlte eifrig seine Wasserflasche hervor. "Es ist leider kein Vio.", entschuldigte er sich bei Herrn Mard.
Lana schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. "Von Idioten umzingelt!" Sie hielt Herrn Mard fest, damit er nicht zur Seite wegkippte. Izmir setzte die Flasche an seine aufgesprungenen Lippen und Herr Mard trank Schluck für Schluck die ganze Flasche leer.
"Wir haben im Bus noch mehr Wasser.", versprach Lana.
Izmir und Razdan stützten Herrn Mard von beiden Seiten und er kam schwankend auf die Füße. Sie gingen langsam aus dem düsteren Horrorkeller und mühten sich die Treppe hinauf.
"Bringt Herr Mard schonmal zum Bus, ich gehe Frau Schlotterbeck suchen!", rief Lana und rannte davon.
Einige Meter vor dem Bus kam Fred ihnen schon gestikulierend entgegen gerannt. Seine Entspanntheit vom Morgen war abgeklungen. "Nein, nein, nein! Das geht jetzt aber wirklich nicht! Ihr könnt ihn nicht in den Bus bringen, der macht mir doch die Sitzbezüge dreckig!"
"Yo, der Bus ist aber nicht so crispy clean!", meinte Razdan unbeeindruckt.
"Ja, aber es ist mein Dreck! Mein ganz eigener, versteht ihr?"
Razdan schob seine Hände weg und zog die Schiebetür auf. Chief kam bellend herausgestürmt. "Master Chief, bleib hier!"
Sie wuchteten Herrn Mard auf den Sitz hinter der Tür.
Lana kam mit Frau Schlotterbeck von hinter dem Gebäude angerannt. "Lasst uns abhauen bevor sie uns finden!"
Izmir half ihr in den Bus und Frau Schlotterbeck kletterte hinterher. Lanas Augen waren voller Angst. "Die Mitmenschen! Es gibt sie wirklich!"

Der Bus holperte scheppernd einen Waldweg entlang. Fred hatte seine Sorge um die Sitzbezüge überwunden und sang laut zu dröhnender Bassmusik. Wenn Izmir schon das Gefühl hatte, von dem Gehoppere und dem Bass blöde zu werden, wie mochte es dann erst Herrn Mard gehen?
Er hatte Frau Schlotterbeck angelächelt, als sie eingestiegen war, doch nun taumelte er halb bewusstlos in seinem Sitz herum. Lana kniete vor ihm und versuchte mit einem Draht die Handschellen aufzusperren, so wie sie es bei seiner Haustür gekonnt hatte. Dieser Vergleich brachte Izmir zum Kichern.
Lana drehte sich genervt zu ihnen um. "Leute, Herr Mard muss dringend in ein Krankenhaus! Aber klar, fahren wir erstmal in den Wald!"
Sie zog vorsichtig an einer Handschelle, um besser mit dem Draht ranzukommen. Herr Mard zuckte zurück. "Entschuldigung!"
Jetzt wo seine Hände nicht mehr aufgehangen und wieder durchblutet wurden, waren die Wunden an seinen Handgelenken angeschwollen und die Handschellen schnitten schmerzhaft in sein Fleisch. Razdan lehnte sich über seinen Sitz und schaute zu.
Nach ein paar Versuchen schnappte die erste Handschelle auf. Erfreut entfernte Lana auch die zweite. Razdan griff interessiert danach.
"Hat jemand von euch Spackos Desinfektionsmittel?"
"Nee, sorry.", sagte Razdan.
Izmir und Frau Schlotterbeck schüttelten die Köpfe.
"Ich habe Wodka im Kofferraum!", schrie Fred durch den Lärm.
"Bitte was?!"
"Wodka! Der Alkohl desinfiziert!"
"Es ist besser als nichts.", sagte Frau Schlotterbeck, der auch nichts anderes einfiel.
Razdan tauchte in den Kofferraum und kam mit einer Wodkaflasche zurück.
"Das tut mir so leid!", entschuldigte Lana sich im voraus. Sie kippte etwas Wodka über die Wunden und verband Herr Mards Handgelenke so gut es ging. Das Ergebnis brannte wie erwartet.
"Mach jetzt bitte die Musik leiser, das ist ja nicht zum aushalten!"
Fred drehte die Musik leiser und streckte die Hand nach der Wodkaflasche aus. "Lass mal rüberwachsen!"
Gedankenverloren reichte Lana ihm die Flasche. Fred nahm einen großen Schluck. "Ah, das ist wie pures Benzin!"
Frau Schlotterbeck riss ihm die Flasche aus der Hand und schmiss sie aus dem Fenster.
"He!" Fred machte eine Vollbremsung und Izmir landete auf der vorderen Sitzreihe. Verärgert sprang Fred aus dem Bus.
"Was macht er?", fragte Izmir.
"Er holt seinen Wodka."
Fred kam mit der Wodkaflasche zurückgestapft und zeigte mit dem Finger auf Frau Schlotterbeck. "Sie...Sie freche Frau, Sie!"
Izmir stellte fest, dass sein Vater nicht der einzige war, der nicht beleidigen konnte.

Die Ankunft der MitmenschenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt