Draco Malfoys Sicht
Die lauten Stimmen der panischen Anwesenden verstummen und vorsichtig öffne ich meine Augen. Dumbledore steht erwartungsvoll uns gegenüber.
Harry legt sich die Hände an den Rücken und murmelt: „Ich glaube, dass ich bei der Landung hätte mehr aufpassen müssen."
Dumbledore öffnet seine Hand und ich übergebe ihm das Medaillon. Der Schulleiter überprüft den Gegenstand und nickt daraufhin zufrieden.
Dumbledore verkündet: „Mister Malfoy, aus dem Hause Slytherin gewinnt die erste Runde und verdient sich somit zwei Punkte."
Harry schnauft verwirrt: „Woher hast du überhaupt gewusst, dass es sich hierbei um einen Horkrux handelt?"
Sein Zeigefinger deutet auf das Medaillon in Dumbledores Hand und ich zucke mit den Schultern. In der nächsten Sekunde taucht Sue Li auf und direkt nach ihr Oliver Rivers. Beide verziehen das Gesicht.
„Professor, uns ist es nicht gelungen", entschuldigen sich beide und Dumbledore nickt verständnisvoll.
Der Schulleiter zeigt auf mich und berichtet: „Mister Malfoy hat die erste Runde mit zwei Punkten beendet und ist somit in der Führung."
Nach knappen zehn Minuten verlasse ich die Bibliothek und bewege mich zu den Kerkern der Slytherin.
Ich hätte mit dem Entnehmen des Medaillons mehr aufpassen müssen. Harry hat mich gehört und bemerkt, dass es sich um einen Horkrux bei diesem Schmuckstück handelt.
Vor dem Eingang angekommen nenne ich das Passwort und betrete den Gemeinschaftsraum. Wenige Erstklässler sitzen an den Tischen und erledigen ihre Hausaufgaben.
Gegenüber dem Kamin nehme ich Platz, da dies der einzige leere Platz ist und starre gedankenlos in das Feuer.
Wie soll es mir nun gelingen Harrys Misstrauen von mir zu lenken? Weshalb schickt uns Dumbledore auf Horkrux Jagd? Ist der Mann noch ganz bei Sinnen? Dies könnte böse für jeden Trimagischen Champion enden!
„Weshalb bist du so in Gedanken?", vernehme ich die Stimme von Blaise seitlich von mir und blicke auf.
Seine Augen sind ebenfalls auf das Feuer gerichtet und wir sitzen für eine Weile still da. Ich atme frustriert aus und lasse die Schultern hängen.
„Ich weiß es nicht", gebe ich wahrheitsgemäß zu. „Seitdem Hermine in unserem Haus ist, ist nichts mehr wie es vorher gewesen ist."
„Definiere ‚nicht mehr wie vorher'", meint Blaise und betont die letzten vier Wörter.
Ich zucke mit den Schultern und antworte: „Ich fühle mich so, als müsste ich andauernd auf sie aufpassen."
„Du denkst, dass du die Verantwortung für ihre Sicherheit hast?", wiederholt er meine Worte genauer und ich nicke zustimmend. „Könnte dies möglicherweise darauf hindeuten, dass du verliebt in sie bist?"
Ich springe ruckartig auf und starre ihn entsetzt an. Die Mundwinkel von Blaise gehen leicht nach oben und dies raubt mir den letzten Nerv.
Es amüsiert ihn!
„Du musst dich doch nicht schämen!", meint Blaise und schüttelt grinsend den Kopf.
Ich zeige warnend auf ihn und drohe: „Wenn du diese Worte noch einmal wiederholst, dann werde ich..."
Blaise unterbricht mich und äußert sich: „Wird dein Vater dann davon erfahren?"
„Es geht hauptsächlich darum!", verrate ich und lasse mich daraufhin erneut auf das Sofa fallen. „Sie würden nicht wollen, dass ich mit einer Muggelstämmigen eine Beziehung eingehe!"
