1182: 27. Mein großer Auftritt

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Es war mehr als eine Woche vergangen, seit Khadgar und ich zurückgekehrt waren.

Mitten in der Nacht und im peitschendem Regen hatte ich meine Türen aufgestoßen. Maggie und Lis, beide schon am Ruhen gewesen, wurden aus ihren Träumen gerissen und stolperten schlaftrunken in meine hohe Halle. Nachdem ich ihnen knapp von meinem Erfolg berichtet hatte, schickte ich die beiden los, die Pferde zu versorgen und das große Tor meiner Scheune zu öffnen. Sie murrten und klagten über ihre Müdigkeit, machten sich aber auf den Weg und als ich von draußen ihre kreichenden Schreie gehört hatte, wusste ich, dass es mit ihrem Schlaf für die folgenden Tage zuende sein dürfte.

Die nächste Zeit nutzte ich, um ein paar alte Unterlagen über Drachenmythen zu durchforsten und nach Anzeichen für Zeitmaschinen zu suchen. Bis auf ein paar sehr wagen Äußerungen die ich in einer Schrift des Merlin in der königlichen Bibliothek fand und die von allerlei machtvollen Relikten erzählten, blieb mir ein Erfolg jedoch verwehrt. Ich nahm mir vor, die Archivare und Khadgar nach einem Nachfolger Merlins zu befragen, doch war von ihm nichts mehr gehört worden, seit er sich auf die Suche nach einem der größten Schätze der Welt gemacht hatte. Da ich im Gegenzug meine glorreiche Tat natürlich nicht für mich behalten konnte, meinte es das Schicksal gut mit mir und bot mir eine ungeahnte Möglichkeit.

Besagte Woche später stand auf einmal ein Rittersmann in meinem Wohnzimmer. Ich war gerade erst aufgestanden und neben dem Tee den ich trank trug ich noch meinen seidenen Morgenmantel. Den unerwarteten Fremdkörper beäugte ich misstrauisch, lies ihn aber absichtlich warten, um ihm seine Stellung mir gegenüber zu zeigen. Erst nachdem ich meine Tasse besonders ausgiebig genossen hat, wendete ich mich an ihn.

"Wer hat dich hereingelassen?" Der Ritter erwachte aus seiner Trance und richtete seine Haltung. "Unser König, Herrscher des Hügellandes, Wächter des Vater Rhein, bezwinger..." Mit einer einzigen Handbewegung brachte ich ihn zum Schweigen. "Lass diesen Unsinn mit den Titeln und komm zum Punkt, oder willst du es wagen in meiner Gegenwart auch nur eine einzige meiner eigenen zahlreichen Ehrungen zu vergessen?" Mit einem nicken und versöhnlichem, aber nicht wirklich so gemeintem, Lächeln, erlaubte ich ihm Platz zu nehmen.

"Der König schickt nach euch. Ihm ist zu Ohren gekommen, dass ihr berichtet habt, den Drachen Fafnir getötet zu haben. Gleichzeitig hat er von reisenden Händlern gehört, dass sein eigener Sohn Siegfried die Bestie erschlagen hätte. Da Letzerer den Palast nach seiner Verwundung nicht für eine derart gefährliche Mission verlassen hat, bittet unser Herrscher nach euch. Auf dass ihr dieses Rätsel aufklären mögt. Ich entschuldige mich für meine Verspätung, doch die Reise hierher kostet einiges an Zeit."

"Na gut, folgt mir." Ich stand auf und trat aus meinem Vordereingang. "Mit Verlaub, wohin gehen wir?" Ich lächelte in seine Richtung. "Natürlich zu deinem König um ein Problem richtig zu stellen."

Vor der Tür traf ich auch Lis, die gerade meinen Vorgarten pflegte. "Ich bin mal weg, kümmert euch um alles. Fasst ja nichts an! Und lass keine Fremden mehr ohne meine Erlaubnis in mein Haus, wie sehr sie auch glänzen mögen." Als nächstes ging ich zu dem Scheunentor, klopfte dreimal dagegen, bis es sich dann mit Schwung öffnete. Dahinter zum Vorschein kam der eingerollte Leib meines neusten, schuppigen Begleiters. Fafnir drehte sich um und kroch aus der Scheune, dessen großen Innenraum er fast komplett eingenommen hatte. Die Pferde musste ich in meinem Gewächshaus anbinden. Der Drache rekte den Kopf und schlug einige Male mit den Flügeln. Der Ritter hatte zitternd sein Schwert gezogen, was Fafnir mit einem echsenhaften Lächeln kommentierte und auch mich zum Schmunzeln brachte. "Ist unser großer Herrscher im Besitz von Verteidigunsmaßnahmen gegen Drachen?" "N-n-nein? Wa..rum?" Der Glanz von Vorfreude schlich sich in meine Augen. "Natürlich damit meinem dicken Kumpel hier kein Leid geschieht!"

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