Ich weiß nicht, wie ich hierhergekommen bin.
Meine Wunde ist notdürftig verbunden, der Verband riecht nach Kräutern, die ich nicht benennen kann. Die Luft ist kühl und still, der Boden unter mir weich, mit Decken ausgelegt. Kein Gefängnis, aber auch kein Zuhause. Ich bin irgendwo tief im Wald – vielleicht sogar im Herzen des verbotenen Territoriums. Allein... oder doch nicht?
Langsam setze ich mich auf. Jeder Muskel schreit. Mir wird schwindelig, mein Sichtfeld verschwimmt für einen Moment, dann kehrt Klarheit zurück – zumindest körperlich.
Ich erinnere mich an seine Augen. Schwarz. Tiefer als alles, was ich je gesehen habe. An seine Stimme in meinem Kopf, kalt und fremd. Und an die Worte, die ich gesagt habe, bevor alles in Dunkelheit versank.
Ein Angriff. Bald.
Ich weiß nicht, ob er mir geglaubt hat. Aber ich lebe noch. Das heißt etwas... oder?
Ein Rascheln. Mein Körper spannt sich an, instinktiv. Ich halte den Atem an. Schritte, langsam, kontrolliert. Kein Knurren diesmal. Keine Bedrohung. Nur eine Gestalt, die sich mir nähert – vorsichtig, fast lautlos.
Die Frau.
Die gleiche, die ihn aufgehalten hat. Die, die ihn um Gnade bat.
Sie bleibt stehen, ein paar Meter von mir entfernt, als wolle sie mir Raum lassen. Ihre Haltung ist nicht feindlich, aber aufmerksam – wie jemand, der jederzeit mit dem Schlimmsten rechnet.
„Du bist wach", sagt sie leise. Ihre Stimme ist sanft, aber auch getragen von etwas, das ich nicht greifen kann. Schmerz? Angst?
Ich nicke langsam. „Wo bin ich?"
Sie zögert. Dann: „In Sicherheit. Für den Moment."
Für den Moment.
Ich weiß, was das bedeutet.
Ich bin nicht willkommen. Ich bin nur... geduldet.
Die Frau gegenüber sagt nichts. Vielleicht, weil sie weiß, dass ich gerade etwas sagen muss, das schon zu lange in mir steckt.
„Ich dachte, ich wäre tot", flüstere ich. „Ich hab sein Gesicht gesehen. Nichts Menschliches. Nur Schatten und Zorn."
Ein Zittern läuft mir über den Rücken, als würde die Erinnerung mich erst jetzt wieder berühren. Ich starre auf meine Hände.
„Er wollte mich töten. Ich weiß es. Ich hab's gespürt. In jeder Faser. Da war kein Zweifel."
Ich schlucke schwer.
„Und dann... war da nichts mehr. Nur Dunkelheit. Ich bin einfach gefallen. Fort gewesen. Ich dachte, das war's." rede ich mehr mit mir selbst.
Mein Blick hebt sich vorsichtig zu ihr. „Aber ich lebe noch. Warum? Was hast du getan?"
Sie sieht mich lange an, als würde sie abwägen, wie viel Wahrheit ich vertrage. Oder ob sie sie mir überhaupt geben will.
Sie mustert mich, schweigend, fast mitleidig. Dann sagt sie leise: „Ich hab ihn gebeten, es nicht zu tun."
Ein bitteres Lächeln zuckt über mein Gesicht. „Und das hat gereicht? Ein Bitte?"
„Nein", sagt sie ruhig. „Aber es war genug, um ihn zum Innehalten zu bringen."
Ich sehe sie an. „Warum? Warum hat er überhaupt auf dich gehört?"
„Weil er mich kennt", sagt sie leise. „Oder kannte. Vielleicht ist das alles, was noch übrig ist – ein Schatten von etwas, das einmal war."
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The Alpha
Manusia SerigalaBösewichte werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Er war ein Junge, bevor er zum Monster wurde - geformt aus Schmerz, Verrat und Blut. Pia wollte nur ihre Schwester retten. Doch nun steht sie allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Ein Rudel ze...
