Keal fängt plötzlich an zu lachen. Ein kaltes, spöttisches Geräusch, das Lior ins Mark treffen muss.
„Du versuchst immer noch, keine Schwäche zu zeigen. Nicht vor ihr."
Er tritt einen Schritt näher, die Fäuste geballt, dann holt er aus -
ein einziger, harter Schlag trifft Lior ins Gesicht.
Sein Kopf wird zur Seite gerissen, Blut spritzt, und sein Körper sackt vornüber -
wäre da nicht die Ketten, die ihn halten, er wäre zu Boden gegangen.
Ich zucke heftig zusammen bei dem dumpfen Laut des Aufpralls.
Mein ganzer Körper spannt sich an, als hätte der Schlag mich selbst getroffen.
Sofort senke ich den Blick, hoffe, dass es niemand bemerkt hat.
Nicht Keal. Und schon gar nicht Lior.
Lior keucht, Blut tropft von seiner Lippe, und dennoch hebt er langsam den Blick.
Hass lodert in seinen Augen, doch noch mehr: Stolz. Trotz.
Er würde lieber sterben, als sich hier zu erniedrigen. Vor mir. Vor Keal.
Und genau das weiß Keal.
Er tritt zurück, wendet sich halb ab.
„Du bist erbärmlich. Deine größte Schwäche ist dein Stolz. Du würdest lieber in Ketten verrecken, als zuzugeben, dass du längst verloren hast."
Sein Blick fällt auf mich. Hart. Unnachgiebig.
„Ich verschwende meine Zeit nicht mit sowas. Wenn du noch was von ihm willst - bitte. Er gehört dir."
Zuerst bin ich verwirrt. Doch dann begreife ich.
Das hier ist kein Rückzug. Kein Aufgeben.
Keal weiß genau, was er tut.
Mit Gewalt kommen wir nicht weiter. Zumindest nicht Keal. Gegen ihn zu verlieren... das ist keine Schande. Keal ist eine Legende. Ein Monster im Schatten. Jeder würde gegen ihn unterliegen.
Aber gegen mich?
Gegen ein Mädchen, das er früher gebrochen hat?
Ein Mensch, schwach, sterblich.
Das würde ihn zerstören. Nicht der Schmerz, nicht das Blut. Sondern der Gedanke, dass ich - ausgerechnet ich - über ihm stehe.
Sein Ego wird das nicht verkraften.
Keal stößt sich wortlos von Lior ab und tritt zurück. Lässig lehnt er sich an die kalte Steinwand, verschränkt die Arme vor der Brust. Doch seine Augen bleiben auf Lior gerichtet - wachsam, eiskalt, bereit.
Er hat mir den Raum gegeben.
Jetzt liegt es an mir.
Ich trete näher an ihn heran. Ganz langsam. Jeder Schritt ein Schnitt in sein verletztes Ego.
Lior hebt den Kopf, versucht zu lächeln - dieses ekelhafte, süffisante Grinsen, das er immer aufsetzte, wenn er dachte, er hätte die Kontrolle.
„Weißt du, was ich mich frage?" Meine Stimme ist leise, beinahe sanft. „Ob du mehr Schmerzen hast, weil du hier gefesselt bist... oder weil ich frei bin."
Seine Miene verzieht sich, aber er schweigt.
Ich gehe noch einen Schritt näher. Jetzt sind wir auf Augenhöhe. Ich sehe das eine Auge, das er noch hat. Voller Hass.
„Du bist erbärmlich, Lior. Ein Mann, der nichts kann außer zerstören. Und der dabei nicht mal gut ist." Ich neige den Kopf. „Nicht mal darin warst du gut. Du hast mich gebrochen, ja... aber du hast es nie geschafft, mich ganz zu vernichten."
Er knurrt. „Du kleine-"
Ich unterbreche ihn mit einem Schlag. Ein gezielter Hieb gegen seine verletzte Seite. Er zuckt zusammen, schnappt nach Luft, und ich genieße das Zucken in seinem Gesicht. Kein schlechtes Gewissen. Keine Reue. Nur Kontrolle.
DU LIEST GERADE
The Alpha
Hombres LoboBösewichte werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Er war ein Junge, bevor er zum Monster wurde - geformt aus Schmerz, Verrat und Blut. Pia wollte nur ihre Schwester retten. Doch nun steht sie allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Ein Rudel ze...
