Der Wald war still. Nur das leise Rascheln der Blätter begleitete unsere Schritte – oder besser gesagt: seine. Keal schritt zügig voran, ohne sich umzusehen, während ich mich abmühte, ihm zu folgen. Für jeden seiner Schritte brauchte ich mindestens zwei, manchmal drei. Mein Atem ging schneller, nicht nur wegen der Anstrengung, sondern auch, weil mich seine wortkarge Art in den Wahnsinn trieb.
Er hatte sich wieder verschlossen, wie so oft. Nur ein Satz war ihm entglitten, seit wir aufgebrochen waren: „Wir müssen Nayla finden." Mehr nicht. Keine Erklärung, kein Plan, kein einziges Wort über das, was als Nächstes auf uns zukam. Ich hätte ihn schütteln können. Diese Stille, dieses ewige Schweigen von ihm – es war zum Haareraufen.
Ich sagte nichts, obwohl meine Beine längst brannten. Ich wollte mir nicht die Blöße geben, erneut schwach zu wirken. Aber irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, blieb Keal abrupt stehen. Er war genervt. „Wir kommen so kaum voran", knurrte er, ohne mich anzusehen.
Natürlich nicht, dachte ich. Wenn er einen Schritt machte, bedeutete das für mich fünf. Ich war fast gerannt, um mit ihm Schritt zu halten, und trotzdem war ich ihm immer ein Stück hinterher.
„Setz dich auf", sagte er schließlich und deutete auf seinen Rücken.
Ich starrte ihn an. „Was?"
„Ich trage dich. Das geht schneller."
Mein erster Impuls war Ablehnung. Ich wollte das nicht. Es fühlte sich falsch an – zu nah, zu intim. Aber ich war erschöpft, und irgendetwas in seiner Stimme ließ keinen Widerspruch zu. Also zögerte ich nur kurz, trat näher und ließ mich schließlich auf seinen Rücken gleiten.
Sein kräftiger Wolfsrücken bewegte sich unter mir, geschmeidig und kraftvoll zugleich. Ich spürte das dichte, warme Fell unter meinen Fingern, als ich mich an ihn klammerte, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Sein Atem war ruhig, gleichmäßig, und ich konnte sein pochendes Herz unter meinem Brustkorb spüren. Einen Moment lang war ich starr vor Anspannung – und dann... war da nur Stille. Kein Hohn, kein Spott, keine Bemerkung. Keal trug mich einfach, als hätte er das schon hundert Mal getan.
Ich wagte nicht zu sprechen. Irgendetwas an diesem Moment war zerbrechlich. Und vielleicht... vielleicht wollte ich ihn noch ein kleines bisschen länger halten.
Vorsichtig vergrabe ich meine Finger in sein weiches Fell. Doch plötzlich beschleunigt Keal sein Tempo, und ich schreie erschrocken auf. Instinktiv kralle ich mich fester an ihm fest. Meine Beine presse ich an seinen Körper, mache mich so klein wie möglich. Mit dem Oberkörper liege ich auf ihm, und auch meinen Kopf verberge ich tief in seinem pechschwarzen Fell, um mich vor dem peitschenden Wind zu schützen, der bei dieser Geschwindigkeit entsteht. Es ist anstrengend, mich so festzuhalten, doch die Angst, herunterzufallen, ist größer als meine Erschöpfung. Also klammere ich mich einfach weiter fest.
.......
Nach einer gefühlten Ewigkeit wird er endlich langsamer. Völlig erschöpft löse ich meine verkrampften Finger aus seinem Fell und bemerke beschämt, dass ein paar Haare an meiner Hand kleben. Ich habe sie ihm ausgerissen – doch er scheint es nicht zu bemerken. Schnell wische ich meine Hände an der Hose ab und hebe den Kopf.
Meine Beine sind taub, der ganze Körper zittert leicht, noch ganz durchdrungen vom Nachhall der Anspannung. Und doch... da ist auch etwas anderes. Etwas Warmes. Ein leises Gefühl von Sicherheit, das ich kaum benennen kann. Ich sitze noch auf seinem Rücken, spüre, wie sich sein kräftiger Leib bei jedem Atemzug hebt und senkt. Er bleibt still, ruhig, geduldig, fast als würde er darauf warten, dass ich bereit bin, loszulassen.
Schließlich gleite ich langsam von ihm hinab, unsicher, ob ich den Boden unter meinen Füßen wirklich spüren will. Als ich aufkomme, knicken meine Knie beinahe ein. Keal stellt sich neben mich, groß, schwarz, wachsam – seine Augen wie flüssiger Onyx, die in die Ferne blicken.
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The Alpha
WerewolfBösewichte werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Er war ein Junge, bevor er zum Monster wurde - geformt aus Schmerz, Verrat und Blut. Pia wollte nur ihre Schwester retten. Doch nun steht sie allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Ein Rudel ze...