Blaises Augenbrauen gehen nach oben und er fragt: „Bist du dir sicher, dass Hermine kein Rein- oder Halbblut ist?"
Meine Nervosität verschwindet und ich atme auf. Nur das Knistern des Feuers durchdringt die Stille.
„Sie, ich meine wir haben uns geküsst", gebe ich flüsternd zu und blicke auf die Decke.
Blaise schnauft erschrocken und fragt: „Was habt ihr? Euch geküsst? Wie ist das passiert?"
„Ich erzähle dir bestimmt nicht die Einzelheiten", meine ich frustriert lachend. „Es ist einfach passiert!"
Blaise blickt um sich herum und spricht: „Du bist ihr verfallen und nun hattest du die Chance ihr näher zu kommen. Bloß hat es mir heute nicht danach ausgesehen, als wärt ihr euch nähergekommen."
Ich seufze erschöpft aus und antworte: „Ich zwinge mich gemein zu ihr zu sein, da es mein Blutstatus nicht erlauben würde."
„Draco", spricht Blaise meinen Namen vorsichtig aus. „Was hast du gemacht?"
„Ich habe sie unfair behandelt und wahrscheinlich ihre Gefühle verletzt", gestehe ich mit zittriger Stimme.
Unerwartet landet ein Kissen in meinem Gesicht und ich schrecke auf. Meine Augen weiten sich und blicken zu Blaise. Er hält die Mordwaffe in der Hand und schaut mir wütend in das Gesicht. Ich gehe in die Defensive und mustere ihn misstrauisch. Blaise lässt das Kissen fallen und blickt mich prüfend an.
„Ich werde dich mit diesem gefährlichen Gegenstand schon nicht verletzen", versichert er mir sarkastisch und grinst schelmisch.
Warnend hebe ich meinen Zeigefinger und verdrehe die Augen. Das Lächeln liegt noch immer auf seinen Lippen. Ohne Vorwarnung stehe ich auf und bewege mich auf den Ausgang zu.
„Wohin gehst du denn nun?", fragt Blaise verwirrt und dreht sich in meine Richtung.
Fragen über Fragen. Bekomme ich denn gar keine Freiheit? Wieso nehmen sich alle das Recht über mein Leben zu bestimmen?
Ich zeige auf die Steinwand und zische: „Falls ich die Erlaubnis bekomme, werde ich raus an die frische Luft gehen."
„Soll ich mit?", kommt erneut eine überflüssige Frage von meinem Kumpel und ich atme genervt aus. „Beruhige dich. Dann komme ich eben nicht mit."
Erleichtert verlasse ich den Gemeinschaftsraum und mache mich auf den Weg zu Hermine, um die Dinge mit ihr zu klären.
Mindestens seit einer halben Stunde suche ich nach ihr. In jedem Gang und jedem Klassenzimmer habe ich sie gesucht. Jedoch ist diese Schule viel zu groß und die Wahrscheinlichkeit, dass sie an einem Ort bleibt ist deutlich gering.
Wie aus dem Nichts höre ich ein Kichern und drehe mich zu dem Ort, von dem dieses Geräusch kommt. Ich erblicke eine an die Wand gelehnte Hermine und auf ihren Lippen ein breites Lächeln.
Ein Stein fällt mir vom Herzen, wenn ich sie so lächeln sehe.
Langsam nähere ich mich ihr. Meine Sicht wird Klarer und reflexartig mache ich einen Halt. Hermines Hände liegen in denen von Fred Weasley.
Der Stein, welcher mir vom Herzen gefallen ist, hat in dem Moment ein Teil meines Herzens mitgerissen und dieser nennt sich ‚Hermine'.
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Misfit
FanfictionDenke an einen Löwen. Woran denkst du genau? An ein prachtvolles Geschöpf, dessen Loyalität grenzenlos ist? Nun, denke an eine Schlange. Was siehst du? Ein hinterlistiges Tier, dessen Anwesenheit dir bloß schaden kann? Doch, lasse dich nicht blenden...
