Die Luft im Raum ist schwer, als würde alles noch nachhallen.
Meine Vergangenheit. Seine Stille. Die unausgesprochenen Dinge zwischen uns.
Er steht immer noch da, unbeweglich wie ein Schatten aus Fleisch und Blut.
Die Öllampe wirft flackerndes Licht über sein Gesicht – über die scharfen Konturen, den ernsten Blick, den Ausdruck von jemandem, der viel gesehen hat.
Zu viel. Ich habe ihm alles gesagt. Alles, was ich weiß. Über den Alpha. Über seinen Sohn. Über das Rudel. Und über das, was sie mit uns gemacht haben. Alles was ich von meinen Eltern mitbekommen habe.
Er sagt lange nichts. Dann dreht er sich zur Tür. Sein Schritt ist ruhig. Kontrolliert. Fast lautlos. Er will gehen. Ein Teil von mir weiß: Ich sollte ihn lassen. Doch bevor ich darüber nachdenken kann, höre ich meine Stimme.
„Warte."
Er bleibt stehen. Dreht sich aber nicht um.
Ich nehme all meinen Mut zusammen.
„Ich weiß nicht mal, wie du heißt."
Ein leises Flackern geht durch die Flamme der Lampe, als hätte der Raum selbst den Atem angehalten.
„Alle nennen dich Schattenwolf oder schwarzer Wolf", füge ich nach einem Moment hinzu.
Meine Stimme ist leise, aber klar.
„Aber... darf ich wissen, wie dein richtiger Name ist?"
Er regt sich nicht sofort.
Die Stille dehnt sich. Schwer. Und doch nicht feindlich.
Dann – kaum merklich – bewegt er sich.
Sein Kopf dreht sich leicht zur Seite, gerade so weit, dass ich sein Profil erkennen kann. Der Schatten seiner Wangenknochen, die Härte in seinem Kiefer.
„Ich hatte nie einen Namen."
Die Worte sind leise. Fast tonlos.
Aber sie treffen mich mit einer Wucht, die ich nicht erwartet habe.
Nie einen Namen.
Er wendet sich nicht weiter um. Bleibt stehen wie ein dunkler Stein inmitten von all dem, was unausgesprochen zwischen uns steht. Und plötzlich verstehe ich:
Er meint es nicht metaphorisch. Er meint es wörtlich. Er war nie jemand. Nur etwas. Etwas, das benutzt wurde. Geformt. Gequält. Etwas, das keinen Namen verdient hat – in den Augen derer, die ihn geschaffen haben. Ich spüre, wie sich mein Brustkorb eng zusammenzieht. Wie der Wunsch, etwas zu sagen, in mir aufsteigt – etwas Richtiges.
Ich stehe da und sehe ihn an.
Seinen Rücken. Die Härte in seiner Haltung. Die angespannte Stille, die ihn umgibt wie eine zweite Haut.
Und doch... etwas daran wirkt verletzlich. Einsam.
Nicht leer – sondern verlassen.
Ich hatte nie einen Namen.
Diese Worte hallen in mir nach, lange nachdem sie verklungen sind.
Ich weiß nicht, was mich bewegt. Vielleicht die Stille. Vielleicht alles, was er nicht sagt.
Vielleicht, dass ich ihn besser verstehe, als mir lieb ist.
Ich gehe einen Schritt. Dann noch einen.
Er rührt sich nicht. Warnt mich nicht. Weicht nicht zurück.
Er steht einfach nur da – groß, still, dunkel wie die Nacht.
Ich bleibe dicht hinter ihm stehen.
So nah, dass ich seinen Atem höre. Spüre.
So nah, dass mich mein eigener Mut fast erschreckt.
Dann strecken sich meine Finger aus.
Langsam. Zögernd.
Und ich berühre ihn.
Nur ganz leicht.
Meine Fingerspitzen streifen seinen Arm. Warmes, festes Fleisch unter dünnem Stoff. Und darunter eine Spannung – wie ein Raubtier kurz vor dem Sprung. Doch er bewegt sich nicht. Nicht von mir weg.
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The Alpha
Lupi mannariBösewichte werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Er war ein Junge, bevor er zum Monster wurde - geformt aus Schmerz, Verrat und Blut. Pia wollte nur ihre Schwester retten. Doch nun steht sie allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Ein Rudel ze...
