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Nova
„Stop Lui!" rief ich gerade noch rechtzeitig, bevor Lui die Schüssel Mehl in unseren Teig schütten konnte. Er hielt in der Bewegung inne und sah mich erschrocken an. „Du sollst es doch sieben. Sonst..."
„Haben wir Klumpen im Teig!" trällerten Ajax, Brix und Gibby gleichzeitig und ich musste lachen. Jasper reichte Lui das große Sieb und ich sah zu wie er das Mehl wie feines Puder in den Teig streute. Auf meiner anderen Seite standen Leo und Nathan und schnitten die Erdbeeren für unseren Erdbeerkuchen zurecht. Ich hatte ihnen mehrere Rezepte vorgeschlagen und nachdem sie sich nicht wirklich einige wurden, haben wir uns einfach für mehr als eines entscheiden. So kommt es, dass ich versuchte 9 Basketballspielern beizubringen Pancakes und gleichzeitig einen Erdbeerkuchen zu backen. Die Küche sah dementsprechend auch schon aus... überall waren Teig Flecken, Mehl und Backutensilien. Ein Glück war die Küche so groß und wir hatten trotzdem noch genug Platz.
„Ist der fertig?" Gibby hielt mir die heiße Pfanne vor die Nase, in der ein perfekter goldener Pancake lag.
„Ja!" sagte ich und er lächelte stolz.
„Hier ist der Teller." Romeo reichte einen bereits mit Pancakes überfüllten Teller über die Kücheninsel. Neben mir waren er und Bayda wohl die einzigen die in diesem Raum die regelmäßig selbst kochten, weshalb sie auch nur daneben standen und sich über uns andere lustig machten.
„Hi?" rief plötzlich eine neue Stimme irgendwo weiter weg. Ich sah hoch und traf auf Ginos grinsendes Gesicht. Er schlenderte durchs Wohnzimmer zu uns durch und stellte zwei Rucksäcke auf dem Weg an der Treppe ab. Macy rannte an ihm vorbei und sprang kichernd in Ajax Arme.
„Na Little Martinelli wie war euer kleiner Ausflug?" hörte ich ihn neben mir fragen und Macy plapperte los. Während sie Ajax, Jasper und Gibby ausführlich von ihrem Ausflug erzählte, begrüßten die anderen Gino.
„Wolltest du nicht erst heute Nachmittag kommen?" fragte Brix ihn.
„Wollte ich..." antwortete Gino und klaute sich eine Erdbeere von Nathans Brett.
„Aber?" Brix sah ihn prüfend an und Ginos Blick wurde bitter.
„Meine Mutter hat mich höflich gebeten, doch erst nach dem offiziellen Frühstück mit Macy runter zukommen, da sie ja noch einige Fotografen da haben. Statt Familienfrühstück im Harmony, gab es für uns beide dann eben Frühstück beim Bäcker an der Raststätte."
„Isabelle... du verknackst es immer wieder." murmelte Nathan neben mir.
„Und was macht ihr hier? Meine Küche ist..."
„Dreckig?" fragte Kenji grinsend.
„Nova bringt uns bei wirklich gute Pancakes und Erdbeerkuchen zu machen." erklärte Leo stolz und ich musste lächeln.
„Darf ich auch Erdbeerkuchen?" fragte Macy, die neben mir auf Ajax Schultern herum turnte.
„Wir sollten uns vielleicht erstmal umziehen und unsere Rucksäcke hoch bringen. Vielleicht haben wir Glück und der Kuchen ist dann fertig." Gino nickte Richtung Treppe und Ajax setzte die kleine wieder auf den Boden. Ich gri nach einer Erdbeere aus der Schale und reichte sie ihr mit einem Augenzwinkern.
„Danke Nova." piepste sie und hüpfte vor Gino die Treppe hinauf.
„Irgendjemand kann den Kuchen wirklich schonmal aus dem Kühlschrank nehmen. Die Creme sollte langsam hart sein und jetzt müssen nur noch die Erdbeeren oben drauf." gab ich als Anweisung und Kenji machte sich zusammen mit Leo und Nathan gleich daran den Kuchen zu erziehen, während Lui und Jasper die restlichen Pancakes auf den Teller stapelten. Ajax, Gibby und Brix deckten den Tisch. Genau in dem Moment wo Lui den Teller mit dem Stapel Pancakes auf den Tisch stellte, kamen Gino und Macy wieder runter und setzten sich zu uns. Gino nahm neben mir Platz, während Macy gegenüber von uns zwischen Gibby und Ajax saß. Ginos Haarspitzen, die unter seiner Cap hervor spitzen waren noch feucht vom Duschen und der herbe Geruch nach Männerduschgel vermischte sich mit dem süßen Duft nach Zimt und Zucker, Vanillesoße, Schokosoße und Sirup. Die Jungs hatten alles zusammen gesucht, was die Küche hergab um es zu Pancakes zu essen. Dass sie sich den Kuchen trotzdem noch als süßen Nachtisch vorbehalten wollten, war mir ein Rätsel, da ihr Hauptgang genauso süß war.
