Eine Woche ist vergangen.
Doch das Rudel steht noch immer unter Strom, als wäre das Blut nicht im Boden versickert, sondern in den Knochen aller übergegangen.
Tatia liegt noch immer im künstlichen Koma.
Die Ärzte sagen, es sei besser so - damit ihr Körper heilen kann, wenn auch langsam.
Ich besuche sie jeden Tag.
Halte ihre Hand, auch wenn sie nicht drücken kann.
Rede mit ihr, auch wenn sie nicht antwortet.
Aber der Sturm, der in jener Nacht begonnen hat, tobt noch immer draußen - und in mir.
Niemand weiß, was genau passiert ist.
Ich war da, ich habe es gesehen... oder geglaubt, etwas gesehen zu haben.
Der schwarze Wolf - in meinen Augen war er es.
Der Einzige, den ich erkannt habe.
Der Einzige, dessen Schatten sich bis in mein Zuhause geschlichen hat.
Aber ich weiß nicht, was wirklich geschehen ist.
Niemand weiß es.
Was sicher ist: Akki, der zukünftige Alpha, hat mit einem Teil seines Rudels ein anderes Territorium betreten.
Ohne Einladung.
Ohne Erklärung.
Und das zählt bei uns als Angriff.
Warum er es getan hat?
Die Meinungen gehen auseinander.
Einige sagen, er sei durchgedreht.
Andere meinen, er wollte sich seinem Vater beweisen.
Zeigen, dass er bereit ist, ein echter Anführer zu werden.
Ein Alpha, der keine Schwäche zeigt.
Und dann gibt es noch die, die im Flüsterton etwas anderes erzählen:
Dass es kein blindes Ausrasten war, sondern Kalkül.
Dass Akki das Territorium übernehmen wollte.
Dass er sein Rudel vergrößern, seine Macht ausdehnen wollte.
Aber nichts davon lässt sich bestätigen.
Denn niemand aus seinem Trupp hat überlebt.
Das Schlachtfeld war... eine Botschaft.
Alle Leichen gehörten zu Akkis Rudel.
Nicht ein einziger Fremder.
Nur sie.
Zerschmettert. Zerfetzt.
Und niemand weiß, wie viele Verteidiger dort waren.
Es könnten Hunderte gewesen sein.
Ein ganzes verborgenes Rudel.
Oder etwas anderes.
Der Alpha - Akkis Vater - hat um Erlaubnis gebeten, die Leichen zu bergen.
Er durfte sie holen, zusammen mit dem verstümmelten Körper seines Sohnes.
Ein stiller Akt.
Ohne Worte.
Nur mit der Hoffnung, den Toten wenigstens ein Grab geben zu können.
Doch die Unruhe ist geblieben.
Die Angst.
Das Grollen unter der Oberfläche.
Und ich?
Ich spüre, dass das hier noch nicht vorbei ist.
Nicht für mich.
Nicht für Tatia.
Nicht für das Rudel.
Die Zeit verging schneller, als ich gedacht hatte.
Oder vielleicht bin ich auch einfach darin verloren gegangen.
Ich habe auf den Boden gestarrt, auf die Wände, auf meine Hände -
und in meinem Kopf ist alles durcheinandergeraten.
Bilder, Stimmen, Erinnerungen.
Ich habe nicht einmal gemerkt, wie draußen die Sonne unterging,
wie sich der Himmel verdunkelte
und der Tag langsam zu etwas wurde, das sich wieder Nacht nennen durfte.
Erst als es an meiner Zimmertür klopfte, zuckte ich zusammen.
Erschrak, weil der Klang sich anfühlte wie etwas Fremdes in all der inneren Stille.
Die Tür ging auf.
Meine Eltern standen da.
Ihr Blick war schwer.
Nicht nur von Sorgen - sondern von Entscheidungen, die ihnen das Herz gebrochen hatten.
Ich setzte mich auf, spürte, wie mein Körper sich wehrte.
Wie er mir sagen wollte: Du brauchst Ruhe.
Aber ich konnte nicht ruhen.
Nicht, wenn sie so dastanden.
Meine Mutter trat zuerst ein.
Mein Vater folgte langsam.
Er wirkte, als würde ihn jeder Schritt etwas kosten.
„Wir wollten dir sagen, was beim Treffen beschlossen wurde", sagte er schließlich.
Und da war dieser Ton in seiner Stimme -
der Ton, den Erwachsene benutzen, wenn sie Kindern schlechte Nachrichten bringen müssen.
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The Alpha
WerewolfBösewichte werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Er war ein Junge, bevor er zum Monster wurde - geformt aus Schmerz, Verrat und Blut. Pia wollte nur ihre Schwester retten. Doch nun steht sie allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Ein Rudel ze...
