„Fahr schneller!“
Die Stimme schneidet durch die Dunkelheit in meinem Kopf – grell, fordernd, panisch.
War das … meine Mutter?
Ich stöhne leise. Alles in mir ist schwer, dumpf, weit weg. Mein Kopf hämmert. Ich öffne die Augen. Sofort blendet mich Licht – Straßenlaternen flackern vorbei. Ich liege. Etwas bewegt sich. Ich bin in einem Auto.
Ich taste nach meinem Kopf. Feucht. Warm. Schmerz schießt durch meinen Schädel.
Was … ist passiert?
Meine Stimme kommt heiser, kaum hörbar: „Was … was ist … passiert?“
Die Luft riecht nach Blut. Und Angst.
Ich versuche, mich aufzurichten. Mein Blick wandert langsam durchs Auto. Mein Vater – stumm, angespannt – am Steuer. Die Finger so fest um das Lenkrad, als könnte er die Kontrolle verlieren, wenn er loslässt.
Meine Mutter auf dem Beifahrersitz – sie dreht sich zu mir um. Ihre Augen sind feucht, rot. Entsetzt. Erleichtert. Überfordert.
Ich bin auf der Rückbank. Allein.
Warum bin ich allein?
Ein Zittern läuft durch meinen Körper.
Albtraum … war das alles ein Albtraum?
Ich senke den Blick – und ersticke fast an meinem eigenen Atem.
Meine Kleidung ist mit Blut getränkt. Erde klebt an meiner Haut, in meinen Haaren. Mein ganzer Körper ist eine offene Frage.
Und in dem Moment sehe ich es wieder. Nicht vor mir, sondern in mir.
Das Schlachtfeld.
Die Schreie.
Der schwarze Wolf.
Tatia.
Tatia.
Ein wilder Schrei bricht aus mir hervor:
„Wo ist sie?! Wo ist Tatia?!“
Meine Mutter fährt erschrocken herum. „Pia – Schatz – bitte beruhige dich –“
„Sag es mir! Sie ist … sie ist …“ Meine Stimme bricht, als die Tränen kommen. Heftig, brennend. Mein Kopf droht zu zerreißen, aber ich kann nicht aufhören. Ich will schreien, will die Zeit zurückdrehen, will aufwachen. Bitte, lass es ein Albtraum sein!
„Sie ist bei uns“, flüstert Mama, und ihre Stimme klingt wie gebrochenes Glas. „Hinten. Im Kofferraum. Wir … wir haben euch nicht beide auf die Rückbank bekommen. Sie ist schwer verletzt, Pia. Sie ist bewusstlos.“
Ich will etwas sagen, doch meine Lippen bewegen sich nicht. Ich drehe mich langsam um, so als könnte ich die Wahrheit durch Verzögerung abwehren.
Und da liegt sie.
Verhüllt in Decken. Blass. Bewegungslos. Wie eine Leiche.
Etwas in mir stirbt.
Keiner spricht. Selbst der Motor klingt plötzlich gedämpft, wie in Watte gepackt. Die Welt zieht draußen vorbei – aber hier, im Auto, steht die Zeit still.
Ich atme schwer. Mühsam. Dann flüstere ich: „Ich … ich hab euch angerufen. Immer wieder. Ich hab geschrien. Warum … warum kam niemand?“
Meine Mutter schluckt. Hart.
„Wir haben’s nicht gehört. Unsere Handys … lagen im Wohnzimmer. Als wir heimkamen und ihr nicht da wart, sind wir durchgedreht. Und dann hat uns jemand gesagt, was Akki vorhatte. Wir sind losgerannt. Ohne Plan. Nur Panik. Wir haben euch gefunden, Pia. Aber … es war zu spät.“
Ihre Stimme bricht. Ihre Tränen brechen mit. „Ich dachte … ich dachte, ich hätte euch beide verloren.“ weint meine Mutter.
Ich lehne den Kopf gegen die kalte Fensterscheibe. Spüre, wie mein Herz nur noch schlägt, weil es nicht anders kann. Ich habe keine Worte. Kein Trost. Nur diese Bilder in meinem Kopf. Tatia, wie sie da lag. Ihr Blut. Mein Schrei. Das Gewicht ihres Körpers in meinen Armen.
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The Alpha
VlkodlaciBösewichte werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Er war ein Junge, bevor er zum Monster wurde - geformt aus Schmerz, Verrat und Blut. Pia wollte nur ihre Schwester retten. Doch nun steht sie allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Ein Rudel ze...