Es machte wirklich Spaß mit dieser Gruppe an einem Tisch zu sitzen... sie redeten ununterbrochen, nahmen kein Blatt vor den Mund und verstanden sich trotz ihrer sehr eigenen Charaktere alle mit einander. Und dass Bayda und ich dabei waren, schien niemanden zu stören, stattdessen fragten sie uns über unser Studium aus, wo wir aufgewachsen sind und was wir noch in den nächsten Jahren planen. Genauso wenig fiel es auf, das die kleine Dreijährige Macy dabei saß, die sich mit jedem Unterhielt, Witze machte und die Stimmung aufheiterte, als würde sie sein wie alle anderen.
Nachdem essen und aufräumen verteilte sich das Treiben etwas, während einige sich auf dem Sofa ausruhten, gingen Lui, Ajax und Brix hinten im Garten ein paar Körbe werfen, wie sie es nannten. Ich trat auch nach draußen auf die Veranda, nachdem ich drin noch eine merkwürdige Diskussion mit Jasper über unsere Uni und ihre Werte geführt habe. Es hat sich heraus gestellt, dass wir die gleiche Meinung haben und nur gegenseitig missverstanden haben.
Draußen auf der Veranda nahm ich einen tiefen Atemzug der frischen Luft und sah mir zum hundertsten mal an diesem Tag die besondere Aussicht über die Berge an.
„Schön nicht?" raunte Gino von der Seite. Er saß auf der Großen mit Kissen übersäten Hängeschaukel und stieß die Schaukel mit seinem Fuß langsam vor und zurück. Macy lag in seinem Arm und schien zu schlafen.
„Ja. Sehr schön." so schön, dass ich es bisher nicht geschafft habe die Rockys für eine längere Zeit zu verlassen. „Nicht jeder Student kann sich so eine schone Aussicht leisten, ohne irgendwelche Gebäude im nähren Sichtfeld." scherzte ich und er verzog grinsend das Gesicht.
„Du kannst hier ruhig mit einziehen, wenn du kein Problem hast in der Besenkammer zu schlafen, morgens von dem Gekreische einer dreijährigen geweckt zu werden oder dem verfressenen Kater, der glaube ich mehr ist als sein Besitzer."
„Jetzt gerade sehe ich weder den Kater noch höre ich jemanden Kreischen."
„Sie ist gestern zu spät ins Bett gekommen und heute Morgen habe ich sie zu früh aus dem Bett gescheucht. Und auf dem Rückweg hat sie mir die erste Stunde lang die Ohren voll gejault, weil sie sich nicht bei Onkel Sandro und ihren Großeltern verabschiedet hat. Das macht müde."
„Konnte sie sich nicht verabschieden weil ihr so spontan abgereist seit?" ich versuchte eine einigermaßen entspannte Position am Geländer zu finden. Gino beobachtete mich dabei und nickte neben sich auf den freien Platz auf der Schaukel. Erst als ich neben ihm Platz genommen habe und die Beine zu mir ran gezogen habe, um seinem vor und zurück schaukeln nicht in die Quere zukommen, sprach er weiter.
„Theoretisch hätten wir es zeitlich geschafft uns zu verabschieden. Nur... wenn meine Mutter nicht möchte, dass es komplett öffentlich wird, dass ich... eine Tochter habe... sehe ich es auch nicht ein mich irgendwie hinter einer geschlossenen Tür von ihr zu verabschieden, um dann durch den Seiteneingang runter in die Tiefgarage zukommen und von dort aus ungesehen verschwinden zu können."
„Was heißt es ist nicht öffentlich? Du warst doch schließlich gestern mit Macy zusammen bei der Feier."
