Scherbe

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Louis Pov

Ich haute Zayn die Tür vor der Nase zu. Mir war bewusst, dass er mir nicht glaubte, aber in diesem Moment hatte ich dafür wirklich keinen Kopf. Nachdenklich sah ich auf die Tür. Da ich nicht riskieren wollte, dass ich erwischt wurde, schob ich die Kommode vor die Tür,dadurch konnte ich in aller Ruhe ein Versteck für die Pille suchen,welche ich nun aus meinen Schrank heraus holte. Was war das beste Versteck? Mein Blick glitt durch den Raum. Da es im Zimmer nur die nötigsten Sachen gab, war die Wahl an Verstecken recht eingeschränkt.
Warummachte ich mir überhaupt solche Gedanken wegen einer Pille, die ichdoch eh nicht nehmen wollte? Ich wollte nicht sterben, also brauchteich dieses blöde Teil auch nicht. Doch egal, wie sehr ich probiertees mir einzureden. In mir war noch immer eine Seite, die sich nachdem Tod sehnte, auch wenn ich mir dies nicht eingestehenwollte.
Seufzend ließ ich mich mit dem Rücken an der Wand herunter gleiten. Wenn ich eins konnte, dann war es mich in Schwierigkeiten zu bringen. Warum hatte ich Idiot diese verdammte Pille bloß angenommen? Ich hätte einfach weg gehen sollen, dann würde ich jetzt hier nicht verzweifelt hocken, sondern irgendwas mit Zayn unternehmen. Zayn. Wie konnte ich ihm jetzt noch unter die Augen treten? Er vertraute mir.Verlies sich darauf, dass ich keine Dummheiten mehr machte und mitmeinen Problemen zu ihm kam, aber so ein Mensch war ich nicht. Ich konnte noch nie gut über meine Gefühle reden, wollte es meistens auch gar nicht. Viel lieber suchte ich mir eigene Möglichkeiten um mit meinen Problemen umzugehen. Zwar waren diese Möglichkeiten nicht immer die Besten, aber immer noch besser, als irgendeine andere Person zu nerven.
Da es mir nichts brachte auf dem Boden herum zu hocken, stand ich wiederauf. Dabei fiel mein Blick zufällig auf den Schreibtisch, wo eine Rolle Tesafilm lag. Genau diese holte ich mir. Da ich keine Schere hatte und wahrscheinlich auch keine bekommen würde, riss ich den Streifen mit etwas Mühe einfach ab. Das Ergebnis war zwar ein übel zugerichteter Tesafilm-Streifen, doch so lange er noch klebte, war alles gut. Mit Hilfe des Tesafilmes klebte ich die Tüte mit der Pille unter mein Bett, dort würde es ganz sicher niemand finden ...aber was, wenn es abfallen würde? Seufzend holte ich die Tüte wieder aus ihrem Versteck. Augenblicklich fiel mir ein neues Versteck ein. Ich stellte den Schreibtischstuhl ganz nach oben, ehe ich ihn zum Kleiderschrank schob und mich auf die Sitzfläche stellte. Die Staubschicht auf dem Schrank ließ vermuten, dass hier oben nicht geputzt wurde und andere Leute hatten nun wirklich keinen Grund hier rauf zu gucken. Zufrieden mit meinem Versteck legte ich die Tüte ab.Dafür fiel mir etwas anderes ins Auge. Auf dem Schrank lag eine Scherbe, die ich wohl vergessen haben musste. Meine Fingerspitzen fingen an zu kribbeln. Egal wie sehr ich es probierte, ich konnte den Blick einfach nicht von der Scherbe abwenden. Natürlich hatte ich zur Zeit gar keinen Grund mich selbst zu verletzten, mal abgesehen davon, dass ich dank meiner eigenen Mutter in einer Psychiatrie eingesperrt war, ich eine tödliche Pille in meinem Zimmer versteckte und ich noch immer ein Freak war. Ich wusste beim besten Willen nicht, warum Zayn überhaupt mit mir zusammen war. Egal wie oft er mir sagte, dass er mich liebte und wie sehr ich es auch glauben wollte, ein Teil von mir zweifelte an seinen Worten, weil ich es einfach nicht nachvollziehen konnte. Die Scherbe trat wieder stärker in mein Bewusstsein. Nachdenklich kaute ich auf meiner Unterlippe herum. Ein letztes Mal, danach würde ich es wirklich nie wieder tun,schwor ich mir selbst.
Fest entschlossen griff ich nach der Scherbe, sprang vom Stuhl herunter und ging ins Badezimmer, dort setzte ich mich auf den Boden. Da ich ein T-Shirt trug war mein Unterarm bereits frei. Während ich die Narben betrachtete, die größtenteils schon komplett verheilt waren,spielte ich mit der Scherbe herum. Ein aller letztes Mal.
Ich setzte die Scherbe an, zögerte jedoch noch kurz, ehe ich sie übermeine Haut zog. Der gewohnte Schmerz setzte ein. Seufzend legte ich den Kopf in den Nacken. Was tat ich hier bloß?! Ich hatte Zayn versprochen, es nicht mehr zu tun und nun hockte ich im Badezimmer und ritzte mich doch wieder! Ganz von allein zog meine Hand die Scherbe ein weiteres mal über meine leicht gebräunte Haut. Blut sickerte aus den Wunden. Tränen sammelten sich in meinen Augen. Ich war einfach armselig. Nicht mal eine Woche hielt ich es aus ohne mich selbst zu verletzen. Wütend drückte ich beim dritten Schnitt stärker auf. Der Schnitt zog sich über meinen kompletten Unterarm.Schreiend warf ich die Scherbe gegen die Wand, wo sie zerbrach.Weinend rollte ich mich auf dem Boden zusammen. Gott sei Dank hatte ich die Kommode vor die Tür geschoben.
Irgendwann musste ich eingeschlafen seien, denn als ich das nächste Mal die Augen öffnete dämmerte es draußen bereits. Es dauerte einige Sekunden bis ich mich orientiert hatte. Nur langsam sickerte zu mir durch, was ich eigentlich getan hatte. Zögerlich wanderte mein Blick auf meinen Unterarm, der nun von drei weiteren Narben geziert wurde.Da ich trotz Schlaf noch immer ziemlich müde war, beseitigte ich grob die Spuren meiner Tat, die ich inzwischen mehr als nur bereute,schob die Kommode zurück auf ihren ursprünglichen Platz und zog mich bis zur Boxershorts aus. Kurz öffnete ich die Zimmertür,einfach nur um zu sehen, ob sie bereits abgeschlossen war. Doch da sie noch offen war, war es gut möglich, dass Zayn noch vorbei kam,also zog ich mir einen Pullover über um die Wunden zu verbergen,bevor ich unter meine Bettdecke krabbelte. Kaum lag ich, fiel ich auch schon ins Reich der Träume.

Am nächsten Morgen lag ich noch immer allein in meinem Bett. Vielleicht hatte ich Zayn gestern vergrault, als ich ihm die Tür vor der Nase zu gehauen hatte. Weiter konnte ich gar nicht über das Thema nachdenken, denn erst jetzt nahm ich das Brennen an meinem Arm wahr.Vorsichtig krempelte ich den Ärmel hoch. Die Haut um den dritten Schnitt herum war komplett rot und angeschwollen, außerdem war mein Arm noch immer Blut beschmiert. Mit der Fingerspitze berührte ich die Stelle, doch zog ich die Hand sofort zurück, da es höllisch weh tat. Tränen stiegen mir in die Augen.
Ichquälte mich aus dem Bett und schlürfte ins Badezimmer, wo ich alsaller Erstes meinen Arm vom Blut befreite. Allein das Wasser, welchesdie Wunde berührte, verursachte Schmerzen. Ich war zwar kein Arzt,aber ich war mir ziemlich sicher, dass sich die Wunde entzündethatte. Anders hatte ich es auch gar nicht verdient.
Mit zusammengebissenen Zähnen wickelte ich einen Verband um den sauberen Arm. Normalerweise ging ich morgens duschen, doch heute hatte ich Angst davor. Angst vor den Schmerzen die durch das Duschgel entstehen würden. Aus meinem Kleiderschrank holte ich eine schwarze Skinny-Jeans und einen Pullover, der eigentlich Zayn gehörte, dazu zog ich schwarze Vans an.
Wenig motiviert machte ich mich auf den Weg zum Speisesaal um zufrühstücken oder zumindest so zu tun. Viel würde ich eh nicht essen.
Als ich die Tür zum Speisesaal öffnete, entdeckte ich sofort Zayn, der noch allein an unserem Stammtisch saß.
>>Morgen.<<,murmelte ich und probierte mich an einem Lächeln, welches wie schon am Tag zuvor misslang. Aufmerksam beobachtete Zayn mich, während ich mich links neben ihn setzte. So kam er nicht aus Versehen gegen die entzündete Wunde ... zumindest hoffte ich das.
Wahrscheinlich wäre es das Beste, wenn ich es ihm einfach erzählen würde, aber ich wollte nicht, dass er enttäuscht war. 

My little Psychopath [Zouis]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt