Hermine Grangers Sicht
Gedämpfte Stimmen ertönen und ich merke, wie ich mein Bewusstsein wiedererlange. Lautes Getuschel ist überall um mich herum zu hören. Ich ziehe die Augenbrauen zusammen und bringe meine Augen gleichzeitig in Bewegung.
„Miss Granger!", ruft eine tiefe monotone Stimme und doch schaffe ich es nicht meine Lider hochzuheben. „Wir müssen Sie in den Krankenflügel bringen!"
Jemand packt mich an meinen Schultern und reflexartig schlage ich meine Augen auf. Doch zu meinen Ungunsten bleibt mir das Licht der Welt erspart. Panik macht sich in mir breit und die Lehrer ziehen schockiert den Atem ein.
„Ich kann nicht sehen!", stottere ich angsterfüllt.
Meine Stimme bebt und ein lauter Schrei entgeht mir. Jeweils zwei Hände umfassen meine beiden Arme und führen mich an einen unbekannten Ort. Ich versuche mich an die vergangenen Ereignisse zu erinnern, doch dies ist leider nicht möglich.
„Wurde Miss Brown bereits in den Krankenflügel gebracht?", fragt McGonagall vorsichtshalber. „Sie hat sehr schwere Wunden am gesamten Körper und innere Blutungen."
„Wir haben Miss Brown sicher zu Madame Pomfrey gebracht", gibt Snape Bescheid.
Ich versuche diverse Wörter über meine Lippen zu bringen, doch mir misslingt diese leichte Aufgabe, da mich in diesem Moment verschiedene Probleme plagen. Ich spüre die Augen der beiden Professoren auf mir und fühle, wie diese mich jeden Moment durchbohren könnten.
„Was ist mit Lavender passiert?", informiere ich mich, um meinen Gedanken eine Schups in die richtige Richtung zu geben.
Beide Professoren bleiben stehen und McGonagall verkündet, dass wir nun im Krankenflügel angekommen sind und beide sich im Klaren sind, dass die Schuld an den Ereignissen nicht bei mir zu suchen sind.
Eine Tür wird geöffnet und Madame Pomfrey ruft uns zu einem Bett, welches sie für mich hergerichtet hat. Mir wird beim Hinlegen geholfen und ich starre blind an die Decke.
„Du miese Schlange!", kreischt Padma. „Lass mich los!"
Wird sie von jemandem festgehalten? Wer ist in diesem Moment diesem Mädchen in den Weg getreten?
„Beruhige dich", zischt Draco und mein Herz macht einen leichten Sprung. „Sollten die Adler von Ravenclaw nicht kühn handeln?"
„Draco?", flüstere ich seinen Namen und möchte ihm am liebsten in die Arme fallen.
„Wenn ich mitbekomme, dass ihr euch Hermine auch nur ansatzweise genähert hab, dann wird dies drastische Konsequenzen haben", droht Draco dem Mädchen und mir fällt auf, dass sich die Ravenclaw diese „Bitte" zu Herzen genommen hat.
In der nächsten Sekunde tritt der Junge zu meinem Bett, legt seine Hand auf meinen Haaransatz und aufgrund dieser Bewegung sträuben sich die Haare an meinem gesamten Körper. Ich suche nach seiner Hand und greife diese, sobald ich sie gefunden habe. Draco legt seine freie Hand auf meinen Handrücken und die Tränen steigen mir in die Augen.
„Ich bin nicht Schuld an dem Ganzen gewesen!", teile ich verzweifelt mit und versuche meine Tränen zurückzuhalten. „Ich weiß nicht, wie es dazu gekommen ist, aber ich versichere dir, dass Lavenders Wunden nicht mein Werk gewesen sind."
„Miss Granger", spricht Dumbledore meinen Namen aus und ich fühle seine Anwesenheit an der Kante meines Bettes. „Ich habe Bekanntschaft mit Gelehrten, welche eine Lösung für Ihr Problem finden könnten, Miss Granger."
Erleichterung macht sich in meinem Inneren breit und ich senke zufrieden meine Schultern. Ich lehne mich in mein Kissen zurück und Draco drückt unterstützend meine Hand.
„Sie sollte für ihre Verbrechen bestraft werden!", brüllt die Parvati, die Zwillingsschwester von Padma und scheint aggressiv zu werden.
Draco knirscht entnervt mit den Zähnen und unser Körperkontakt endet. Ich blicke umher in der Hoffnung, dass mein Augenlicht aus heiterem Himmel zurückkommt, doch vergeblich.
„Professor Dumbledore", rufe ich nach dem Schulleiter und warte einen Augenblick, um meinen Satz zu vollenden. „Wo ist Sie?"
Mit „Sie" ist meine Cousine väterlicherseits gemeint, welche seit einer gewissen Zeit versucht die Kontrolle über meinen Körper zu bekommen, da sie der Meinung ist, dass sie einen Anspruch darauf hat.
„Ich verspreche Ihnen, dass wir demnächst ein Gespräch führen werden und dass all Ihre Fragen eine Antwort bekommen werden", versichert Dumbledore und ich nicke, um ihm meine Zustimmung zu demonstrieren. „Ruhen Sie sich bis dahin aus."
Es vergehen Stunden und die Professoren haben sich höchstwahrscheinlich ihren Tätigkeiten gewidmet. Lavender ist durchgehend in der Gesellschaft von anderen Schülern und aus diesem Grund wird die Einsamkeit in meinem Inneren unerträglicher.
Ein Sessel wird an die Seite meines Bettes geschoben und ich richte mich ängstlich auf. Meine Sehschwäche hat mir den Mut geraubt.
„Ich werde auf dich aufpassen", bestätigt Draco und fährt mir sanft durch die Haare.
In meinem Kopf taucht ein großes Fragezeichen auf. Seit meinem Wechsel von Gryffindor zu Slytherin hat sich Dracos Haltung mir gegenüber sehr verändert. Der junge Malfoy hat mich in der Vergangenheit kaum geachtet und wenn, dann bloß verspottet.
„Welchen Grund hat dein plötzlicher Umgang?", frage ich ihn aus Neugier und erwarte auch keine ehrliche Antwort.
Doch zu meiner Überraschung sagt er: „Ich habe nie die Absicht gehabt dich auf diese Weise zu behandeln, wie ich es früher getan habe. Ich denke, dass dies die Dummheiten eines kleinen Jungen gewesen sind, der große Angst vor einer Abweisung gehabt hat."
„Abweisung?", wiederhole ich bisschen verwirrt und hebe meine Augenbrauen, um dies zu verdeutlichen.
Aufgrund meines jetzigen Zustandes bin ich deutlich im Nachteil. Möglicherweise wäre ich in der Lage gewesen die Wahrheit aus seinem Gesicht abzulesen, oder mir durch seine Gestik ein Bild von ihm zu machen.
„Ich denke, dass dies der falsche Augenblick ist, um über vergangene Ereignisse zu diskutieren", gibt Draco zu und erhebt sich aus seinem Sitz. „Ich werde morgen noch einmal bei dir vorbeischauen."
Mit diesen Worten entfernen sich zwei Füße und scheinen auf den Ausgang zuzusteuern. Ich lausche Draco während seines Abganges und lasse mich daraufhin in den Schlaf fallen, in der Hoffnung, dass mir keiner von Lavenders Freundinnen einen Fluch an den Hals hetzt.
Mitten in der Nacht werde ich von einem absonderlichen Geräusch aus meinem Schlaf gerissen. In der nächsten Sekunde legt jemand seine Hand auf meinen Mund, wodurch die Angstgefühle in meinem Inneren stärker werden.
„Ich heiße Endres Riddle und bin dein biologischer Vater", verrät die unbekannte Stimme und die Neugierde erwacht. „Ich bin hergekommen, um dich endlich zurückzuholen. Doch vorher müssen wir dieses Unheil aus deinem Inneren verbannen."
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Misfit
FanfictionDenke an einen Löwen. Woran denkst du genau? An ein prachtvolles Geschöpf, dessen Loyalität grenzenlos ist? Nun, denke an eine Schlange. Was siehst du? Ein hinterlistiges Tier, dessen Anwesenheit dir bloß schaden kann? Doch, lasse dich nicht blenden...
