Verrückte Pläne

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Draco Malfoys Sicht

Wie soll ich ihr denn aus dem Anwesen helfen, wenn ihr angeblicher Vater, mein tatsächlicher alter Herr und viele andere irrelevante Menschen sie bewachen? Was denkt sie, wer ich bin? Merlin Bond? Ich bin zwar der wunderbare Draco Malfoy, der alle Mädchen um den Finger wickelt, aber so etwas?

„Wie soll das funktionieren?“, frage ich sie neugierig.
Das Mädchen zuckt mit den Schultern und antwortet: „Du bist doch der Kluge. Finde du einen Ausweg!“
„Wir können uns nicht nach Hogwarts apparieren“, meine ich. „Aber nach Hogsmeade. Von dort aus können wir den Geheimgang in die Schule nehmen.“
„Das klingt nach einer guten Idee“, meint Granger und grinst erfreut.
„Dieser Plan klingt nach einem Scheitern“, gebe ich meine ehrliche Meinung ab und ihr Grinsen schwindet.

Wenn das Apparieren von hier nach Hogsmeade so einfach wäre, wäre sie doch selbst auf die Idee gekommen, dies durchzuführen. Es könnte möglicherweise sein, dass sie ihren Zauberstab nicht mehr hat.

„Wo ist dein Zauberstab?“, informiere ich mich um meine eigenen Gedanken zu bestätigen.
„Er ist gemeinsam mit meinen Hoffnungen disappariert“, gibt sie eine sarkastische Bemerkung ab. „Wo kann er denn sein? Natürlich bei diesem Typen, der sich mein Vater nennt.“

Es ist wirklich seltsam, dass dieser Typ nach all den Jahren aufgetaucht ist. Welche Vorteile hätte er, wäre Hermine auf seiner Seite? Welchen Nutzen kann er aus ihr ziehen? Ist er wirklich ihr Vater, oder ein Betrüger? Und wer sind dann die Menschen, die dieses Mädchen seit ihrer Geburt kennen?

„Mein Leben ist eine Lüge“, spricht Hermine und ihre Stimme versagt. „I-Ich.. weiß nicht mehr.. wer ich bin.“

Ich schließe das Mädchen augenblicklich in die Arme und versuche sie auf irgendeine Weise zu trösten.

Menschen Trost zu schenken ist nicht wirklich meine Stärke.

„Zuerst die Versetzung nach Slytherin“, wispert sie. „Dabei war der Grund für die Versetzung Dias Erwachen. Weshalb ist sie nach all den Jahren erwacht? Bin ich zu schwach gewesen? Oder sind es die Einflüsse der Umwelt? Weißt du, welchen Schmerz der Mensch erfährt, wenn seine Existenz in Frage gestellt werden muss?“
„Tatsächlich kann ich das“, gestehe ich und das Mädchen blickt blind in meine Augen. „Ich hab mein Leben lang versucht jemand zu sein, der ich nicht bin. Ich habe diese Lüge so lange gelebt, dass sie zur Wahrheit geworden ist. Ich habe mich mit Menschen angefreundet, die mir mit ihrer Anwesenheit das Gefühl der Einsamkeit gegeben haben. Ich weiß nicht, wie es ist echte Freunde zu haben. Keiner von ihnen kennt mein wahres Ich. Verdammt, nicht einmal ich kenne mich!“

Selbst mir kommen die Tränen und sie zu verstecken ist nicht notwendig, da Hermine sie sowieso nicht sehen kann.

„Wieso weinst du?“, fragt sie und versucht mit Erfolg nach meinem Gesicht zu greifen. „Draco, du weinst tatsächlich!“

Schockiert betrachte ich das Mädchen und spüre wie mein Herz bis zu meinem Hals schlägt.

In meinem Herzen herrscht Chaos. Ist das etwa die Liebe? Dieses Gefühl? Was soll ich denn bloß machen? Mich bei ihr bedanken? Sie umarmen? Oder einfach gehen? Wenn ich gehe, wohin? Schließlich müssen wir schleunigst nach Hogwarts.

„Wenn du gehst“, spricht Hermine. „Würde dein Vater dann nicht in großen Schwierigkeiten stecken?“

In ihrer Lage denkt sie an meinen Vater? Verdammt, dieses Mädchen hat ein zu gutes Herz. Verdammte Dia. Weshalb erwachst du und zerstörst unser nicht so perfektes Leben? Obwohl, mit dem Auferstehen des dunklen Lords wäre sowieso alles zu einem Ende gekommen. Dabei habe ich meine Zeit in Hogwarts gut nutzen wollen.

„Hermine“, spreche ich ihren Namen mit ernstem Ton aus. „Deine Sicherheit hat Vorrang. Wer weiß, was dieser Mann mit dir anstellen wird? Dich umbringen und aus deinem Blut Todestränke herstellen?“
„Interessante Gedanken“, gesteht sie und kichert. „Also, sind wir bereit?“

Unerwartet klopft es an der Tür und ohne ein Signal von unserer Seite, betritt die Person den Raum.

„Draco, was machst du hier bei Hermine?“, zischt er misstrauisch. „Was hast du mit meiner Tochter vor?“
„Er ist ein sehr guter Freund!“, faucht Hermine.
Er unterbricht sie und knurrt: „Dich habe ich nicht gefragt, junge Dame!“

Da bist du abwesend im Leben deiner Tochter und dies ist dein Verhalten ihr gegenüber? Junge, hast du eine Ahnung von einer richtigen Erziehung? Ich meine, ich hätte sie wahrscheinlich auch nicht. Aber demnach bin ich auch nicht der Vater eines Kindes.

„Ich möchte dich nicht im Zimmer meiner Tochter sehen!“, knurrt der Mann wütend und zeigt in den Flur hinter sich. „Und jetzt verschwinde!“
„Obwohl dies noch immer mein Zimmer ist und dieses Anwesen der Familie Malfoy gehört?“, frage ich und versuche hochnäsig zu klingen. „Wen verscheuchst du aus wessen Haus?“
„Du mieser -“, möchte er mich beschimpfen.
Doch ich unterbreche ihn, wende meinen Kopf zu Hermine und frage: „Bist du bereit?“

Sie nickt. Somit lege ich meinen Arm um sie  und mit dem Zauberstab in der Hand, wende ich den Zauber an, um uns nach Hogsmeade zu apparieren.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erlange ich mein Bewusstsein wieder. Angeschlagen versuche ich meine Augen zu öffnen und spüre unerwartet einen starken Schmerz.

„Draco, wo sind wir?“, ertönt die Stimme von Hermine. „Da klebt etwas Warmes an meinen Finger. Fühlt sich von der Konsistenz an wie Blut.“

Ich blicke auf meinen Körper und realisiere, dass mein Arm zersplittert ist.

„Sieht wohl so aus, als sei der tolle Malfoy nicht in der Lage einen einfachen Zauber anzuwenden“, gestehe ich meinen eigenen Misserfolg ein und lege mich wieder hin. „Mein Arm ist zersplittert.“
„Dein Arm?“, wiederholt Hermine erschrocken und ich seufze genervt aus.

Das wird ein tolles Abenteuer. Hätte auf der bösen Seite bleiben sollen.

MisfitWo Geschichten leben. Entdecke jetzt