Zac atmet schwer durch, senkt langsam die Waffe, aber sein Blick bleibt wachsam.
Ich löse mich nicht von Keal. Meine Hände ruhen noch immer an seinem Gesicht, als könnte ich ihn mit bloßer Berührung hierhalten, festhalten, vor der Dunkelheit bewahren, die ihn droht zu verschlingen.
Er schließt kurz die Augen, als wolle er fliehen vor dem Moment. Doch dann öffnet er sie wieder. Sein Blick trifft meinen. Und irgendetwas darin sagt mir, dass er diesen Kampf allein führen wollte. Wieder.
Aber nicht diesmal.
Langsam lasse ich meine Hände sinken. Die Höhle ist kalt. Feucht. Dunkel. Doch für einen Augenblick fühlt es sich an, als wären wir sicher. Als wären wir einfach nur drei Menschen, die den Sturm überlebt haben und einen Ausweg suchen.
"Wir sollten uns ausruhen", sagt Zac schließlich. "Egal, was morgen kommt – wir brauchen Kraft."
Ich nicke zögernd. "Aber hier...?"
Er deutet auf die dunkle Höhle. "Hier sind wir geschützt. Draußen könnte jederzeit etwas lauern."
Keal sagt nichts. Er lehnt sich gegen die kalte Felswand, den Blick abgewandt. Ich sehe die Schatten in seinen Augen. Die Erschöpfung. Den Schmerz. Aber auch die Kontrolle, mit der er all das unter Verschluss hält.
Zac beginnt, eine Decke auszubreiten, zündet eine kleine Notlampe an, die ein flackerndes Licht in den Raum wirft.
Ein Lager. Provisorisch. Aber es reicht.
Ich setze mich, ziehe die Knie an die Brust und beobachte Keal, der noch immer schweigt. Sein Körper wirkt angespannt, als würde er sich gegen das Ausruhen wehren. Als wäre Schlaf für ihn gleichbedeutend mit Schwäche.
"Du solltest dich auch ausruhen", sage ich leise in seine Richtung.
Er reagiert nicht. Doch ich sehe, wie sich seine Kiefermuskeln anspannen.
Vielleicht... ist das alles, was er gerade kann: still dasitzen. Und das ist okay.
Zac legt sich neben mich, den Rucksack als Kissen.
Ich schließe die Augen, lehne den Kopf an die kalte Wand und atme tief durch.
Und noch bevor die Dunkelheit mich vollends umhüllt, spüre ich, wie jemand sich neben mich setzt. Nicht nah. Aber nah genug.
Ein Schatten. Ein Hauch von Wärme. Keal.
Vielleicht ist das unsere Art von Frieden. Für jetzt.
Schnell wird aus Müdigkeit Kälte. Die Höhle ist scheiße kalt und der Boden hart wie Stein. Erst hatte ich es kaum gespürt, weil meine Erschöpfung alles übertönt hat, aber jetzt kriecht sie mir in jede Faser.
Durch das schwache Licht kann ich Zac schlafen sehen. Eingemummelt in der Decke, mit seinen dicken Sachen. Für ihn scheint es nicht so schlimm zu sein.
Ich drehe mich auf die andere Seite und zucke zusammen, als ich sehe, dass Keal sich verwandelt hat. Sein großer Wolfsleib liegt ruhig, aber angespannt wenige Schritte entfernt. Als ich ihn anblicke, hebt er langsam den Kopf und öffnet die Augen.
Er starrt mich an.
Kein Knurren. Kein Laut. Nur dieser Blick, der mich trifft wie ein warmer Schauer.
Ich spüre, wie mein Herz schneller schlägt. Nicht vor Angst. Sondern weil da etwas in seiner Gegenwart ist, das mich durchdringt. Eine stumme Vertrautheit.
Langsam krieche ich etwas näher an die Wand gegenüber, setze mich hin, ziehe die Beine an und lege das Kinn darauf.
"Ich friere", flüstere ich mehr zu mir selbst als zu ihm.
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The Alpha
WerewolfBösewichte werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Er war ein Junge, bevor er zum Monster wurde - geformt aus Schmerz, Verrat und Blut. Pia wollte nur ihre Schwester retten. Doch nun steht sie allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Ein Rudel ze...
