Ich heiße Pia. Und eigentlich bin ich ein ganz normaler Teenager – zumindest auf den ersten Blick.
Doch ich bin anders.
Meine Eltern sind Werwölfe. Geboren in alte Blutlinien, aufgewachsen mit dem Wissen, dass ihre Welt größer, gefährlicher – und geheimnisvoller – ist als die der Menschen.
Auch meine Schwester Tatia ist ein Werwolf. Sie wurde mit dem Gen geboren. Ich nicht.
Warum, weiß niemand genau. Genetisch betrachtet ist es möglich, dass ein Kind zweier Werwölfe ohne das Werwolf-Gen zur Welt kommt. Es ist selten – aber es kommt vor. Ich bin der Beweis.
Für meine Eltern war das schwer zu akzeptieren. Nicht aus Ablehnung. Sie lieben mich – davon bin ich überzeugt. Aber in einer Welt, in der Zusammenhalt, Stärke und Rudelzugehörigkeit über Leben und Tod entscheiden können, ist jemand wie ich – ohne Fähigkeiten, ohne Instinkte, ohne Verbindung – ein Risiko.
Meine Schwester Tatia ist neun Monate älter als ich. Wir sind nicht blutsverwandt. Meine Eltern haben sie adoptiert, als sie drei Jahre alt war, nachdem ihre leiblichen Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Für mich war sie von Anfang an meine Schwester.
Heute gehen wir in dieselbe Klasse. An dieselbe Schule. Dort, wo auch unsere Eltern unterrichten. Ja – mein Vater unterrichtet Geschichte, meine Mutter Biologie. Ein menschliches Leben zwischen Wölfen.
Unsere Schule ist eine Privatschule für Werwölfe – eine Art geschützter Ort, abgeschirmt von der Außenwelt. In Stowe, der kleinen Stadt, in der wir leben, ist das auch nötig. Stowe wirkt auf den ersten Blick ruhig, fast unscheinbar – viel Wald, wenig Straßen, ein paar Geschäfte, eine Kirche. Aber hinter den Fassaden leben Werwölfe. Viele. Die meisten Einwohner tragen das Gen oder sind mit Werwölfen verwandt. Manche sind Menschen wie ich – Ausnahmen. Toleriert, aber nie ganz Teil des Ganzen.
Die Schule hat klare Regeln. Die wichtigste: Keine Verwandlungen auf dem Schulgelände. Der Campus soll neutraler Boden sein – keine Kämpfe, keine Revierkonflikte, keine Rudelpolitik.
In der Theorie.
In der Praxis existieren zwei dominante Rudel, die ständig um Einfluss wetteifern. Kämpfe, Spannungen, Machtspiele – vieles davon passiert im Verborgenen, manches offen.
Einer der Rudelführer nennt sich Akki. Angeblich bedeutet das „Dämon". Passender könnte sein Name kaum sein. Er ist skrupellos, kontrollierend – gefährlich. Und ausgerechnet Tatia gehört zu seinem Rudel. Sie muss ihm folgen, seine Befehle ausführen – oder mit den Konsequenzen leben. Und die können tödlich sein.
Ich verachte ihn.
Der Unterricht ist fordernd, vor allem im Sport. Werwölfe sind schnell, stark, ausdauernd. Ich bin sportlich – für einen Menschen. Aber ich kann nicht mithalten. Beim Laufen bin ich immer hinten, beim Basketball kriege ich kaum den Ball zu fassen. Und wenn doch, dann nur für wenige Sekunden.
Trotz allem hatte ich nie den Wunsch, so zu sein wie sie. Ich will kein Werwolf sein. Keine schärferen Sinne, kein Rudel, keine Verwandlungen. Ich bin, wer ich bin – und das reicht mir.
Ich gehöre nicht in diese Welt. Und trotzdem bin ich mittendrin. Ein Mensch unter Wölfen. Ein Außenseiter.
Und das war erst der Anfang.
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The Alpha
WerewolfBösewichte werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Er war ein Junge, bevor er zum Monster wurde - geformt aus Schmerz, Verrat und Blut. Pia wollte nur ihre Schwester retten. Doch nun steht sie allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Ein Rudel ze...
