Mit schnellen Schritten versuche ich einfach wegzukommen. Meine Wange brennt, meine Sicht ist durch meine Tränen vollkommen verschwommen und mittlerweile weiß ich auch nicht mehr wirklich wo ich bin. In diesem Hotel sieht irgendwie alles gleich aus. Orientierungslos laufe ich durch die vielen Gänge und versuche meinen Puls wieder ein wenig zu beruhigen. Gerade wollte ich einfach alleine sein. Niemand anderen sehen und mit niemandem sprechen. Wie konnte sie sowas nur tun? Sie war doch meine Mutter? Sie liebt mich doch, oder etwas nicht? Und mein Vater, der stand natürlich wieder nur teilnahmslos daneben. Kein Wort hat er gesagt, auch nachdem ich ihm direkt in die Augen gesehen habe. Laura habe ich mich gar nicht erst getraut anzusehen. Wahrscheinlich war sie selber viel zu geschockt, um in dem Moment zu reagieren. Sie hatte damit genauso wenig gerechnet wie ich. Wenn nicht sogar noch weniger. Mein Wunsch, einfach alleine zu sein, scheint wohl nicht gehört zu werden, denn in dem Moment wird plötzlich eine Tür aufgerissen und vor mir steht Klara Bühl. Erschrocken, schauen wir uns einfach an und wissen nicht, was wir sagen sollen. Eigentlich will ich schon ansetzen und einfach weitergehen, da umgreift sie mein Handgelenk. „Was ist passiert?", fragt sie mich mit ruhiger Stimme und ich sehe sofort ihren Blick zu meiner Wange huschen.
Ich versuche ihr zu antworten, aber ich bekomme kaum ein Wort heraus. Tränen laufen mir erneut über die Wange und ich weiß nicht wirklich, wie ich mit der Situation gerade umgehen soll. „Magst du dich vielleicht kurz hinsetzten? Du bist ja vollkommen durcheinander", fragt sie mich schließlich und ich bringe nur ein Nicken zustande, was sie dazu veranlasst, mich in ihr Zimmer zu ziehen. Zu meiner Überraschung war sie jedoch nicht alleine. Sydney sitzt auf einem der Betten und schaut von ihrem Handy hoch. Sie sieht für einen Moment verwirrt und dann geschockt aus, wenn sie mich für einen Moment gemustert hat. Klara drückt mich auf eins der Betten und greift nach ihrer Wasserflasche, die auf dem Nachtschrank steht. „Danke", flüstere ich und nehme schließlich ein paar Schlucke aus der Flasche. Klara und Sydney schweigen, aber ich merke deutlich, dass ihre Blicke noch immer auf mir liegen. Es war dann doch ein wenig komisch, hatte ich mit den beiden noch nicht sonderlich viel zu tun gehabt, außer auf dem Fußballplatz. Sie sind gute Freunde von Laura und da es zwischen Laura und mir zum Großteil noch sehr angespannt war, hatten wir noch keine Möglichkeit wirklich miteinander zu sprechen.
„Geht es wieder?", unterbricht Sydney die Stille und setzt sich mit ein wenig Abstand neben mich. Ich atme nochmal tief durch und nicke schließlich. Die Situation mit den beiden hat mich ganz gut von meinem eigentlichen Problem abgelenkt. Das macht sich durch ein leichtes Brennen an meiner Wange wieder bemerkbar. „Du musst nicht darüber reden, wenn du nicht möchtest", setzt auch Klara schließlich an und nimmt die Wasserflasche wieder entgegen. „Manchmal kann es aber ganz gut tun, mal mit jemandem zu reden, der einen nicht so gut kennt", beendet sie ihren Satz und lässt sich auf den Platz nieder, den Sydney eben verlassen hat. „Meine Mutter und ich", beginne ich, doch meine Stimme bricht ein wenig weg. Die Münchnerinnen machen jedoch keine Anstalten etwas zu sagen, sondern warten einfach nur darauf, dass ich weiterspreche. „Wir hatten eine kleine Auseinandersetzung", erkläre ich ihnen die Kurzfassung, traue mich jedoch nicht, ihnen in die Augen zu schauen. „War sie das an deiner Wange?", fragt daraufhin Klara und ich nicke einfach nur kurz. Anstatt mich weiter auszufragen, wie ich es erwartet habe, legt Sydney einfach einen Arm um mich, sodass ich meinen Kopf auf ihre Schulter legen kann. „Versuch dich einfach noch ein wenig zu beruhigen und dann können wir dich gerne auf dein Zimmer bringen." Dankbar nicke ich einfach und kuschle mich ein wenig in die Arme der anderen. Genau das ist es, was ich gerade brauche. Nicht mit jemandem reden, das werde ich später noch genug machen, sondern einfach nur nicht das Gefühl haben alleine zu sein. Ich fühle mich in den Armen der Älteren auch überhaupt nicht unwohl, auch wenn wir uns noch nicht so gut kennen. Ich weiß nicht, was dieses Team mit mir macht, aber ich will mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wieder gehen zu müssen.
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2018 // laura freigang
FanfictionEs kommt eine Zeit in deinem Leben, in der du dich entscheiden musst, ob du die Seite umblättern, ein neues Buch schreiben oder es einfach schließen willst. Maeve sind eigene Entscheidungen immer sehr schwer gefallen. Sie hat immer jemanden anderen...