„Ja..." er verdrehte genervt die Augen. Jedoch nicht genervt von mir sondern eher von den Gedanken in seinem Kopf. „Es ist okay, wenn vereinzelt Leute von Macy wissen und es ist auch okay, dass ich mit ihr gestern den ganzen Abend zusammen rum gelaufen bin und sobald sie müde wurde gegangen bin. Wobei meine Mutter selbst da schon mehrfach versucht hat mir ein Kindermädchen auszuquatschen, die Macy einfach den ganzen Abend in einem anderen Zimmer beschäftigt, während ich nett Hände schütten. Es ist aber nicht okay, wenn es Artikel wie Rebellen Sohn mit Tochter zu Eröffnungsfeier gekommen gibt. Für die Fotos muss Macy eben kurz verschwinden." er lächelte seine Tochter an, die immer noch friedlich in seinem Arm schlief.
„Rebellen Sohn?"
„Rebellen Sohn, Schwarzes Schaf, nur der Halb Bruder, beziehungsweise der uneheliche Sohn..." zählte er schulterzuckend Bezeichnungen für sich selbst auf. „Wenn du als einziger der Familie die lang erhaltene Tradition brichst und nicht mit in die Hotelbranche eintrittst, bedeutet es automatisch dass du rebellierst. Wenn du dann auch noch Kunst und Sport studierst und Vater wirst... da kann man dir nicht mehr helfen."
„Ich rebelliere WEIL ich das Geschäft meines Vaters weiter führen möchte."
Wortlos hielt er mir seine Faust hin und ich drückte meine schmunzelt dagegen.
„Ich bin einfach nur froh dass ich die Feste und Feiern für die nächsten Wochen erstmal abgehakt habe und nicht mehr irgendwo hin muss zum Händeschütteln."
„Aber so eine Eröffnungsfeier von so einem großen Hotel ist doch bestimmt mehr als nur Händeschütteln."
„Ja aber nichts davon interessiert mich. Für meine Mutter, meinen Stiefvater und Sandro ist das immer etwas besonderes und sie freuen sich darauf, den ganzen Abend mit irgendwelchen Bekannten zu reden... weißt du was mich an so einer Hoteleröffnung am meisten interessiert? Wie gemütlich das Bett ist und was ich am nächsten morgen zum frühstücken bekomme."
Ich musste über seine ehrlichen Worte lachen.
„Lach nicht." beschwerte er sich, obwohl ich das angedeutete Grinsen sehen konnte. „Ich gehe freiwillig zur selben Zeit wie Macy ins Bett, nur damit ich nicht mehr unten bei den Gästen sein muss. Ich könnte sie einfach ins Bett bringen und wieder runter gehen. Entweder lass ich die Kamera laufen, die mich informiert falls sie aufwacht oder ich setze eins von den Kindermädchen ins Zimmer... aber die Vorstellung noch weitere Stunden mit diesen Anzugträgern zu reden ist deutlich schlimmer, als mit einer dreijährigen ein Bibi Blocksberg Hörspiel zu hören."
„Lui?" brüllte Jasper plötzlich so lauf neben mir, das ich vor Schreck fast von der Schaukel sprang. Macy schreckte ebenfalls hoch und sah sich völlig orientierungslos in der Umgebung um.
„Jas!" brummte Gino und legte den Kopf in den Nacken. „Wie oft habe ich dir gesagt du sollst erstmal sehen ob du wen erschreckst, wenn du so los brüllst?"
„Ja?" schrie in diesem Moment Lui aus dem hinteren Teil des Gartens zurück.
„Sorry Little Martinelli." entschuldigte er sich grinsend bei Macy, die ihn wütend an sah. „Wollen wir nach Hause?" brüllte er plötzlich wieder und ich Schreckte erneut zusammen.
„Ja!" schrie Lui und rannte durch den Garten zu uns. Jasper und Lui verabschiedeten sich von uns und gingen ins Haus, um sich ihre Sachen zu schnappen und zu ihrer Wohnung zu fahren.
„Können wir einen Film gucken?" fragte Macy und setzte sich auf Ginos Schoß aufrechter hin. Gino drehte sich um und sah durch die großen Glasfronten ins innere des Hauses.
„Nein. Die Jungs spielen da gerade etwas. Vielleicht schauen wir heute Abend noch etwas Okay?"
„Dann zeig ich Nova mein Baumhaus." entschloss sie und sprang von Gino herunter.
„Vielleicht solltest du Nova erstmal fragen ob sie überhaupt mit will." schlug er vor und Macy schien abzuwägen ob es wichtig war oder ob ich auch einfach so hinter ihr her laufen würde.
„Darf ich dir mein Baumhaus mal zeigen?"
„Das darfst du sehr gerne." ich griff nach der kleinen Hand, die Macy nach mir ausgestreckt hatte und lief mit ihr über den Rasen rüber zum Baumhaus. Die Treppe hatte ein Geländer und die Stufen waren so winzig, dass Macy Problemlos hinauf laufen konnte. Oben angekommen gab sie mir eine Führung durch das kleine Haus, zeigte mir die Kochecke mit dem kleinen Waschbecken, Töpfen und Schüsseln. Den Tisch mit den vier Hockern und die Rutsche, vor der bisher aber noch ein Gitter angebracht war, wahrscheinlich damit sie nicht unbewacht runter rutschen würde. Als ich mich wieder vor die Tür des Bauhauses stellte um von hier oben die Aussicht zu genießen, traf ich auf Ginos aufmerksame Augen. Wir hatten zwar einiges an Abstand zwischen uns, aber trotzdem spürte ich, dass sein Blick völlig auf mich konzentriert war. Er war mittlerweile aufgestanden, lehnte mit den Unterarmen auf dem Geländer der Veranda. Selbst von dort drüben strahlte diese ganz besondere Art von ihm auf mich über. Ich konnte es gar nicht richtig beschreiben was es genau war. Ruhe? Oder doch völlige Unruhe? Auf den ersten Blick wirkte er immer ziemlich gelassen und zufrieden, doch wenn man genauer hin sah, bemerkte man seine unruhigen Hände, die immer an einem Reißverschluss, dem Deckel einer Flasche oder dem bunten Perlenarmband an seinem Arm herumspielten. Ich bemerkte diese Momente, in denen es so schien, als wäre er mit den Gedanken irgendwo anders. Aber dann waren da auch diese Momente... in denen er mich ansah und ich das Gefühl hatte, er könnte mein ganzes Inneres zum Vorschein bringen. Irgendwas machte diese spezielle Art mit mir und ich wusste nicht ob es mir gefiel.

Das zufallen mehrerer Türen holte mich Stück für Stück aus dem Schlaf. Als letztendlich auch meine Zimmertür auf und wieder zufiel gab ich es auf und öffnete meine Augen. Die Sonne schien bereits durch das Fenster hinein, im Flur hörte ich einige Stimmen und vor mir stand Torry und rubbelte mit einem Handtuch ihre lila Haare trocken. Ich wischte mir über meine verschlafenden Augen und griff nach meinem Handy. 10:15 Uhr
„Mutierst du etwas zum Langschläfer?" Torry grinste mich kopfüber an.
„Ich bin spät ins Bett..." murmelte ich und richtete mich mit einem Stöhnen auf.
„Ich weiß. Was ich jedoch nicht weiß, ist wo du die halbe Nacht warst?"
Halbe Nacht war vielleicht etwas übertrieben... ich bin gegen 2 Uhr nachts mit Romeo nachhause gekommen, nachdem er mir angeboten hat mich von Gino mit zu nehmen. „Ich habe mit dem Basketballteam gekocht. Romeo, Ajax...Gino..."
„Ich weiß wer im Basketballteam ist." sie sah mich nachdenklich an. „Bist du jetzt mit denen befreundet? Oder... Oh mein Gott! Hast du etwas mit einem der Spieler?" ihr Mund klappte auf. „Du kannst mir dann super viele Informationen für meinen Blog geben. Das wird klasse! Wer ist es? Brix und Leo haben eine Freundin... die anderen haben gesagt sie sind Single. Nein warte!" sie hielt mir die Hand vor den Mund. „Lass mich raten... Ajax ist es nicht... viel zu aufgedreht... du bist aber auch nicht der Typ für diese Sunny, Surfer Boys wie Jasper Duncan, Lui Hawkins oder Fabrizio Romeo hier vom Flur, mit dem du ständig ab hängst. Dann ist es klar... Martinelli! Adams ist zu grummelig unterwegs und Kenji... glaube ich nicht dein Typ. Habe ich recht mit Martinelli? Giuliano Martinelli?" sie grinste mich an, als hätte sie gerade ein riesiges Mathematisches Problem gelöst.
„Ich habe nichts mit Gino... Und erst recht nicht mit einem der anderen. Ich bin einfach nur..." ich musste grinsen, weil sie mich angrinste. „Jetzt schau mich nicht so an Torry!"
„Uh! Nova ist verknallt! Ich habe die Klebezettel auf meinem Schreibtisch liegen, falls du demnächst einen raushängen musst, um das Zimmer mal für dich und... deinen Liebhaber zu haben." sie wackelte mit ihren Augenbrauen und ich schleuderte mein Kissen nach ihr.

That goddamn smile Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt